Gärten sollen richtig aufblühen

"Mein Soester Insektenparadies": Stadt ruft auf zum Bürgerwettbewerb

+
Rufen zum Wettbewerb auf (von links): Petra Salm (ABU), Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer, Günther Röing (Kleingärtnerverein Soest-West) Maik Draxler (Arbeitsgruppenleiter Stadtentwicklung, Umwelt und Geo-Service), Maria Kroll Fiedler (Umweltberaterin der Stadt Soest), Thomas Busch (Imkerverein), Benno Wollny (Vorsitzender des Umweltausschusses), Ursula Hundt (Bahn-Landwirtschaft), Klaus Fischer (Obst- und Gartenbauverein) und Oskar Greven (BUND Soest-Welver).

Soest – Die Imker, die Soester Kleingärtner sowie die der Bahn-Landwirtschaft, die Obst- und Gartenbauer und die Naturschützer: Sie alle ziehen an einem Strang. Oder vielmehr: An einem Stängel. Vertreter all dieser Institutionen sitzen in der Jury eines Wettbewerbs, mit dem sich die Stadt Soest jetzt an alle Gärtner und Hobbygärtner wendet: „Mein Soester Insektenparadies“ ist er übertitelt.

Benno Wollny dazu als Vorsitzender des Umweltausschusses: „Wir gehen durch die Stadt, sehen Schottergärten und viel zu kurze Rasenflächen – und daher viel zu wenige Insekten. Privatgärten und öffentlichen Grünflächen sind jedoch bestens dazu geeignet, zur Insekten-Vielfalt beizutragen.“ Klaus Fischer als Vorsitzender des Obst-Gartenbauvereins ergänzt: „Wir wollen keine Chemie im Garten, sondern einen schönen, natürlichen Garten, und mit so einem haben wir schon etwas für die Insekten getan.“ Fischer weiß aber auch: „Selbst wenn wir alle Gärten so anlegen würden, hätten wir alleine damit das Insektensterben nicht gestoppt. Das Hauptproblem ist hier die Landwirtschaft. Aber so setzen wir doch mit einfachen Mitteln einen kleinen Meilenstein.“

Zwar habe die Zahl der Bienen wieder stark zugenommen, freut sich Thomas Busch, Vorsitzender des Imkervereins. Dies liege aber vor allem daran, dass es wieder mehr Imker gebe: „Ohne sie gäbe es in unseren Breiten keine Honigbienen mehr.“ Insofern appeliert er daran, Blühwiesen anzulegen – letztlich seien die auch viel pflegeleichter: Aussäen, Gießen und zweimal im Jahr Mähen reiche völlig.

Mit dem Wettbewerb will die Stadt die Soester dazu ermuntern, einen insektenfreundlichen Garten zu gestalten – sofern sie es nicht bereits getan haben – und ihn ohne Einsatz von Pestiziden zu bewirtschaften. Maria Kroll-Fiedler, Umweltberaterin der Stadt Soest: „Nicht Menge und Größe, sondern der Nutzen, der Vorbildcharakter und die Originalität der Maßnahmen für die Insektenwelt sind von Bedeutung.“ Mögliche Elemente seien ein dauerhaftes Blütenangebot, natürliche Nistmöglichkeiten, Wasserstellen, Totholz, Kompostierung, Trockenmauern oder offene Bodenstellen und heimische Gehölze.

Die Teilnehmer sollen bis zum 31. Juli ein kurzes Portrait Ihres Gartens, in dem Sie beschreiben, was darin insektenfreundlich ist, einreichen, sowie bis zu zehn aussagekräftige Fotos, am besten aus unterschiedlichen Jahreszeiten, die das Besondere für den Insektenschutz belegen. Bewerben kann man sich ganzjährig, da der Wettbewerb im kommenden Jahr auf jeden Fall wiederholt werde. Nach einer Evaluation werde entschieden, ob es auch in 2022 weitergeht.

Aus allen bis zum Stichtag eingereichten Bewerbungen werden zehn Gärten ausgewählt, die von der Jury besucht werden. Bewerbungsunterlagen, die nach dem 31. Juli eingehen, werden im Folgejahr berücksichtigt.

Teilnehmen darf jeder mit einem Garten in der Stadt Soest. Alle Personen dürfen nur einen Beitrag einreichen und ebenfalls darf jeder Garten nur einmal vertreten sein. Die Besuche der Jury werden ab dem 15. August stattfinden.

Die ersten drei Gewinner erhalten Preisgelder: 300 Euro für den Erstplatzierten, 200 Euro für den zweiten und 100 Euro für den dritten Platz. „Kroll-Fiedler: Für alle anderen gibt es eine kleine Überraschung.“ Worum es sich dabei handelt, will sie nicht verraten, denn sonst sei es ja keine Überraschung mehr. Die Gewinnübergabe findet am 6. September auf dem Bördebauernmarkt statt. Die Gewinner werden vorher benachrichtigt.

Am kommenden Wochenende ist der Wettbewerb mit einem eigenen Stand auf der Haga vertreten. Dort wird auch eine spezielle Soester Saatgutmischung verkauft (siehe unten). Kinder können sich dort aus Konservendosen und Lößboden Insektenhotels basteln.

Anmeldung Der Handzettel mit dem Anmeldeformular wird an verschiedenen öffentlichen Stellen ausgelegt und wird auch in Kürze online gestellt auf der Homepage der Stadt Soest. E-Mail: insektenparadies@stadt-soest.de

Die „Soester Mischung“

Mit der Aussaat bunter Blumenwiesen aus oftmals ortsfremdem Saatgut sei es leider nicht getan, meint der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Solche bunten Wildblumenmischungen enthielten häufig Saatgut von Arten, die nicht aus der Region stammen, was bedeute, dass sie für gebietsheimische Insekten nicht geeignet seien. 

Rüssel und Körperbau seien nicht auf Blüten- und Kelchgröße angepasst, die Insekten verhungerten auf den Blüten sitzend, weil sie den Nektar und Pollen nicht erreichen könnten. Die Naturschutzverbände BUND, ABU und NABU in Soest haben deshalb eine „echte“ Wildblumenmischung aus sogenanntem Regiosaatgut zusammengestellt und konfektionieren lassen.

Der Inhalt dieser Tütchen (drei Gramm, ausreichend für zwei bis drei Quadratmeter) eigne sich gut für Soest, ist auf die örtliche Bodenbeschaffenheit abgestimmt und soll überall dort ausgesät werden, wo im heimischen Garten ein Randstreifen, eine Freifläche oder ein Rasenstück zur Verfügung steht. Sie enthält nur Pflanzen, die originär hier vorkommen und perfekt zur Soester Insektenwelt passen. 

Erhältlich sind die Tütchen für jeweils einen Euro...

...bereits am Wochenende auf der HAGA in der Soester Stadthalle sowie

...ab Mitte März rechtzeitig zu Beginn der Vegetationsperiode

  • im Büro des Kulturhauses Alter Schlachthof
  • im Weltladen SoFair (Grandweg 3)
  • bei Endless and Evergreen Ökofaire Mode (Stiftstraße 2)
  • in der Gärtnerei Brunnberg (Johannes-Gropper-Weg 2)
  • im Unverpacktladen (Brüderstraße 49-51)
  • im Gärtnerhof Röllingsen (Am Eichkamp 3)
  • bei Schreibwaren Streiter (Petrikirchhof 6)
  • und im BUND-Büro (Jakobistraße 69)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare