Heim, Garten und Balkon

Corona-Krise: Auftragsbücher der Handwerker sind voll

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Im Garten- und Landschaftsbau Kötter arbeiten Vater und Sohn Hand in Hand: Wilfried Kötter (vorne) und Lukas Kötter.

Werl/Soest – Heim, Garten und Balkon sind vor allem in Corona-Zeiten wichtige Naherholungsgebiete. Davon zeugen auch die langen Schlangen vor Einrichtungshäusern und Baumärkten. Doch wirkt sich der Boom auch auf die dazugehörigen Handwerker und den Gartenbau aus? 

Ja, sagen der Lüttringer Malerbetrieb Hömberg und der Garten- und Landschaftsbau Kötter aus Deiringsen – die Auftragsbücher sind voll.

Als Cocooning bezeichnen Trendforscher die Tendenz, sich aus der Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurückzuziehen – während der Corona-Pandemie oft gar nicht anders möglich.

Geschäftsführer Wilfried Kötter hat für seine 13 Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. „Wir bekommen Anrufe von Privatleuten, die sich wundern, warum wir nicht sofort kommen können“, sagt Kötter, die Auftraglage sei derzeit „sehr gut“. Auch im Malerbetrieb von Dirk Hömberg sind die Auftragsbücher voll – „bis Ende September“.

Nicht alle Branchen sind gut dran

Doch Thomas Behrning von der Kreishandwerkerschaft Soest – Garten- und Landschaftsbau ist bei der Landwirtschaftskammer angesiedelt – warnt, nicht alle Handwerksbetriebe könne man über einen Kamm Scheren. „Kfz-Betriebe haben einen schweren Stand, dort spürt man die Zurückhaltung der Kunden. Ein Auto ist eine große Investition...“, sagt Behrning. Aber auch Friseure hätten lange Zeit nicht arbeiten können und müssen sich jetzt an die gesetzlichen Vorgaben halten. Auch wenn die Auftragsbücher voll seien, würden sie weniger Kunden schaffen. Die Auswirkungen der Krise sind in den Ausbaugewerken deutlich geringer als bei Personenbezogenen Dienstleistungen, teilt auch Gabor Leisten, Leiter Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer Dortmund mit. Bei der Raumausstattung Behmer an der Bundesstraße in Büderich ist die Corona-Pandemie bislang ohne große Einbußen vorbeigezogen. „Es hat sich nichts verändert“, sagt Gerda Behmer vom Familienunternehmen, „die Auftragslage ist vor und während Corona gleichgeblieben.“

Auswirkungen erst später?

In Kurzarbeit musste Dirk Hömberg seine neun Mitarbeiter auch nicht schicken, obwohl einige Aufträge zu Beginn der Krise zurückgezogen worden sind. Diese Flaute dauerte aber nur zwei Wochen an. „In der Zeit haben wir Auftragsreste erledigt“, sagt Hömberg. Jetzt floriert das Geschäft, denn die Kunden, die zunächst abgesagt haben, hätten sich später wieder gemeldet. „Wir haben mehr zu tun als im vergangenen Jahr“, sagt er. „Wir wissen gar nicht, wo wir anfangen und wo wir aufhören sollen.“ Trotzdem tritt Hömberg auf die Euphoriebremse, denn er rechnet damit, dass die Auswirkungen Ende dieses Jahres oder Anfang des nächsten Jahres auch ihn treffen werden. „Die Industriekunden, davon haben wir einige, werden wohl zurückhaltender sein. Einige befinden sich noch in Kurzarbeit“, sagt Dirk Hömberg.

Bis September sind Dirk Hömberg und sein neunköpfiges Team mit Arbeit ausgelastet.


Auch im Garten- und Landschaftsbau macht sich die Krise bemerkbar. „Keramik aus Italien gibt es kaum noch und auch Schüttgüter, zum Beispiel Schotter, ist schwerer zu bekommen“, erklärt Kötter.

Fachkräftemangel

Thomas Behrning ist „vorsichtig optimistisch“, dass es nach drei guten Jahren für das Handwerk so weitergeht. Mehr Sorgen macht er sich um den Nachwuchs. „Der Fachkräftemangel ist auch nach Corona weiter ein Problem, das besteht.“

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