Diesmal ist es Ernst: Röllingsen bekommt tatsächlich ein Glasfasernetz

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Von Haus zu Haus: Fabian Groeger, Detlef Köhler, Sascha Nagel und Georg Kilden.

Röllingsen – An nahezu jeder Ecke in Röllingsen klafft eine kleine Grube am Straßenrand. Daraus ragt ein dickes graues Rohr, eine Pfütze signalisiert, hier ist gerade frisch gearbeitet worden. Doch die erste Vermutung, hier werden nach der Super-Hitze in der vergangenen Woche verdurstete Bäume gewässert, täuscht.

Tatsächlich bekommt Röllingsen nun tatsächlich das Glasfaserkabel, das eigentlich schon im vergangenen Sommer kommen sollte. Michael Foltin und Klaus Ochmann gehören zu einer Spezialfirma aus Breitscheid, die sie sich auf das Spülbohrverfahren versteht. Statt ganze Straßen aufzureißen und Gräben zu ziehen, bohren sich die beiden bis zu 200 Meter unter der Grasnarbe durch. 

Und sie kommen zügig voran: Erst Lehm, dann Grünsandstein. Böden andernorts sind schlimmer und härter. Hart ist dagegen die Vorgeschichte. Im August 2018 rückten schon einmal Bauarbeiter an, stellten Sperren auf und und kippten Sandhaufen hin. „Das schnelle Internet kommt!“, dachten viele, zumal viel Prominenz sich am Gärtnerhof zum feierlichen Ersten Spatenstich in sengender Hitze traf. Doch es war nur Symbolik, ein Fake-Termin. 

Kai Himstedt vom Gärtnehof hat das damals miterlebt: „Eine Show. Das klang wie Start.“ Doch jetzt stehen die Arbeiter hier wirklich, um die Röhren für die Glasfaser zu bohren. Auf dem Gärtnerhof, so Himstedt, komme man noch halbwegs mit dem lahmen analogen Netz klar. „Wir schicken nur einmal im Quartal einen größeren Prospekt rum.“ 

Für Thomas Gutwin, der ein paar hundert Meter seine Dachdecker-, Zimmerer- und Gebäudeenergieberater-Firma führt, kratzt so ein lahmes Netz schon fast an der Existenz. Etwa, wenn Gutwin mit seinem Lieferanten in Finnland zu tun hat. „Ich schicke dem meine Pläne übers Netz.“ Statt in Echtzeit zu kommunizieren, kann der Handwerker bislang nur nachts, wenn alle Surfer schlafen, größere Datenmengen verschicken. Doch da schlafen auch die Finnen. 

„Gut, dass sich jetzt schon mal was bewegt“, sagt Gutwin, der mit seiner Firma und seiner Familie von Ense nach Röllingsen gezogen ist undhier einen alten Hof Jahrgang 1903 übernehmen konnte – ideal zum Wohnen, Lagern, Arbeiten und auch für ein paar Haustiere. 

Derweil ziehen Detlef Köhler, Fabian Groeger, Sascha Nagel und Georg Kilden – ein Team aus dem Kabelanbieter Innogy und den beteiligten Partnerfirmen – von Haus zu Haus in Röllingsen und erkundigen sich, wo genau das Glasfaserkabel durch die Wand kommen und der Anschluss montiert werden soll. 

Wer immer Interesse bekundet hat, dabei zu sein bei den 10 000 Haushalten – verteilt über den gesamten Kreis Soest, vorzugsweise in kommunikationstechnisch „abgehängten“ Dörfern –, der bekommt nun die Strippe bis in den Keller gelegt. Ob er am Ende mit Innogy direkt einen Vertrag schließt oder die Entscheidung vertagt, bleibt ihm selber überlassen. Die fixe Datentechnik aber wäre vorsorglich gelegt.

„Drei bis vier Wochen“, sagen die Vier, „werden wir noch zu tun haben, bis alle Häuser angeschlossen sind“ – provisorisch jedenfalls. Genau genommen liegen dann überall Leerrohre. Durch die ein dünnes Glasfaserkabel zu pusten, ist dann nur noch ein Klacks. 

Allerdings funktioniert alles erst dann, wenn alle Verbindungen von den Einspeispunkten über die Ringleitung um den Kreis Soest bis zu den Ästen in die Dörfer freigeschaltet sind. Termin offen. Ende 2020 aber soll alles erledigt sein und mit 100 MBit/Sekunden gesurft werden können.

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