Corona: Verdachtsfälle lösen Dauereinsatz für das Kreisgesundheitsamt aus

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30 Bundeswehrsoldaten helfen an den eigens eingerichteten Arbeitsplätzen im großen Sitzungssaal mit, um die 200 Mitarbeiter des Kreises bei der Kontaktnachverfolgung zu unterstützen.

Kreis Soest – Sieben Tage im Dauereinsatz, teils bei Arbeitszeiten von 8 bis 22 Uhr: Die Corona-Pandemie macht den Mitarbeitern im Kreishaus, die mit der Betreuung der positiv getesteten Personen und der Kontaktnachverfolgung zu tun haben, schwer zu schaffen. Neben 200 Mitarbeitern aus der Kreisverwaltung sind seit knapp zwei Wochen 30 Bundeswehrsoldaten im Einsatz, um diese zeitintensive Aufgabe zu bewältigen. Teils ist regelrechte Detektivarbeit erforderlich, teils große Geduld.

Grundlage sind die Testergebnisse der Labore, erläutert Sachgebietsleiter Oliver Wienhues, der den Corona-Personaleinsatz im Kreisgesundheitsamt koordiniert. Alle Befunde, egal ob positiv oder negativ, werden von den Laboren ans Gesundheitsamt gemeldet, parallel teilen auch die Ärzte, die den Abstrich vorgenommen haben, das Ergebnis mit. 

In Zeiten mit hohen Infektionszahlen und einer großen Zahl an Testungen gehen beim Kreis bisweilen mehrere hundert Befunde pro Tag ein. Erstes Problem: Jede Nachricht muss erst geöffnet und geprüft werden, die negativen werden archiviert, die positiven lösen eine ganze Abfolge von Maßnahmen aus. 

Erster Schritt: Das „Team Corona-Positive“ ruft die Infizierten an, klärt, wo sie sich infiziert haben könnten, erteilt eine ausführliche Beratung und ermittelt mögliche Kontakte zu anderen Personen. Sofern den Infizierten dies möglich ist, teilen sie die Kontaktliste per E-Mail mit, ansonsten muss sie im Gespräch ermittelt werden. Allein die Beratung der Corona-Positiven kann bis zu eine Stunde dauern, je nachdem, ob die Person zum Beispiel in einer Einrichtung wie einem Seniorenheim lebt oder arbeitet. 

Zweiter Schritt: Das „Team Kontaktpersonen“ ruft alle Personen auf der Liste an. Kontakte ersten Grades, die zu einem positiv Getesteten längeren engen Kontakt ohne Mundschutz hatten, werden mündlich in die Quarantäne geschickt, zusätzlich wird eine schriftliche Ordnungsverfügung über die Quarantäne erstellt und zugestellt. Kontaktpersonen zweiten Grades müssen nicht in Quarantäne, sie sind jedoch gehalten auf Corona-Symptome zu achten und die Hygiene- und Abstandsregeln strikt einzuhalten. 

Dritter Schritt: Das „Team Tagebuch“ ruft regelmäßig bei den Infizierten und Kontaktpersonen in Quarantäne an. Einerseits, um zu klären, ob die Anweisungen eingehalten werden. Falls nicht, werden die Ordnungsämter eingeschaltet. Andererseits muss das Team Tagebuch klären, wie es den Personen geht. „Da geht‘s manchmal um dramatische Fälle, zum Beispiel, wenn Ältere sich trotz Symptomen nicht zum Arzt trauen“, erklärt Wienhues. Manchmal sei auch zu entscheiden, ob Infizierte ins Krankenhaus müssen. Im Zweifelsfall werde schon mal der Rettungsdienst alarmiert. 

Vierter Schritt: Sind die 14 Tage Quarantäne um, erledigt das „Team Entisolierung“ das Abschlussgespräch. Auch jetzt muss noch einmal geklärt werden, wie es den Personen gesundheitlich geht. 

Experten wie Ärzte stark eingebunden

Gerade Teams, wo ausgewiesene, aber nur in geringer Zahl verfügbare Experten wie Ärzte eingesetzt werden müssen, seien durch die zeitintensiven Aufgaben sehr belastet, berichtet der Sachgebietsleiter. Etliche dieser Kollegen hätten viele Wochenenden durchgearbeitet. 

Erschwert wird die Kontaktnachverfolgung durch verschiedene Schwierigkeiten, etwa wenn keine Telefonnummer vorliegt oder die Anschrift unleserlich ist. Schlimmstenfalls müssen die Ordnungsämter eingeschaltet werden, um die Personen vor Ort aufzusuchen. 

Schwierig könne es auch sein, wenn zum Beispiel im Kontext Schule Listen mit mehr als 100 Leuten abgearbeitet werden müssen. „Alle haben Panik und wollen schnell angerufen werden“, so Wienhues. 

Auch die Reaktionen der Angerufenen seien unterschiedlich: „Gerade zu Anfang der Pandemie hatten viele Todesangst, da bestand großer Aufklärungsbedarf. Jetzt haben wir zunehmend Leute, die das nicht ernst nehmen oder die Regeln nicht einhalten wollen.“ 

Immerhin sei das Kreisgesundheitsamt derzeit wieder in der Lage, die Kontaktketten innerhalb von 24 Stunden zu leisten. Dies auch dank der Bundeswehr. „Wie sind total froh, dass die Soldaten da sind.“

Fehlverhalten fällt immer wieder auf 

Aus Sicht von Oliver Wienhues und seinen Kollegen ist die Mitwirkung der Bevölkerung ein wichtiger Punkt. „Wir würden uns wünschen, dass die Corona-Schutzregeln eingehalten werden. Wir bekommen immer wieder mit, dass sich viele nicht dran halten, dass zum Beispiel private Feiern durchgeführt wurden, dass Hygieneregeln nicht eingehalten wurden.“ 

Wenn auf diese Weise im Nachhinein Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung oder die Corona-Betreuungsverordnung festgestellt werden, kann es für die Verantwortlichen unangenehm werden. Dann werden die Ordnungsämter ebenso eingeschaltet, wie bei Personen, die von vornherein erkennen lassen, dass sie die Vorgaben nicht einhalten wollen.

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