Selbstversuch

Digitaler Impfpass ist leicht zu haben - Apotheken stellen Zertifikate aus

Seit Montag gibt es den Impfpass digital auf dem Smartphone. Im Selbstversuch wurde die Erwartung eines Stolperstarts bis auf wenige Eckpunkte nicht bestätigt.

Soest – Auf der Website www.mein-apothekenmanager.de sollte ab Montag einsehbar sein, in welchen Apotheken das Zertifikat ausgestellt wird, das für den digitalen Impfpass benötigt wird. Doch gegen 10 Uhr am Morgen ploppt auf der Website einzig und allein eine Fehlermeldung auf – der Server ist überlastet. Also geht es auf gut Glück mit wenig Hoffnung auf Erfolg los zur nächsten Apotheke. Umso größer ist die Überraschung, als Karsten Hufnagel, Apotheker in der Süd-Apotheke an der Niederbergheimer Straße, erklärt, dass es kein Problem sei, das „EU COVID-19 Impfzertifikat“ auszustellen.

Karsten Hufnagel überträgt die Daten aus dem gelben Impfbuch ins EDV-System – heraus kommt ein Dokument mit einem QR-Code. Der Code kann anschließend in der Corona-Warnapp gescannt werden. Fertig ist der digitale Impfpass.

Ja, Startschwierigkeiten habe es am frühen Morgen gegeben: „Es gab Server-Probleme. Aber das war zu erwarten: Wenn etwas neu ist, wollen alle Leute es haben und dann bricht es zusammen“, berichtet Hufnagel mit entspannter Stimme. Seine Entspannung ist gut nachvollziehbar: „Mittlerweile läuft die Software und es gibt keinerlei Probleme mehr.“ Das bestätigt auch Horst Heidel von der Engel-Apotheke am Markt: „Die neue EDV hakte etwas, der Server blieb manchmal hängen. Aber mittlerweile läuft es.“

Digitaler Impfpass: QR-Code wird in Corona-Warn-App oder CovPass-App gescannt

Mit dem Impfpass, in dem beide Impfdosen vermerkt sind, und dem Personalausweis setzt Karsten Hufnagel sich an den Computer und füllt ein Formular mit den Daten aus beiden Dokumenten aus. Das muss er zweimal machen – für die Erst- und für die Zweitimpfung gibt es jeweils ein eigenes Zertifikat. Das Prozedere dauert wenige Minuten, dann brummt der Drucker, der die Zertifikate auf DIN-A4-Zetteln ausspuckt. Auf den Zertifikaten ist ein QR-Code platziert, der alle Daten der Corona-Impfung enthält. Dieser QR-Code muss – jeweils für die Erst- und für die Zweitimpfung – mit der Corona-Warn-App oder der CovPass-App gescannt werden.

In der App wird mit dem QR-Code der digitale Impfnachweis erstellt, der ab jetzt anstelle des analogen Impfbuches vorgezeigt werden kann. „Ich bin wirklich überrascht, dass es schon am ersten Tag so gut läuft. Erst war es ein bisschen chaotisch, aber ab 10 Uhr lief es“, freut sich Apotheker Hufnagel. Ebenso freut er sich, dass viele Soester Apotheken das Impfpass-Zertifikat im Angebot haben: So entzerrt sich die Nachfrage und konzentriert sich nicht auf wenige einzelne Apotheken. Den Apotheken wird dieser Dienst mit jeweils 18 Euro vergütet, für die Kunden bleibt es kostenlos.

Digitaler Impfpass: Kann ich auch das gelbe Impfbuch weiter nutzen?

Horst Heidel von der Engel-Apotheke betont, dass der digitale Impfpass die Nutzung im Alltag „etwas bequemer“ macht. Jedoch unterstreicht er: „Die digitale Version ist keine Pflicht. Man kann auch den Standard-Impfausweis ganz normal weiter nutzen.“ Dennoch sei die Nachfrage nach den Digital-Zertifikaten sehr hoch. „Neben dem normalen Tagesgeschäft und den Schnelltests bringt uns das neue Angebot vor allem in Sachen Personalkapazität ans Limit. Die Zertifikate müssen von pharmazeutischen Mitarbeitern ausgestellt werden. Dabei müssen wir sorgfältig und gewissenhaft sein. Wenn uns ein Fehler unterläuft, können wir uns sogar strafbar machen.“

Deshalb hoffen alle Apotheker auf Verständnis, wenn es mal etwas länger dauern sollte. Zudem erklärt Heidel, dass die Apotheken im Kreis Soest nur für diejenigen Zertifikate ausstellen dürfen, die im Kreis oder zumindest in den umliegenden Kreisen wohnen.

Digitaler Impfpass: Was ist mit den Ärzten und dem Impfzentrum?

Vorerst bieten die Apotheken die Bescheinigungen exklusiv an: Sowohl das Soester Impfzentrum als auch die Ärzte müssen noch etwas warten. Bei den Ärzten fehlt bislang noch die digitale Infrastruktur: „Wir haben noch nicht die nötige Software. Laut der KVWL soll es die aber bis Ende Juni geben“, erklärt Dr. Heinz Ebbinghaus. Er steht der zusätzlichen Aufgabe offen gegenüber: Vor allem, wenn die Impfungen frisch verabreicht werden, sei die Erstellung der Dokumente „nur eine Sache von wenigen Klicks“.

Wilhelm Müschenborn, Sprecher des Kreises Soest, erklärt, dass geplant sei, den QR-Code „spätestens zum 1. Juli bei Impfungen im Impfzentrum zu vergeben“. Wer seine beiden Impf-Dosen im Soester Impfzentrum bereits verabreicht bekommen hat, „bekommt einen QR-Code zugeschickt, über den die Daten zur Covid-19 Schutzimpfung in den digitalen Impfpass eingelesen werden können. Der Code wird entweder, wenn eine E-Mail-Adresse vorliegt, per Mail verschickt oder postalisch. Ein genauer Zeitpunkt des Versands ist noch nicht klar“, so Wilhelm Müschenborn.

In welcher Apotheke es die Impf-Zertifikate gibt, kann mittlerweile ganz ohne Fehlermeldung auf www.mein-apothekenmanager.de nachgesehen werden. Am einfachsten ist es, wenn man im Adressfeld seine entsprechende Postleitzahl eingibt. In der folgenden Auflistung steht unter dem Namen der Apotheke, ob die Serviceleistung „Digitales Impfzertifikat“ angeboten wird.

Rubriklistenbild: © Daniel Schröder

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare