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Eine Woche „Präsenz-Kauf“ in Soest: Corona-Lockdown kostet Kunden

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Von: Bettina Boronowsky

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Gudrun D‘haene-Thurmann vom Kinder- und Jugendmodeladen „Daantje“ freut sich, dass sie die Frühlingsware „live“ verkaufen darf.
Gudrun D‘haene-Thurmann vom Kinder- und Jugendmodeladen „Daantje“ freut sich, dass sie die Frühlingsware „live“ verkaufen darf. © Peter Dahm

Schon früh am Montagmorgen tummeln sich in der Soester Fußgängerzone und in den Geschäften die Menschen. „So gegen zehn Uhr ist es bei uns am stärksten besucht“, sagt C&A-Filialleiterin Birgit Doffine-Stahlberg. Auch jetzt – eine Woche, nachdem die Kunden wieder „in Präsenz“ einkaufen dürfen – hat die Mitarbeiterin am Eingang alle Hände voll zu tun, um die angemeldeten Kunden kontrolliert hereinzulassen. Dennoch: So viele wie vor dem Lockdown sind es nicht.

Soest – Auch die Umsätze seien nicht wie vor der Schließung, so die Filialleiterin. Immerhin seien alle – Händler wie Kunden – glücklich, dass die Geschäft endlich wieder geöffnet haben, sagt Birgit Doffine-Stahlberg, stellvertretend für ihre Kollegen „Viele kaufen Dinge des täglichen Bedarfs. Denn das sind Unterwäsche oder Kindersachen ja schließlich.“ Endlich seien die Zeiten vorbei, als sie beim Click&Collect-System nur ein paar Sachen zur Auswahl an die Tür bringen durfte. Jetzt können die Kunden wieder Stoffe anfassen und Kleidungsstücke anprobieren.

Auch Gudrun D‘haene-Thumann vom Kindergeschäft „Daantje“ nebenan freut sich: „Ich hatte im Lockdown verzweifelte Anrufe, weil die Kinder aus allem rausgewachsen waren.“ Vor allem Schuhe verkaufte sie in dieser Zeit. Die musste sie allerdings zum Anprobieren vor die Tür bringen.

Kunden kommen mit Nachwuchs an der Hand

Jetzt ist sie freudig überrascht, dass die Woche über so viele Kunden in den kleinen Laden gekommen sind und es waren nicht nur Stammkunden. Streng wird überwacht, dass stets nur zwei Leute in der frischen Frühlings- und Sommerware stöbern und möglichst nicht die gleiche Größe suchen. Wenn die Kundin, die eben den Laden verlässt, wie angekündigt mit ihrem Sohn wiederkommt, ist das Geschäft voll.

Auch bei H&M stürmen die meisten Kundinnen – oft mit dem Nachwuchs an der Hand oder im Kinderwagen – zunächst in den ersten Stock zur Kinderabteilung. Offensichtlich gibt es einen enormen Nachholbedarf.

Store-Manager Olaf Pütter lobt die Soester: „Die wenigsten kommen unvorbereitet in den Laden.“ Die Kunde haben sich über eine App oder eine QR-Code online einen Termin geholt und dürfen dann 30 oder 60 Minuten einkaufen. Am Anfang habe es ein paar Anlaufschwierigkeiten gegeben, aber jetzt nach einer Woche funktioniere das System.

Kunden sind sehr diszipliniert

44 Leute dürfen gleichzeitig in den Laden. Jeder bekommt am Eingang eine große Tüte in die Hand gedrückt. „Es ist natürlich nicht so voll wie zu normalen Zeiten“, sagt Olaf Pütter. Immerhin laufe der Laden tadellos, was nicht überall der Fall sei, wie er von Kollegen aus anderen Städten höre.

Nicht alle Geschäfte in der Fußgängerzone nutzen das Click&Meet-System oder haben gar ganz geöffnet. In einigen – etwa im Geschenkartikel-Laden Nanu-Nana - kann man nach wie vor nur online bestellen. In die Buchhandlung Thalia auf der anderen Straßenseite dagegen können die Kunden ungehindert hineinspazieren.

60 insgesamt dürfen gleichzeitig drin sein. „Wir kontrollieren das mit den Körben im Eingangsbereich“, sagt Filialleiter Michael Lebar. Seine Kunden spiegeln ihm, wie froh sie sind, endlich wieder zwischen Kalendern, Krimis und Kassetten stöbern zu können. „Die Leute sind sehr diszipliniert, nicht so wie nach dem ersten Lockdown, wo es viele Diskussion gab.“, sagt Lebar.

Im Juwelierladen von Georg Hoischen wird beim Kauf von  Trauringen  intensiv beraten.
Im Juwelierladen von Georg Hoischen wird beim Kauf von Trauringen intensiv beraten. © Peter Dahm

Ungehindert betreten darf man auch den Schmuck- und Uhrenladen Hoischen. Der Verkauf sei verhalten, sagt Inhaber Georg Hoischen. Verstärkt nachgefragt würden Trauringe. Die Käufer brauchten immer eine intensive Beratung. Erstaunlich: „Die Leute heiraten auch in der Pandemie.“

Die Frequenz, stellte Georg Hoischen in der vergangenen Woche fest, war nicht so hoch wie zu normalen Zeiten. Dazu müsste auch die Gastronomie wieder öffnen und die Fußgängerzone voll sein. Immerhin braucht der Geschäftsmann nur selten gegen Internet-Konkurrenz zu kämpfen. Denn Käufer von hochwertigem Schmuck wollen eine persönliche Beratung.

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