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Erste Flüchtlinge aus der Ukraine kommen in Soester ZUE an - 225 sind schon da

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Von: Achim Kienbaum

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Erste Flüchtlinge aus der Ukraine kommen in Soester ZUE an
Am Dienstagabend kamen die ersten 100 Menschen aus der Ukraine in der ZUE am Hiddingser Weg an - das vorläufige Ende einer langen Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat. © Peter Dahm

Endlich angekommen! Für fast 100 Menschen bedeutete die Ankunft in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes am Hiddingser Weg in Soest am Dienstagabend das zumindest vorläufige Ende der Flucht aus ihrer Heimat Ukraine.

Soest - In zwei Bussen waren die Menschen in der Landeserstaufnahmestelle in Bochum auf die letzte Etappe ihrer Suche nach Sicherheit gegangen, nachdem sie sich vor einigen Tagen auf oft abenteuerlichen Wegen in den Westen aufgemacht hatten, um der Gewalt und Zerstörung in ihren Heimatstädten und -dörfern zu entgehen.

Empfangen wurden die Menschen, darunter auch mehrere Kinder, von Einrichtungsleiterin Sabine Heynen und einem Team von Betreuern des Malteser-Hilfsdienstes. Nach einer kurzen Registrierung konnten die neuen Bewohner ihre Quartiere beziehen und sich ein wenig in der ZUE orientieren. Und natürlich gab es ein erstes Abendessen am Ende eines weiteren langen Tages.

Heynen bittet inzwischen darum, „zum jetzigen Zeitpunkt von Spenden für die ZUE Soest abzusehen.“ Derzeit sei für die ersten bereits eingetroffenen ukrainischen Geflüchteten ausreichend Material vorhanden. Sabine Heynen kündigt an, dass in den kommenden Tagen von der ZUE Seite ein Spendenaufruf veröffentlicht werde, in dem wir gezielt auf die Bedarfe der geflüchteten Menschen eingehen werden.“

Noch in der Nacht waren weitere Flüchtlinge angekündigt, in diesem Fall direkt aus Berlin kommend. In den nächsten Tagen werden sich die Blöcke auf dem ehemaligen Kasernengelände mit Sicherheit schnell weiter füllen – bis zu 1500 Menschen können in ihnen untergebracht werden.

In einer ziemlich großen Runde, die am Montagmittag auf Einladung von Regierungspräsident Hans-Josef Vogel zu einer Online-Konferenz zusammen kam, war zuvor die Vorgehensweise bei der Unterbringung der Flüchtlinge abgestimmt worden. Unter anderem gehörten dazu führende Vertreter aus allen Rathäusern im Regierungsbezirk Arnsberg. Noch wesentlich größer war allerdings auch das Thema der Konferenz: Wohin mit den Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine flüchten?

Was den Beitrag des Landes NRW betrifft, ist die Antwort auf diese Frage klar: in jeweils eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) pro Regierungsbezirk – für den Bereich Arnsberg ist es die ZUE am Hiddingser Weg in Soest mit einer Gesamtkapazität von 1500 Plätzen. „Wir wurden am Freitag von der Bezirksregierung darüber informiert, dass die Wahl auf Soest gefallen ist“, erklärte Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer am Montag.

Abteilungsleiter Meinhard Esser hatte bereits am Wochenende bestätigt, dass die allermeisten Bewohner der aktuell 830 der ZUE innerhalb weniger Tage auf andere Einrichtungen im Land verteilt würden, um Platz zu schaffen für Neuankömmlinge aus der Ukraine. Rund 40 Personen wechselten von Soest in die ZUE in Wickede, etwa 120 weitere Menschen wurden nach Möhnesee-Echtrop gebracht.

Rund 100 Bewohner, für die bereits Zuweisungen in andere Kommunen geklärt sind, verbleiben zunächst am Hiddingser Weg.

Die ZUE in Soest sei, so erklärte Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer, wohl aus mehreren Gründen als Aufnahmeeinrichtung für die erwarteten Familien aus der Ukraine ausgewählt worden: Die relativ große Kapazität spreche angesichts der erwartet großen Zahl von zu versorgenden Menschen ebenso dafür wie die hervorragende Infrastruktur in der relativ neuen Landeseinrichtung.

Während am Montag noch fieberhaft an organisatorischen Lösungen für die Versorgung der neuen Flüchtlinge gearbeitet wurde – auch Reinigungsarbeiten in den Unterkünften gehörten dazu – bestätigte Christoph Söbbeler, Sprecher der Arnsberger Bezirksregierung gegenüber unserer Redaktion, dass wie bisher Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes die Betreuung der Bewohner am Hiddingser Weg übernehmen werden.

Zunächst werden in den Blöcken bis zu 1500 Frauen, Kinder und Männer untergebracht werden können – die bislang geltenden Kapazitätsbeschränkungen in Folge der Coronapandemie sind damit hinfällig. Für weitere 1000 Menschen werde außerdem bei Bedarf Platz geschaffen auf „Erweiterungsflächen“ auf dem Gelände – anders gesagt: Es könnten noch Leichtbauhallen errichtet werden.

Soester SPD kritisiert fehlende Transparenz

Kritik an der Arnsberger Bezirksregierung wegen „mangelnder Transparenz“ im Vorfeld der Räumung der ZUE am Hiddingser Weg kam am Montag von der Soester SPD. Deren Vorsitzender Marcus Schiffer erkannte zwar den großen Zeitdruck bei allen Entscheidungen an, vermisste aber „die offene Kommunikation nachvollziehbarer Kriterien“, warum über 800 Menschen innerhalb kürzester Zeit in neue Unterkünfte im ganzen Land gebracht worden seien – was für alle Betroffenen eine beträchtliche Belastung sei.

„Es wäre schlimm“, so Marcus Schiffer, „wenn da bei einigen Menschen in der Stadt der Eindruck entstehen würde, dass es Flüchtlinge erster und zweiter Klasse gibt.“

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