Buntes Bündnis protestiert gegen AfD im Blauen Saal

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Ein breites Bündnis aus Gegnern der AfD machte auf dem Petrikichhof keinen Hehl daraus, dass die Rechtspopulisten für sie keine Partei wie jede andere sind – sondern eine Bedrohung für das friedliche Zusammenleben von Menschen in diesem Land.

Soest - Für ein paar Stunden legten sie die unterschiedlichen Überzeugungen und Konzepte, die sie sich als politische Gegner gerade im Wahlkampf sonst so gerne um die Ohren hauen, an die Seite und demonstrierten Einigkeit – bei der Kundgebung auf dem Petrikirchhof ging es schließlich für rund 300 Teilnehmer gegen einen gemeinsamen Feind: die Alternative für Deutschland (AfD), die nur wenige Meter weiter im Blauen Saal zu einer Wahlkampfveranstaltung mit ihrem Spitzenpersonal eingeladen hatte.

Das Soester „Bündnis gegen Rassismus“ hatte eingeladen, und Akteure ganz verschiedener Couleur waren dieser Einladung gefolgt, sowohl als Musiker und Redner auf der Bühne als auch davor – entsprechend vielfältig waren auch die thematischen Schwerpunkte in den Beiträgen. 

So erinnerte Norbert Römer, heimischer Landtagsabgeordneter und als Fraktionsvorsitzender der SPD ein Schwergewicht in der Landespolitik, an die „braune Sauce“, die sich schon einmal über das Land ergossen habe. „Das darf nie wieder passieren“, forderte er unter dem Beifall der Menge.

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Sebastian Strumann (Grüne) nahm sich dagegen in erster Linie die umweltpolitischen Ziele der AfD vor – die leugne schließlich unter anderem, dass der Klimawandel von Menschen verursacht werde.

Gegendemo in Soest bei AfD-Wahlkampf mit Petry und Pretzell

Petri-Pfarrer Bernd-Heiner Röger, praktisch der Gastgeber der Kundgebung, begründete seine aktive Teilnahme an dem Protest dagegen vor allem moralisch. Bei allem Verständnis dafür, dass einige von der AfD angesprochene Probleme gelöst werden müssten, gehe das nur im Miteinander von gesellschaftlichen Gruppen. Das sei schließlich auch immer eine Stärke im Zusammenleben gewesen, so Röger. Ausgrenzung und pauschale Diskriminierung helfe dagegen niemandem – und widerspreche zudem den Grundwerten christlichen Denkens und Handelns.

Mit dem Eintreffen der ersten Besucher der AfD-Veranstaltung verlagerte sich dann aber zunehmend der geogra-

fische Schwerpunkt der Kundgebung, und auch der Ton verschärfte sich hörbar. Eine Gruppe der Teilnehmer skandierte „Nazi, Nazi“-Sprechchöre und rückte bis an den Eingang zum Blauen Saal vor, die Polizei hatte aber keinerlei Mühe, Protestierer und Saalbesucher auseinanderzuhalten.

Die beiden Hauptredner der AfD, Bundessprecherin Frauke Petry und ihr Gatte und NRW-Landessprecher Marcus Pretzell, wurden durch einen Nebeneingang unbehelligt von den Demonstranten in den Blauen Saal geführt, wo sie von rund 150 Besuchern erwartet wurden.

Begrüßt wurden Redner und Gäste im Namen des gastgebenden AfD-Kreisvorstandes von dessen stellvertretendem Vorstandssprecher Berengar Elsner, Grußworte sprachen anschließend auch die beiden Direktkandidaten der Partei im Kreis für die anstehenden Landtagswahlen, Dr. Wilfried Jacobi und Harald Blankenhahn.

Draußen vor dem Rathaus zerstreuten sich derweil die Demonstranten.

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