Kirmes trotz Corona?

Allerheiligenkirmes in Soest: Wichtige Gespräche im Ministerium - Das sagen die Schausteller

So kennt und liebt man die Allerheiligenkirmes in Soest.
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So kennt und liebt man die Allerheiligenkirmes in Soest.

Kirmes ja oder nein? Die Antwort könnte in diesem Jahr irgendwo dazwischen liegen. Wichtige Weichen werden am Montag (15. Juni) im NRW-Wirtschaftsministerium gestellt.

  • Die Allerheiligenkirmes in Soest könnte trotz Corona-Krise stattfinden.
  • In welcher Form das Event 2020 über die Bühne geht, ist noch nicht klar.
  • Gespräche am Montag (15. Juni) im NRW-Wirtschaftsministerium

Soest - Während eine Allerheiligenkirmes in Soest so, wie man sie kennt, vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie eher unwahrscheinlich ist, ist zumindest für die Schausteller eine leicht abgespeckte Version durchaus denkbar – und mittlerweile auch eine echte Existenzfrage. Die Allerheiligenkirmes lockte 2019 etwa 1,3 Millionen Menschen nach Soest.

Albert Ritter, Präsident des Bundesverbandes der Schausteller und seit Jahren Stammgast auf der Allerheiligenkirmes in Soest, setzt große Hoffnung in ein Gespräch in Düsseldorf am kommenden Montag. Dann werden sich in der Landeshauptstadt im Wirtschaftsministerium Vertreter mehrerer Ministerien mit Schausteller-Funktionären zusammensetzen. 

Hoffnung auf Allerheiligenkirmes 2020 in Soest

Ritter: „Wir wollen einen Leitfaden erarbeiten, wie man Kirmes trotz Corona veranstalten kann.“ Der Schausteller-Präsident spricht von Gleichbehandlung: „Die Freizeitparks dürfen ja auch öffnen. Wo ist denn der Unterschied, ob jemand im Phantasialand in der Achterbahn sitzt oder in Soest?“

Bereits in den vergangenen Monaten hatte der Schausteller-Präsident eifrig Lobbyarbeit betrieben. Alle acht bis 14 Tage habe es Videokonferenzen mit dem Wirtschaftsministerium gegeben, und Armin Laschet sei ein Ministerpräsident, der für Kirmes viel übrig habe. 

NRW-Ministerpräsident Laschet ist Kirmes-Fan

Ritter, der auch Vorsitzender der Schaustellerverbände in NRW ist, hatte Laschet vor zwei Jahren selber das „Goldene Karussellpferd“, die höchste Auszeichnung des Schaustellerverbandes, verliehen. Für denkbar hält Ritter eine Open-Air-Kirmes. „Kirmes ohne Dach“, nennt er das.

Nach allem, was man jetzt über die Ausbreitung des Virus wisse, spiele die sich in geschlossenen Räumen ab. Wenn man Festzelte und sonstige geschlossenen Betriebe herausrechne, sei eine Kirmes eher „mit einer Fußgängerzone oder einer Strandpromenade mit einzelnen Geschäften und Buden zu vergleichen“, meint Ritter. Mittlerweile seien alle geübt in Hygienerichtlinien. Abstandsregelungen und sonstige Schutzmaßnahmen ließen sich problemlos an jedem Imbissstand und an jedem Fahrgeschäft durchführen. 

Das Jägerken trägt Maske. Bald entscheidet sich, ob in Soest trotz Corona Kirmes gefeiert wird.

Auch Ritters Kollege Thomas Schneider vom Schaustellerverein Soester Börde verweist auf den Gleichheitsgrundsatz. „Wir stellen fest, dass fast alles wieder möglich ist: Gastronomie und Hotellerie, Schwimmbäder und Saunen, ja sogar die Freizeitparks laufen wieder. Und für Schausteller hat die Sicherheit aller Gäste und Mitarbeiter sowieso traditionell Priorität“, sagt Schneider. Das Umsetzen aller Hygienerichtlinien stelle seine Branche nicht vor unlösbare Probleme.

Schneider blickt auf andere Volksfeste wie die Bocholter Kirmes oder den Bremer Freimarkt, die weiter in Planung sind. In Bocholt heißt es aus dem Rathaus in der Tat: „Das Stadtmarketing plant die Kirmes für Bocholt erst einmal weiter, hört die Ideen der Schausteller, spricht mit der Stadtverwaltung, beobachtet die Entwicklungen, Regeln und Vorschriften.“ 

Allerheiligenkirmes in Soest: Schausteller mit dem Rücken an der Wand

Auch in Soest sind die Schausteller in engem Kontakt mit der Verwaltung. Für den 29. Juni ist eine Besprechung mit Bürgermeister und Verwaltungsspitze geplant, an der auch Schausteller-Präsident Ritter teilnehmen wird. Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer hatte bereits vor Wochen in einer Videobotschaft angekündigt, dass noch vor der Sommerpause eine Entscheidung fallen wird, ob sich die Soester auf ihre Kirmes freuen dürfen oder nicht. Für fast alle Schausteller ist es mittlerweile eine wirtschaftliche Überlebensfrage, ob bald wieder Kirmessen gefeiert werden dürfen oder nicht. Ritter: „Die stehen alle mit dem Rücken an der Wand.“

Besondere Blicke auf die Soester Allerheiligenkirmes 2019

Die bisherigen Hilfen von Bund und Land seien allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. „Wir Schausteller haben noch nie staatliche Hilfen in Anspruch genommen, sondern immer selber rangeklotzt – und jetzt haben wir auf den Weihnachtsmärkten 2019 die letzten Einnahmen gehabt.“ Das wirke sich bei vielen Schaustellern auch auf die Psyche aus. „Wir sind ein Volk, das raus will, sobald die Sonne scheint.“

Einer der Fans der Allerheiligenkirmes ist Profi-Fußball-Trainer Dieter Hecking vom Hamburger SV, der nach einem Spiel in Kiel in seine alte Heimat fuhr, um die Allerheiligenkirmes in Soest zu besuchen.

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