Atemschutzmasken bleiben in der Post stecken

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Wer Masken per Post verschicken will, sollte besonders sorgfältig aufs Porto achten.

Kreis Soest – In Zeiten der Corona-Pandemie werden Atemschutzmasken überall knapp. Ein Ehepaar aus Bad Sassendorf wollte helfen, wurde aber von der Deutschen Post gestoppt.

Da die beiden bereits über 75 Jahre alt sind, haben sie sich vor zwei Wochen in freiwillige Quarantäne begeben. Wenn sie einen Brief verschicken wollen, gehen sie daher auch nicht in die Poststelle, sondern werfen die Briefe in den nächsten Postkasten. Doch das funktionierte in diesem Falle nicht wie gewünscht. „Meine Frau hatte auf Bitten unseres Sohnes für das Personal einer größeren Arztpraxis in Itzehaus Atemschutzmasken genäht, die Anleitung dazu fand sie bei YouTube. Diese wollten wir unserem Sohn schicken“, schildert der Leser.

Coronavirus im Kreis Soest: Zehn Masken flach im Umschlag

Er habe noch zwei gepolsterte Maxi-Briefumschläge, die bereits mit Normalporto gelaufen waren, zur Verfügung gehabt. Der Brief, mit zehn Masken flach verpackt, wog unter 300 Gramm. Er habe sich informiert und herausgefunden, dass für einen Brief bis 500 Gramm eine Frankierung von 1,55 Euro erlaubt sei. Guten Gewissens warf er den Brief in den Briefkasten. 

Dann folgte die Überraschung: „Zu unserem Erstaunen fanden wir den Brief am nächsten Tag im eigenen Briefkasten wieder. Beigefügt war ein gelber Zettel mit dem Hinweis, dass wir 3,35 Euro nachfrankieren sollten. Wir akzeptierten das, weil der Brief vielleicht doch dicker als zwei Zentimeter war“, beschreibt der Bad Sassendorfer den Vorfall.

Zwei Tage später war er dann aber nicht mehr so entspannt. Das Ehepaar hatte da zehn weitere Masken für seine Tochter fertig. Diese arbeite auch in der Corona-Zeit als Lehrerin in der Schule weiter. Dort gab es ebenfalls keine Masken. Zur Sicherheit frankierte der Leser den Maxibrief nun mit den vorgesehenen 2,70 Euro, bei dem 1000 Gramm und fünf Zentimeter Stärke erlaubt sind. Nachdem das Ehepaar diesen Brief abschickte, folgte am nächsten Morgen erneut das böse Erwachen, als sich der Brief wieder bei ihnen im Briefkasten befand. „Jetzt waren wir doch mehr als ärgerlich, als wir den Brief wieder fanden. Jetzt durften wir 2,05 Euro nachfrankieren.“ 

Also maßen sie nach und stellten fest, dass der flexible Brief durch seinen geklebten flachen Rand tatsächlich zirka drei Millimeter zu dick war. Die beiden Umschläge, die der Bad Sassendorfer wegen der Nachhaltigkeit gesammelt hatte, waren bereits einmal regulär mit antiquarischen Büchern gelaufen. „Ärgerlich für uns sind nicht so sehr die höheren Kosten, sondern die zeitliche Verzögerung, da die Masken dringend benötigt wurden. Dankbar sind wir unseren Postzustellern, die zuverlässig ihren Dienst tun. Aber was im Briefzentrum an Bürokratismus läuft, scheint mir doch sehr übertrieben“, sagte der Leser aufgebracht. Gerade in diesen Zeiten, wo die Briefpost für die Kontakte so wichtig sei, solle man etwas kundenfreundlicher und weniger bürokratisch sein. 

Pressesprecher der Deutschen Post erklärt Verfahrensweise

Rainer Ernzer ist Pressesprecher bei der Deutschen Post und in seiner Funktion für das Briefzentrum 59 in Werl zuständig. Er bedauere, dass sich die Kunden geärgert hätten, könne aber zum beschriebenen Fall nicht konkret Stellung nehmen. Er könne nur generell zu nicht richtig frankierten Briefen die Verfahrensweise erläutern: Werden Sendungen nicht oder unzureichend frankiert, gehen sie zur Ergänzung der Frankierung an den Absender zurück. 

Stehen dem betriebliche Gründe entgegen, werden die Sendungen an den Empfänger weitergeleitet, bei dem dann das fehlende Porto sowie ein Einziehungsentgelt, zusammen das sogenannte Nachentgelt, für den zusätzlichen Aufwand erhoben wird. Verweigert der Empfänger die Annahme, muss der Absender das Nachentgelt bezahlen. Ist erkennbar, dass eine Briefsendung vorsätzlich mit ungültigen Briefmarken, anderen ungültigen Frankiervermerken oder sonstigen unzulässigen Vermerken eingeliefert wurde, um die Transportleistung zu erschleichen, kann der Absender zum Ersatz der dadurch verursachten zusätzlichen Bearbeitungskosten herangezogen werden. 

Das Einziehungsentgelt beträgt je Einzelsendung 0,70 Euro für eine Postkarte oder einen Standard- oder Kompaktbrief, sowie 2 Euro für einen Groß- und Maxibrief oder einer Bücher- oder Warensendung.

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