Im Probenkeller

Die Diamanten funkeln wieder: „Donny and the Diamonds“ spielen im Schlachthof

Die Soester Band „Donny and the Diamonds“ im Probenkeller.
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Nur geimpft wird geübt, sagen die Diamonds und öffnen den Probenkeller für den WDR: Moderatorin Ute Schneider, Gitarrist Ralf Junker, Keyboarder Meinolf Gösmann, Frontman Donny Cromwell, Bassist Klaus Fischer (von links) und in der Mitte Redakteurin Leandra Ibe. Drummer Willi Grundhöfer fehlt, weil er im Urlaub ist.

Probe am Dienstagmorgen statt am Mittwochabend. Rhythmen aus der Retorte statt direkt vom Schlagzeuger. Und dann auch noch Frauen im Probenraum. So viele Änderungen auf einmal kann man älteren Leuten eigentlich gar nicht zumuten.

Soest – Aber es sind nicht irgendwelche älteren Leute, sondern Donny und seine Diamanten, um die es heute Morgen geht. Die funkeln immer. Vor lauter Freude darüber, dass sie nach der Corona-Zwangspause endlich wieder zusammen spielen dürfen, schmeißen sie ihren üblichen Probenplan über den Haufen und lassen sogar die beiden WDR 4-Frauen zu. Eigens für Redakteurin Leandra Ibe und Moderatorin Ute Schneider haben die vier den übervollen Probenkeller aufgeräumt und ein paar Hawaiiketten aufgehängt.

Die amüsierten Radiofrauen nehmen ein Porträt der munteren Musiktruppe auf – ohne Schlagzeuger Willi Grundhöfer, der im Urlaub ist. Der Beitrag wird noch am gleichen Tag gesendet. „Das ist unser internationaler Durchbruch“, juxt Bassist Klaus Fischer mit Blick auf die enorme Reichweite des Senders.

„Donny and the Diamonds“ regelmäßig beim Soester Kneipenfestival

In ihrer Heimat braucht man die Boyband nämlich nicht mehr vorzustellen. „Donny and the Diamonds“ heizen regelmäßig beim Soester Kneipenfestival ein. Sie waren die Vorgruppe unter anderem von The Sweet, Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick und Tich, Culcha Candela, Spencer Davies, Chris Andrews, waren in fast allen Kneipen und Konzerträumen der Umgebung zu Gast, haben sogar im Knast gespielt. Wenn sie im Kulturzentrum „Alter Schlachthof“ auftreten, ist die Bude voll, der Bär steppt und von den Wänden rinnt das Wasser.

Dann glaubt keiner, dass das Durchschnittsalter dieser „älteren Leute“ bei 65 liegt und der kanadische Frontman Donny Cromwell 78 ist. Klar, „der Hüftschwung war früher geschmeidiger“, gesteht er. Aber sobald Donny auf die Bühne klettert, dreht er auf, als sei er unter Strom geraten. Wenn er loslegt, können die Fransen an seiner Westernjacke gar nicht so schnell schwingen, wie er rockt.

„Donny and the Diamonds“ covern Hits der 50er- bis 70er Jahre

Sind „Donny and the Diamonds“ also die Soester Antwort auf Mick Jagger und seine „Rolling Stones“? Musikalisch nicht ganz. Während die „Stones“ vor allem dem härteren Rock frönen, kommen die „Diamonds“ vom Soul. Sie covern Hits der 50er- bis 70er-Jahre: „Soulman“, „Baby blue“, California Sun“, „Stand by me“ – an die 100 Titel hat die Gruppe in ihrer Playlist, wobei jeder seine Lieblingssongs hat. Gitarrist Ralf Junker beispielsweise steht auf Surf Rock. Wenn’s um Beatles-Songs geht, singt Willi Grundhöfer, „der hat für so was die bessere Stimme“.

Die Diamanten sind Männer mit Vergangenheit, musikalischer, versteht sich. Donny spielt und singt in Bands, seit er 1961 als kanadischer Soldat nach Deutschland kam. Auch Bassist Klaus Fischer und Drummer Willi Grundhöfer haben schon jeweils ein halbes Jahrhundert musikalischer Erfahrung auf dem Buckel. Die „Youngster“, Keyboarder Meinolf Gösmann und Gitarrist Ralf Junker, können immerhin auf je 40 Jahre zurückblicken.

„Rostfrei“-Festival führte die Band zusammen

Aber erst 1999 führte das „Rostfrei“-Festival, das Lehrer und Musiker Heinrich Brügger und der Anzeiger begründeten, die fünf zusammen. Seither proben sie regelmäßig gemeinsam. Ist das eigentlich nach so langer Zeit noch nötig? „Doch“, meint Junker. „Manchmal sitzen die Einsätze nicht richtig oder der Schluss von einem Stück fällt uns nicht mehr ein.“ „Das geht aber nicht nur älteren Leuten so“, wirft schnell einer dazwischen. Ständig werden neue Stücke ins Repertoire aufgenommen. Gerade versuchen sich die Diamanten an „A Taste of Honey“.

Die Fans sind mit ihren Stars und den Stücken gereift und „altersentsprechend“, wie die Diamanten gerne sagen. Wer damals bei den Hits Matte, Schlagjeans und Parka trug, hat heute schütteres Haar und trägt Steppjacke. Aber bei den alten Krachern gehen Musiker und Publikum gleichermaßen ab. Zuletzt war das im Januar 2020, als John Holmes der „Special guest“ im Schlachthof war. Jazzpapst mit „Diamanten“ – das war eine höchst erfolgreiche Mischung. Dann kam Corona und eine anderthalbjährige Zwangspause. „Ich habe zwar mal für mich ein bisschen gespielt, aber das war nicht das Richtige“, gibt Gitarrist Junker zu.

Jetzt wollen „Donny and the Diamonds“ dort anknüpfen, wo sie damals aufgehört haben: Wenn alles gut geht, spielen sie am Samstag, 16. Oktober, abends im Alten Schlachthof.

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