Coronavirus

Zahl der Hausgeburten steigt

Soest/Werl – Sie helfen in das Leben. Tagtäglich. Und kennen den Spruch „Hauptsache gesund“ zur Genüge. Nun aber kämpfen Hebammen dafür, dass jener gefährliche Winzling, der seit kurzem auf der Welt ist, nicht aus jeder Entbindung eine schwere Geburt macht: Das Virus wirkt sich auf die Arbeit aus.

Mit vielen Maßnahmen soll das Virus draußen bleiben aus Praxen und Häusern der Frauen, die ein Kind erwarten oder bekommen haben.

Leicht ist er nicht, der Spagat zwischen berufsbedingter Nähe zu Mutter und Kind und virusbedingter Abstands-Vorgabe. Zwar bemerken die Hebammen keine große Angst werdender Eltern vor dem Virus an sich. Schließlich gehören Frauen im gebärfähigen Alter nicht zur Risikogruppe, und auch von Gefahren einer Auswirkung auf das ungeborene Kind bei einer Infektion der Mutter ist bislang nichts bekannt. 

Aber es gibt Verunsicherungen. „Es gab Fälle, wo Frauen kurzfristig doch eine Hausgeburt bevorzugten“, sagt Barbara Herrmann, Geschäftsführerin des Geburtshauses Soest. 

Und vor allem brauchen Schwangere eins: intensive Begleitung. Nähe, so Karolina Sojka von der Werler Hebammenpraxis „Bauchgefühl“, bleibe unverzichtbare medizinische Leistung. Aber alle Kurse von Geburtsvorbereitung über das Stillcafé bis zum Schwangerschaftsyoga sind abgesagt. Und damit alles, was die Praxis wirtschaftlich trägt. Immerhin stehe nun die Zusage der Krankenkasse, dass das Ausweichen auf Online-Kurse finanziert wird. Morgen startet zum Beispiel ein Geburtsvorbereitungskurs via Bildschirm. „Natürlich machen wir unseren Beruf aus Liebe und Leidenschaft“, sagt die Werlerin.

Aber so schön der Job auch sei: „Wir müssen davon unsere Brötchen kaufen.“ Die Online-Lösung hilft also Hebammen und Schwangeren. Der mögliche Kreißsaal-Ausschluss von Vätern hat Schwangere verunsichert, sagt die Hebamme. So wollte eine Frau im EVK Hamm entbinden, entschied sich aber Freitag in letzter Minute um. „Und das ist alles andere als einfach, wenn man sich 40 Wochen vorbereitet und für eine Klinik entschieden hat.“ 

Auch das Soester Geburtshaus spürte Auswirkungen der Diskusssion. „Wir hatten eine erhöhte Zahl Anfragen, die wir aber ablehnen mussten“, sagt Barbara Herrmann. Schließlich basiere das Konzept auf einer langer Vorbereitung von Hebamme und Eltern. Die sollten sich schon anmelden, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist. Kontakt ist auch in der Nachsorge wichtig. Dabei stützen sich die Hebammen auf Vorgaben des Gesundheitsamts.

Zum Hausbesuch wird möglichst wenig Material mitgenommen. Mittlerweile bekommt jede Mutter ihre eigenen Babywaage vom „Bauchgefühl“-Team, damit das Utensil nicht von Haus zu Haus geht; das gilt auch für Verbrauchsmaterial. „Wir halten Abstand ein, auch wenn das ungewohnt ist“, sagt Karolina Sojka.

 Die Hebamme lässt die Mutter machen, fasst das Kind nicht an – „nur, wenn es nötig ist“, zum Beispiel bei der Nabelpflege. Hebamme Barbara Erdelhoff vom Geburtshaus Soest nennt auch Stillschwierigkeiten. Manchmal sei unmittelbarer Kontakt unvermeidbar. Viele kleine Zwischenschritte bei der zusätzlichen Desinfektion sollen vor dem Coronavirus schützen.

„Das machen wir noch penibler als sonst.“ Aber Desinfektionsmittel ist mittlerweile Mangelware. So hat das „Bauchgefühl“-Team alle Apotheken abgeklappert auf der Suche nach Desinfektionsmittel, bis sie eine fand, die das selbst herstellte.

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