Bundeswehr hilft im Gesundheitsamt des Kreises Soest:

Soldat verfolgt Corona-Kontakte und hilft Menschenleben zu retten

Uniformen ohne Ende: Technisch gut ausgestattet und hochmotiviert leisten die Soldaten ihren Telefon-Dienst im Soester Kreishaus.
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Uniformen ohne Ende: Technisch gut ausgestattet und hochmotiviert leisten die Soldaten ihren Telefon-Dienst im Soester Kreishaus.

Kreis Soest – Daniel Dökel plant Transporte. Manchmal führt er sie auch selber durch. Dann ist er zum Beispiel mit einem Sattelzug unterwegs nach Frankreich, um dort einen Sattelschlepper abzuholen. In diesen Tagen transportiert der 31-Jährige Soldat aus dem Logistikbataillon 161 in Delmenhorst aber etwas ganz anderes: wichtige Informationen. Der Stabsunteroffizier arbeitet für das Soester Kreisgesundheitsamt. Und das ziemlich erfolgreich.

„Dass wir hier die Infektionsketten so gut und so zeitnah unterbrechen können, das liegt entscheidend auch an den Kameraden aus Delmenhorst“, zollt Kreissprecher Wilhelm Müschenborn dem Soldaten DöKel und seinen 29 Kameraden ein großes Lob. 15 Bundeswehrsoldaten arbeiten jeweils eine Woche lang von 8 bis 18 Uhr an den Telefonen des Kreisgesundheitsamts, stehen darüber hinaus auch für Notfälle bereit. Eine Woche, das bedeutet sieben Tage Dienst. „Wir haben uns hier in Soest ziemlich schnell eingearbeitet“, sagt Daniel Dökel. Er und seine Kameraden seien für die Kontaktnachverfolgung der positiv getesteten Menschen zuständig. „Unsere Arbeit betrifft alle direkten Kontakte außerhalb der Kernfamilie“, so der Stabsunteroffizier. Sein militärischer Rang, der sei bei der derzeitigen Arbeit unerheblich. Und auch am Telefon gebe er sich nicht als Soldat zu erkennen. „Im Schnitt zwei bis drei Kontakte, manchmal aber auch deutlich mehr“ muss Dökel pro Fall anrufen. Er gibt sich als Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts zu erkennen, klärt auf – und ordnet im Gespräch den Kontakt ein. „Es gibt klare Vorgaben, nach denen ich dann entscheide, wer in Quarantäne muss und wer nicht.“ Sei etwas unklar, dann gebe es immer einen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in der Nähe, den er fragen könne.

Wenn ich anrufe und wir über die ersten Fakten hinaus sind, dann erzählen mir die Leute oft ganz viel Persönliches. Wir haben die klare Anweisung, niemanden abzuwürgen. Deshalb dauert ein Gespräch oft 40 Minuten, manchmal auch eine Stunde.

Daniel Dökel, Stabsunteroffizier

Dass er viel Fingerspitzengefühl bei den Telefonaten braucht, daraus macht Daniel Dökel kein Geheimnis. „Wenn ich anrufe und wir über die ersten Fakten hinaus sind, dann erzählen mir die Leute oft ganz viel Persönliches. Wir haben die klare Anweisung, niemanden abzuwürgen. Deshalb dauert ein Gespräch oft 40 Minuten, manchmal auch eine Stunde.“

Arbeit hat soziale Komponente

Von einer „sozialen Komponente“ spricht Klaus Eifler in diesem Zusammenhang. Der Oberstleutnant und Leiter des Kreisverbindungskommandos hatte im Vorfeld die Soldaten nach Soest gelotst. Eifler betreut im Kreishaus die aktive Truppe, steht als militärische Ansprechpartner zur Verfügung, und ist als Verbindungsoffizier zur Bundeswehr der Beauftragte für Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Kreis Soest. „Eine wichtige Aufgabe ist neben der Betreuung der aktiven Soldaten vor Ort vor allem die Beratung der Leitung des Krisenstabes und der Leitung des Gesundheitsamtes“, so Eifler.

