Soest setzt gegen Eichenprozessionsspinner auf Meisen

Kommunalbetriebe hängen in Katrop 30 Nistkästen auf, um die Ansiedlung der Vögel zu fördern

Viele Nistkästen bewirken viele Meisen und weniger gefährliche Larven: Nach dieser Devise hängen (von links) Bernd Hövel und Stefan Behrens von den Kommunalbetrieben Soest und Thorsten Kemper, Ortsvorsteher von Katrop, die Nisthilfen auf.
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Viele Nistkästen bewirken viele Meisen und weniger gefährliche Larven: Nach dieser Devise hängen (von links) Bernd Hövel und Stefan Behrens von den Kommunalbetrieben Soest und Thorsten Kemper, Ortsvorsteher von Katrop, die Nisthilfen auf.

Soest - Die Stadt Soest setzt gegen die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners auf Meisen und ähnliche Insekten und Larven fressende Vogelarten. Um die Ansiedlung der Vögel zu fördern, hängen die Kommunalbetriebe in Katrop 30 Nistkästen auf, weil sich hier bereits Probleme mit den Larven des Nachtfalters eingestellt haben.

Das Gelege von Kohlmeisen besteht in der Regel aus sechs bis zwölf Eiern, und sind die Küken geschlüpft, gilt es die hungrigen Mäuler unentwegt zu füttern. Und zwar am besten mit den Larven des Eichenprozessionsspinners. Darauf setzen jedenfalls die Einwohner Katrops um Ortsvorsteher Thorsten Kemper sowie die Kommunalbetriebe Soest. Um die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners in diesem ländlichen Bereich im Norden Soests zu unterbinden, wurden in den Eichen in Katrop und Umgebung jetzt 30 Nistkästen für Meisen und andere Höhlenbrüter aufgehängt.

Am Baumfeldweg platziert Stefan Behrens etwa an jedem dritten bis fünften Eichenbaum einen Nistkasten.

Dass Meisen, gefördert durch entsprechende Nistkästen, sehr wohl gegen die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners etwas ausrichten können, sei, ausgehend von den Niederlanden, in anderen Kommunen bereits festgestellt worden, berichtet Wilfried Lining, der Leiter der Meisterei Grün der Kommunalbetriebe Soest. Seit 2018 machen sich die Raupen des Nachtfalters im Bereich der Stadt Soest bemerkbar, 2019 und 2020 nahm ihr Bestand merklich zu. Das Problem sind die Brennhaare, die sich bis zu 200 Meter weit verbreiten, berichtet Lining. „Wenn jemand da allergisch drauf reagiert, kann es sein, dass er sogar ins Krankenhaus muss.“

So kam es im vergangenen Jahr im Bereich des Baumfeldwegs in Katrop bereits zu gesundheitlichen Auswirkungen. Ein Jogger reagierte, nachdem er den von Eichen gesäumten Weg entlang gelaufen war, auf die Brennhaare so heftig, dass sein Bein über und über mit Quaddeln bedeckt war, erläutert Ortsvorsteher Kemper und zeigt zur Illustration ein Foto auf seinem Smartphone.

Die 30 Nistkästen sollen mit dem Beginn der Brutsaison möglichst viele hungrige Mäuler beherbergen. Dafür wurden die Bruthilfen strategisch günstig in den Katroper Eichen aufgehängt, damit es die Meiseneltern nicht weit haben, um Futternachschub in Form der Raupen zu besorgen. Aufgehängt wurden die frisch erworbenen Nisthilfen jetzt mittels des Hubsteiger der Kommunalbetriebe.

Je mehr Larven die jungen Meisen und der Nachwuchs anderer höhlenbrütender Vogelarten vertilgen, umso stärker werden die Mitarbeiter der Kommunalbetriebe entlastet. In der Vergangenheit wurden Larvennester an problematischen Standorten durch Abbrennen vernichtet, erläutert Lining. Dies habe sich aber nicht bewährt, weil die Brennhaare dabei weiter verbreitet wurden. Die Beseitigung erfolge nun durch Absaugen. Die Schädlingsbekämpfer müssen jedoch in der Regel unter Vollschutz arbeiten, das macht die Sache entsprechend aufwändig.

Die Aufsicht über die Nistkästen inklusive einer jährlichen Reinigung will die Katroper Dorfgemeinschaft übernehmen. Dies könne im Rahmen eines entsprechenden Aktionstages erfolgen, erklärt Kemper: „Es ist ja auch im allgemeinen Interesse, dass die Nistkästen jetzt in den Eichen hängen.“

Die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners

Typisch für die Larven dieser Nachtfalterart sind die „Prozessionen“ mit denen sie auf Nahrungssuche gehen. Die älteren Larven finden sich auf diesen Wanderungen zudem zu großen Nestern zusammen, um sich zu verpuppen. Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln sich die Brennhaare, die Widerhaken und ein Nesselgift aufweisen. Dies kann Juckreiz, Schwellungen und Asthmaanfälle auslösen. Bei einem übermäßigen Auftreten können die Larven durch chemische Mittel oder das Absaugen bekämpft werden. Die Nachtfalterart ist in Europa weithin verbreitet, sie hat sich in den vergangenen Jahren jedoch stark vermehrt. Die Gefahr durch die Brennhaare ist während der Fraßzeit der Raupen ab Anfang Mai am größten. Alte Gespinstnester an den Bäumen oder am Boden stellen aber ebenfalls eine Gefahrenquelle dar, denn die Raupenhaare bleiben über Jahre wirksam. Deshalb wird empfohlen, befallene Gebiete zu meiden, Raupen und Gespinste nicht zu berühren, nach einem Kontakt die Kleidung zu wechseln und zu waschen und sich von Kopf bis Fuß gründlich zu duschen. Quelle: Wikipedia und Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

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