Demos in Soest: Mit bunten Farben gegen Rechts

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SOEST - Sie mussten sich ihre Zuhörer schon mitbringen, denn die Soester zeigten wenig Verständnis und kein bisschen Begeisterung für die etwa 130 Rechtsradikalen, die Samstagmittag in ihre Stadt reisten.

Die überwiegend jungen Menschen, die Christian Worch, dem Gründungsvorsitzenden der Partei „Die Rechte“, vom Bahnhof zum Potsdamer Platz gefolgt waren, konnten kaum hören, was er verkünden wollte. Zu laut waren die Musik, die Sprechchöre und die Trillerpfeifen der Gegendemonstranten vom Bündnis „Bunt statt Braun“, die aus den zum Platz führenden Straßen schallten. Der Kehraus zum Schluss machte deutlich, was Soest von den Braunen hält: nichts.

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Demo in Soest "Bunt statt Braun"

Die Gegendemonstration auf dem Marktplatz hatte um 12 Uhr pünktlich begonnen. Superintendent Dieter Tometten hatte als erster Redner die Kraft der bunten Farben heraufbeschworen. Die Zeit des braunen Winters sei vorbei. „Wir schauen hin und stehen rechtzeitig auf“, setzte er auf Widerstand gegen menschenverachtende Politik und lobte lebendige Vielfalt und gegenseitige Akzeptanz. Pfarrer Friedhelm Geißen appellierte: „Wir dürfen Menschen nicht zu Feinden machen.“

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Er stellte die Frage nach dem gesellschaftlichen Grund, auf dem solches Gedankengut gedeihen könne und äußerte die Hoffnung, dass man zumindest einige der Rechten davon überzeugen könne, wie wunderbar schön Buntheit sei. Er gab seinen Zuhörern fragend eine Aufgabe mit auf den Weg: Was können wir ändern, damit rechtes Gedankengut nicht weiter auf fruchtbaren Boden fällt?

Beate Geißen vom Awo-Jugendintegrationsdienst sagte klar und deutlich: „Wir Soester dulden keinen Fremdenhass in unserer Stadt.“ und dankte den Anwesenden: „Durch Ihr Kommen zeigen Sie, dass Sie Verantwortung übernehmen.“ Zur Musik von 99 Luftballons stiegen kurz darauf bunte Ballons gen Himmel. Die Gegendemonstration machte sich dann mit Ulrike Sasse-Voswinckel vom Verein für Geschichte und Heimatpflege Soest auf die Spur der Stolpersteine und kam vor dem Rathaus zu einer weiteren Kundgebung zusammen.

Derweil waren die Rechten Richtung Innenstadt unterwegs – begleitet von einem beeindruckenden Polizeiaufgebot. Kleinere Gruppen des linken Spektrums versuchten, sie zu stören. Im Grandweg kam es zu einer Sitzblockade. Die etwa 40 Personen mussten von den Beamten von der Straße getragen werden. Die Kundgebung der Rechten auf dem Potsdamer Platz wurde von den Gegendemonstranten massiv gestört.

Gegen 14.20 Uhr zogen die offensichtlich ungebetenen Besucher der Stadt wieder Richtung Bahnhof. Für die Gegendemonstranten das Zeichen zum Kehraus, für einige ein Grund zu feiern, für andere gleichzeitig auch ein Anlass, sich schon jetzt Gedanken zu machen, wie man verhindern kann, dass Soest zum „Wallfahrtsort der Rechten“ wird. - Karin Drolshagen

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