Musik aus Paradiese erklingt nach 600 Jahren 

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Die Inititaien in ihren Codices verzierten die Dominikanerinnen mit schönen Bildern.

Soest - Vor zwei Jahren hielt die Düsseldorfer Professorin Eva Schlotheuber im Kloster Paradiese einen Vortrag über die Ergebnisse einer zehnjährigen Forschungsarbeit. Es ging um die Dominikanerinnen und ihre Chorbücher.  Beim Fehde-Festival ist diese Musik jetzt auch zu hören. 

Das Ensemble Ars Choralis gibt ein Konzert mit Werken der Dominikanerinnen.

Eine Gruppe gelehrter Nonnen aus dem Dominikanerinnenkloster Paradiese schrieb im 13. und 14. Jahrhundert eine Reihe von Chorhandschriften, von denen sich einige in Düsseldorf erhalten haben. Die schönsten Exemplare schrieben die Nonnen für ihre eigene Gemeinschaft, wobei sie die Liturgie mit eigenen Musikkompositionen, künstlerischen Miniaturen und knapp 1 000 lateinischen Beischriften „kommentierten“. 

Die Frauenschola Ars Choralis Coeln bringt diese Werke am Sonntag, 4. August, um 11.30 Uhr in der Kirche Neu-St. Thomä zur Soester Erstaufführung. Für heutige Ohren mutet die Musik ungewöhnlich an. Aber Freunde mittelalterlicher Gesänge und historische Interessierte werden vermutlich begeistert sein. 

Bereits 1997 hatte der Soester Verein für Geschichte und Heimatpflege mit einer Ausstellung und der Publikation „Gotische Buchmalerei aus Westfalen“ die Aufmerksamkeit auf die Choralbücher der Frauenklöster in Paradiese und der Nachbarstadt Werl gelenkt. Seit 2007 befasste sich zehn Jahre lang ein internationales Team aus Historikern, Kunsthistorikern und Musikwissenschaftlern mit diesen liturgischen Handschriften. Nach einem Jahrzehnt intensiver Forschung wurden die Ergebnisse in dem monumentalen Werk „Liturgical Life and Latin Learning at Paradies bei Soest, 1300-1425“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

Danach musste die Einschätzung jener Epoche im Allgemeinen und der Geschichte der Frauenklöster im Besonderen revidiert werden. Von einer Zeit des geistigen oder institutionellen Verfalls kann keineswegs die Rede sein. Im Gegenteil: Die schönsten und unkonventionellsten liturgischen Bücher schrieben und illustrierten die Dominikanerinnen des Frauenklosters Paradiese für die eigene Gemeinschaft, aber vermutlich auch für ihre männlichen Ordensbrüder. 

Das war eine Besonderheit, weil die meisten Frauen im Mittelalter weder lesen noch schreiben konnten. Die Codices zählen zu den ungewöhnlichsten Handschriften des gesamten Mittelalters – in künstlerischer, musikalischer und auch intellektueller Hinsicht. In Kooperation mit dem Westdeutschen Rundfunk und der Frauenschola Ars Choralis Coeln entstand bereits eine CD, die inklusive einer Informationsbroschüre erworben werden kann. Vor dem Konzert in Neu-St.-Thomä gibt’s einen Einführungsvortrag.

Information: Karten für 14 Euro/ ermäßigt 11 Euro gibt es schn jetzt in der Geschäftsstelle des Soester Anzeigers und über Hellweg Ticket, Telefon 02921/31101.

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