Unterstützung seit 10. November

Seit dem 10. November sind die Soldaten aus Delmenhorst in 15-köpfigen Schichten im Kreishaus tätig. Die Teams werden im Wochentakt gewechselt. Aktuell gibt es eine Zusage bis zum 7. Februar, der nächste Antrag des Kreises Soest ist in Arbeit. Ein weiterer Antrag für 15 Bundeswehrsoldaten, die die Arbeit im Impfzentrum unterstützen werden, ist bereits genehmigt.

Die Beratung und Betreuung haben offensichtlich funktioniert. „Die Kameraden wurden hier sehr sensibel eingearbeitet, so dass nach zwei oder drei Tagen die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt, aber auch die Kontaktaufnahme nach draußen gut klappte.“

30 abgeordnete Soldaten bei rund 200 Mitarbeitern im personell deutlich aufgestockten Gesundheitsamt – oder 15 Soldaten pro Schicht zusätzlich zu den 54 weiteren Mitarbeitern in der Kontatktnachverfolgung: Macht das unterm Strich etwas aus? „Selbstverständlich“, sagt Wilhelm Müschenborn. Die Soldaten leisteten einen wichtigen Beitrag, der bis heute garantiere, dass der Kreis Soest die Kontaktverfolgung zeitnah und nahezu vollständig hinbekomme.

KOMMENTAR von Jürgen Vogt

Dankbarkeit anstatt Panik

Zu wenig Impfstoff, zu viele Infizierte, eine drohende Pleitewelle, Angst vor zu vielen persönlichen Einschränkungen: Bei der Flut an negativen Schlagzeilen gehen die positiven Nachrichten manchmal unter. Positiv soll an dieser Stelle deshalb angemerkt sein, dass die Zusammenarbeit der Soldaten mit dem Soester Kreisgesundheitsamt reibungslos funktioniert. Und sehr erfolgreich. Das hat Folgen: Die Kontakte können hier im Gegensatz zu vielen andere Kreisen noch immer gut nachverfolgt werden. Was wiederum dazu führt, dass die Zahl der Infizierten deutlich unter den Zahlen andernorts liegt. Und das hilft dabei, dass die Krankenhäuser im Kreis Soest noch lange nicht am so viel beschworenen Limit sind. Das sind gute Nachrichten. Das sollte uns alle zwar nicht dazu veranlassen, die Krise zu verniedlichen. Für Panik aber besteht im Kreis Soest kein Grund. Eher für Dankbarkeit.

Daniel Dökel ist schon zum fünften Mal in Soest. Er hat Freude gefunden an seiner Tätigkeit. „Da ist ja immer ein Mensch, der hinter einem Fall steckt. Ich mache hier zwar etwas völlig anderes als sonst, aber ich empfinde das als erfüllend.“ Gespräche mit Alleinstehenden oder Menschen, die echte Angst hätten, machten ihn zufrieden, „weil ich im Gespräch einen Teil dieser Angst nehmen kann oder mir zumindest einfach die Sorgen anhöre“.

Zum Soester Abenteuer gehört für Daniel Dökel auch die Jugendherberge Möhnesee. Da nämlich sind die Soldaten untergebracht: Corona-gerecht in Einzelzimmern und „mit einer wirklich guten Verpflegung“. Los geht der Arbeitstag morgens nach dem Frühstück („Und geschmierten Broten für die Mittagspause“) von der Herberge. Mittags gibt es versetzte Pausen, damit die Erreichbarkeit garantiert bleibt; wer will, bestellt sich in der Kantine eine Mahlzeit zum Mitnehmen. Abends nach der Rückkehr gibt`s Abendessen und anschließend Freizeit. „Ich telefoniere dann privat oder sehe einen Film. Viele Kameraden machen noch Sport“, beschreibt Dökel den Alltag. Viel Zeit bleibt neben dem Dienst ohnehin nicht, schließlich sind alle auch übers Wochenende im Einsatz. Selbst über Weihnachten und den Jahreswechsel gab es keine Pausen. Ausreichend Freiwillige habe es da gegeben, so dass „das Prinzip Befehl und Gehorsam“ nicht angewandt werden musste.

Überhaupt menschelt es viel in der Soester Truppe: Im Corona-Gespräch mit Betroffenen sowieso; aber auch im Austausch mit den Mitarbeitern des Gesundheitsamts. Das liegt vielleicht daran, dass der Dienst echt erfüllend ist – und Menschenleben rettet.

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