Leere Innenstadt

Händlern fehlen Gastronomie und der Weihnachtsmarkt

Dietmar Pfannenstiel, Inhaber von „Wohnkultur“ hat sein Geschäft mit Filterfilter-Geräten ausgestattet, um die Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter zu verbessern.
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Dietmar Pfannenstiel, Inhaber von „Wohnkultur“ hat sein Geschäft mit Filterfilter-Geräten ausgestattet, um die Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter zu verbessern.

Die Adventszeit startet und normalerweise beginnt nun die umsatzstärkste Zeit für die Soester Händler. Doch in diesem Jahr mit Lockdown-light wird wohl alles anders. Der Anzeiger hat sich bei einigen heimischen Geschäftsinhabern umgehört. Das Fazit: Alle gehen davon aus, in diesem Jahr deutlich weniger Umsätze und damit weniger Gewinne zu erzielen.

Soest - Durch die Bank verstehen die Händler die Maßnahmen gegen Corona und dass angesichts hoher Infektionszahlen der Weihnachtsmarkt nicht stattfinden kann. Sie sind sich einig: Durch die Schließung der Cafés und Restaurants kommen weniger Kunden in die Stadt. Und: Der Weihnachtsmarkt schwemmt in normalen Jahren Tausende Besucher von auswärts in die Stadt, oft als Reisegruppen. Die bleiben in diesem Jahr aus und dadurch wird weniger verkauft.

„Der Soester Weihnachtsmarkt zählt zu einem der beliebtesten in Deutschland. Tausende Leute kommen mit Bussen. Davon profitieren wir im Weihnachtsgeschäft extrem. Doch diese Leute kommen dieses Jahr nicht. Das werden wir gewaltig spüren“, bedauert Dietmar Pfannenstiel, Inhaber der Wohnkultur an der Marktstraße. Er hofft nun auf die Treue der Soester, die das ein oder andere Geschenk bei ihm kaufen. Und er hat in die Sicherheit seiner Kunden und Mitarbeiter investiert: Damit möglichst alle von Corona verschont bleiben, hat Pfannenstiel mehrere virentötende Luftfilter als Standgeräte gekauft und sie im ganzen Geschäft verteilt.

„Man muss das Beste daraus machen“, sagt Heike Lentering, Inhaberin von „Inspiration am Vreithof“ und blickt mit Optimismus auf das kommende Frühjahr, wenn die Pandemie hoffentlich überstanden sein wird. „Unsere Stammkunden kommen nach wie vor. Sie wollen es sich in der Adventszeit gemütlich machen. Doch die Laufkundschaft fehlt.“ Der Weihnachtsmarkt direkt vor ihrer Tür habe viele Leute ins Geschäft gelockt. „Alles hängt zusammen, der Weihnachtsmarkt, die Cafés am Vreithof, mein Umsatz.“ Ihre Weihnachtsware hat sie zum Teil schon vor einem Jahr bestellt, aber wegen Corona habe es Lieferschwierigkeiten gegeben.

„Es ist sehr ruhig in der Stadt“, bemerkt auch Michael Edingloh, Inhaber von „Michelle“ am Vreithof. Aber das sei durch den Lockdown-light ja auch von der Politik so gewollt, um die Pandemie einzudämmen. Auch für sein Geschäft gelte: „Je mehr Leute unterwegs sind, desto mehr Kundschaft im Geschäft, desto mehr Umsatz.“ Deshalb rechnet auch er mit weniger Einnahmen in den Dezemberwochen als sonst. „Der Weihnachtsmarkt wird uns sehr fehlen. Dort hatten wir auch einen Stand“, sagt Edingloh. Dadurch, dass die Cafés ringsum geschlossen sind, könne man spüren, welch’ große Rolle die Gastronomie auch für sein Geschäft spiele. „Das dämpft die Frequenz deutlich.“ Er hat schon im Sommer Weihnachtsware bestellt – zum Beispiel die beliebten Herrnhuter Sterne –, als er noch fest damit rechnete, auf dem Weihnachtsmarkt zu verkaufen. Doch Edingloh bleibt hoffnungsfroh: „Was jetzt nicht läuft, läuft nächstes Jahr.“ Der Inhaber setzt nun auf die Soester, die in der Stadt ihre Geschenke kaufen mögen und nicht nach Dortmund oder Münster fahren.

„Sonst besuchen rund 45 000 Bustouristen in der Adventszeit Soest, von denen viele in meinen Geschäften auch Geschenke für Freunde und Verwandte kaufen“, sagt Hartmut Nicolaus, Inhaber von „Glanz und Gloria“ und „Schatz im Glück“. Die bleiben in diesem Jahr aus. „Eine tote Stadt ist für uns Händler übel.“ Er hofft nun, dass sich die Kunden ähnlich verhalten wie nach dem ersten Lockdown im Frühjahr: Als die Geschäfte wieder öffnen durften, waren viele Kunden glücklich. „Es gab viel positives Feedback. Viele sagten, wir haben nur auf die Wiederöffnung gewartet und kommen extra zu euch.“ Seine Kunden kaufen in der Regel hochwertig. Dennoch könnten mehr Leute kommen, denn die laufenden Kosten seien hoch. „Wir alle sollten fest die Daumen drücken, dass hier in Soest die inhabergeführten Geschäfte durch die Corona-Krise nicht wegbrechen. Dann sähe die Innenstadt ganz anders aus und das wäre total schade.“

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