Contergan-Opfer sprechen vom Pseudo-Entschuldigung

Wolfgang Schasse und Georg Palmüller üben Kritik an der Rede des Konzernleitungs-Vorsitzenden von Grünenthal.

SOEST ▪ Als laue, halbherzig gesprochene Floskeln, nicht aber als würdevolle Entschuldigung, so sehen Wolfgang Schasse und Georg Palmüller den Auftritt des Vorsitzenden der Grünenthal-Konzernleitung, Dr. Harald F. Stock, bei der Einweihung des Contergan-Denkmals in Stolberg.

Sie bezeichnen sich unmissverständlich als Opfer, und sie machen klar: „Wir kämpfen weiter – vor allem für alle Schwerstbetroffenen und unsere Familien. Wolfgang Schasse (51) und Georg Palmüller (52) spüren täglich, was es heißt, mit den Folgen des angeblich harmlosen Schlafmittels Contergan zu leben. Sie wissen aus ihrer Kindheit, welches Leid Eltern und Geschwister aushalten und was sie ertragen mussten.

„Toll“, schildert der Soester Wolfgang Schasse, was ihm zunächst durch den Kopf ging, als er die überraschende Nachricht hörte, der

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Unternehmenssprecher habe nun endlich sein großes Bedauern und sein tiefes Mitgefühl ausgedrückt. Dann allerdings sei ihm klar geworden, dass sich Dr. Harald F. Stock nicht zu einer Schuld bekannt habe. Die Firmengruppe leiste lediglich Abbitte, fünfzig Jahre lang geschwiegen und nicht den „Weg von Mensch zu Mensch gefunden“ zu haben.

Seine Mutter habe den Schicksalsschlag nie verkraftet, erzählt Georg Palmüller. Im Umgang mit seinem Sohn merkt er, wie oft er zurückstecken muss. So wie andere Väter eine Bude im Garten bauen – „das geht nicht“. Einen Nagel in die Wand hauen – unmöglich. Dazu kommen die massiven gesundheitlichen Belastungen durch die Beeinträchtigungen. Für Wolfgang Schasse ist klar: „Wiedergutmachung ist nicht möglich. Wir brauchen keine Entschuldigung, wir wollen eine gerechte Entschädigung.“

Wolfgang Schasse und Georg Palmüller gehören zum Contergan-Stammtisch Soest/ Bad Sassendorf. Sie haben sich mit anderen „Contis“ – wie sie sich selber bezeichnen – kurzgeschlossen und machen ihre Forderungen deutlich. Wie der Bundesverband setzen sie sich für eine Einmalzahlung von 100 000 Euro ein sowie für eine Verdreifachung der derzeitigen Rente, um wenigstens einen Teil der hohe Kosten auffangen können, die ihre Behinderung mit sich bringt. Wolfgang Schasse: „Wir verlangen keinen Luxus, die Zahlungen würden uns das Leben aber erleichtern.“

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