Coronavirus im Kreis Soest

Lokale Risikogebiete aufgrund hoher Zahlen? Das sagt Gesundheitsminister Laumann zur Inzidenz im Kreis

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Abstand und Maskenpflicht auf dem Soester Markt. Das wird jetzt noch wichtiger.

Die Corona-Fallzahlen im Kreis Soest sind am Donnerstag so stark gestiegen, wie seit Beginn der Pandemie nur einmal, nämlich vom 5. auf den 6. April. Der Kreis will schärfere Maßnahmen ergreifen - doch das geht nicht.

Update, Freitag, 9. Oktober, 18.26 Uhr: Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat sich heute mit den nordrhein-westfälischen Krisenstäben in einer Telefonschaltkonferenz ausgetauscht. In den sehr konstruktiven Gesprächen berichteten die Kommunen über den Umgang mit dem aktuellen Infektionsgeschehen und den steigenden Infektionszahlen vor Ort. Der Kreis hat seine Antwort auf seine Forderungen bekommen: Von der Landesregierung heißt es, dass NRW derzeit keine Änderung im Reglement für die Inzidenz-Berechnung vorsieht. Denn: „Die Kommunen können bereits heute unabhängig von der Corona-Schutzverordnung, aber mit Bezug auf das Infektionsschutzgesetz Maßnahmen ergreifen“, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums auf Anfrage.

Angesichts der stark ansteigenden Corona-Infektionszahlen hat Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) den Kommunen verstärkte Kontrollen der Corona-Schutzmaßnahmen auch bei privaten Veranstaltungen empfohlen. Laumann ließ sich am Freitag in einer Schalte mit rund 100 Krisenstäben des Landes über den Umgang der Kommunen mit den steigenden Infektionszahlen vor Ort informieren. Ein Ergebnis: Das Gesundheitsministerium will ermitteln, wie viel Personal für die Überwachung der Quarantäne und die Nachverfolgung von Kontaktperson erforderlich ist.

Corona im Kreis Soest: Zu unserer bisherigen Berichterstattung - Kreis fordert aufgrund hoher Zahlen andere Inzidenz-Berechnung

Soest - „Wir sind in großer Sorge, wenn wir sehen, wie in Soest und Werl die Zahlen steigen.“ Wilhelm Müschenborn, der Sprecher des Kreises Soest, fasst zusammen, was auch Inhalt der täglichen Gespräche im Krisenstab des Kreises Soest ist. Die Corona-Fallzahlen im Kreis Soest sind am Donnerstag so stark gestiegen wie seit Beginn der Pandemie nur einmal, nämlich vom 5. auf den 6. April.

Der Krisenstab will das Geschehen im Kreis Soest in einer Telefonkonferenz mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ansprechen und energisch auf eine Änderung im Reglement drängen, was die Berechnung der Inzidenz angeht. Diese Zahl gibt an, wie viele Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen auf 100 000 Einwohner zu verzeichnen sind, und ist auch ein Gradmesser dafür, inwiefern womöglich weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens verfügt werden müssen. Spätestens ab 35 Neuinfektionen binnen einer Woche auf 100.000 Einwohner muss der Kreis sich Gedanken über Einschnitte machen, ab 50 sind sie zwingend.

Coronavirus im Kreis Soest: Inzidenz in Werl bei 60, in Soest 44

Aktuell befindet sich die Inzidenz für den gesamten Kreis Soest mit 22,9 noch im grünen Bereich. Allerdings ist das Infektionsgeschehen lokal sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während es beispielsweise in Bad Sassendorf und Ense überhaupt keine frisch Infizierten gibt, lebt in Soest (27) und Werl (25) der Großteil der momentan im Kreis Soest mit dem Coronavirus infizierten Personen. Rechnet man die Inzidenz für Soest aus, kommt man dort auf etwa 44, in Werl liegt die Inzidenz mit 60 noch höher und damit bereits jetzt in dem Bereich, in dem weitergehende Maßnahmen ins Auge gefasst werden müssten. 

Genau das will der Kreis Soest im Gespräch mit Laumann erreichen, die aktuelle Rechtslage nämlich gibt dem Kreis keine Möglichkeit, auf ein lokales Infektionsgeschehen zu reagieren und der betroffenen Kommune ordnungsrechtliche Maßnahmen vorzuschreiben. Die Kommune selber kann ebenfalls nicht aktiv werden, weil sie wiederum entsprechende Weisung vom Kreis Soest braucht. Das gleiche Ansinnen hatte zu Beginn des Monats bereits der Kreis Recklinghausen an den Minister herangetragen. 

Coronavirus im Kreis Soest: Viele Veranstaltungen könnten betroffen sein

Damals lag die Inzidenz für den gesamten Kreis Recklinghausen bei 23, während in der kreisangehörigen Stadt Gladbeck ein Wert von 60 erreicht war. Ab einer Inzidenz von 50 sind weit gehende Einschränkungen eigentlich zwingend, waren aber nicht durchsetzbar, solange nur die Inzidenz für den gesamten Kreis zählt. Die Recklinghäuser hatten sich beim Minister eine Abfuhr geholt. Heute wollen alle Krisenstabsleiter aus NRW, darunter auch der Soester Kreisdirektor Dirk Lönnecke einen zweiten Anlauf wagen.

Sollte der erfolgreich sein und künftig die Inzidenz in einzelnen Städten und Kommunen den Ausschlag für mögliche Einschränkungen geben, wird auch das Fragezeichen hinter Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkten größer. In Soest wäre bereits bei der jetzt vorhandenen Inzidenz die Durchführung eines Weihnachtsmarktes mehr als fraglich, ab einer Inzidenz von 50 gar nicht mehr möglich.

Coronavirus im Kreis Soest: Entwicklung genau im Auge

Im Soester Rathaus sieht man das derzeitige Infektionsgeschehen „sehr sensibel und mit Sorge“, sagt Thorsten Bottin, Sprecher der Stadt Soest. Man behalte die Entwicklung „sehr genau im Auge“ und sei in permanentem Austausch mit dem Kreis Soest, um „selber dynamisch auf dieses dynamische Geschehen reagieren“ zu können. 

Die Stadt Werl appelliert an ihre Bewohner, unbedingt die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. „Auch bei Feiern im privaten Bereich sollte man schauen, ob man an die Grenze der zulässigen Personenzahl stoßen muss“, teilt die Stadt mit. Die Bürger werden gebeten, zu prüfen, ob Feiern nicht verschoben oder in kleinerem Rahmen abgehalten werden könnten.

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