Der Cop, der aus der Sonne kam: Polizist aus Costa Rica besucht Soest

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Warm eingepackt und nur mit seiner Kamera „bewaffnet“, machte sich Sergio Yepez auf zu einer Entdeckungstour durch die Soester Altstadt.

Soest - Ein mutmaßlicher Mörder aus Fröndenberg, ein Beamter der Dortmunder Mordkommission und ein Kollege von ihm, der für Interpol in San José arbeitet, der Hauptstadt Costa Ricas – das Zusammentreffen dieser drei Personen führte jetzt dazu, dass zwei von ihnen sich auf eine Entdeckungsreise durch Soest machten.

Diese zwei, Gregor Schmidt und sein Kollege Sergio Yepez, mussten auf den Dritten im Bunde – zugegebenermaßen ganz gerne – bei ihrem Bummel verzichten, weil der hinter Gittern sitzt: Uwe Hohm ist dringend tatverdächtig, im vergangenen Juni eine 49-jährige Frau in Unna erwürgt zu haben.

Anschließend flüchtete er nach Costa Rica, wo er von Sergio Yepez und seinen Interpol-Kollegen im September aufgespürt und schließlich festgenommen wurde. Gregor Schmidt, Dortmunder Polizist, aber wohnhaft in Soest, erhielt den Auftrag, mit einem weiteren Beamten in das mittelamerikanische Land zu reisen und den Gefangenen zurück nach Deutschland zu bringen.

So lernten sich die beiden Cops im Oktober kennen und sehr schnell auch schätzen. „Die Abwicklung der Auslieferung zog sich einige Tage hin. In dieser Zeit hat uns Sergio viel vom Leben in San José gezeigt, was wir als Touristen niemals gesehen hätten“, erinnert sich Schmidt.

Hilfreich war dabei wohl auch, dass ihr Gastgeber Deutsch sprach und eine mehr als klammheimliche Liebe zum Heimatland seiner Besucher hatte, die während eines einjährigen Austauschaufenthaltes in Deutschland 2015 gewachsen war.

Auch die Freundschaft zwischen den beiden Polizisten wuchs, nach der erfolgreichen Abwicklung des Rücktransportes des Gefangenen blieben Schmidt und Yepez in Kontakt – bis der Soester jetzt die Gelegenheit nutzte, sich bei seinem Freund zu revanchieren, als der einen knapp einmonatigen Urlaub in Europa plante. „Natürlich habe ich Sergio eingeladen, auf dieser Reise auch ein paar Tage in Soest bei mir und meiner Familie zu verbringen“, musste Schmidt nicht lange überlegen – ebenso wenig wie sein Gast, der die Einladung gerne annahm.

Und es nicht bereute: „Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert, und davon hat Soest ja wirklich mehr als genug“, war der warm eingepackte Besucher aus der Sonne sehr beeindruckt nach einem Rundgang durch die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden und den vielen kleinen Gassen, inklusive Stopps in mehreren Kirchen.

Angetan war er aber auch davon, wie „geordnet“ es heutzutage in diesem Teil der Welt zugeht und wie die Kreispolizei in Soest, die er ebenfalls mit seinem Freund besuchte, dazu beiträgt. Costa Rica gilt zwar in der Region in mancher Hinsicht als Vorbild für eine funktionierende Demokratie mit einem gewissen Wohlstand, hat aber auch mit mindestens einer Million illegaler Flüchtlinge aus dem benachbarten Nicaragua (bei einer Gesamteinwohnerzahl von knapp 5 Millionen) sowie Korruption, Kriminalität, und anderen Konsequenzen daraus zu kämpfen, dass international agierende Verbrechersyndikate das kleine Land zunehmend als Transitstation für den Drogenhandel von Süd- nach Nordamerika nutzen.

Zumindest für ein paar Wochen hat Sergio Yepez diese Probleme aber weit hinter sich gelassen – und dafür noch ein paar schöne Tage in Deutschland vor sich, in denen er auch etwas anderes entdecken will, was es so in seiner Heimat nicht gibt: den Karneval.

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