Epidemie

Soester wappnen sich gegen Coronavirus

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Dorita König (rechts) und Post-Zustellerin Iris Stenzel desinfizieren sich zum Schutz vor dem Coronavirus mehrmals täglich die Hände

Soest – Iris Stenzel kommt als Post-Zustellerin viel in in der Gegend herum und fasst in ihrem Bezirk ständig die Türklinken an. Deshalb hat sie sich gut ausgestattet, um zwischendurch immer wieder die Hände zu säubern, sich vor einer Infektion zu schützen und dazu beizutragen, eine Verbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Als sie am Donnerstagmorgen das Immobilienbüro am Hiddingser Weg betrat, kam Inhaberin Dorita König sofort auf sie zu, zeigte auf die Flasche mit Desinfektionsmittel und bat, sich zu bedienen – eine dringend erforderliche Maßnahme zur Vorbeugung, denkt sie. Deshalb hat sie eingekauft, was sie an antiseptisch wirkenden Lösungen kriegen konnte, und das empfiehlt sie jedem, der sich in Menschenmengen bewegt, mit Leuten in Kontakt kommt – zum Beispiel in Berufen mit regem Publikumsverkehr. 

Die Nachrichten über die zunehmende Zahl von Corona-Fällen in Europa löst Besorgnis aus – auch in Soest, wie gestern ein Rundgang durch die Stadt zeigte. Apothekerin Gaby Leopold beantwortet den ganzen Tag über sachlich die Fragen von Kunden, die wissen wollen, was sie nun beachten müssen, was sie tun können, und ob Handhygiene ausreicht, dem mysteriösen Krankheitserreger den Garaus zu machen. Sie weist auf ein Regal mit Sprays und Tüchern, das am Tag zuvor voll war. Jetzt stehen dort nur noch Restbestände.

Gleich an der Tür, die sich automatisch öffnet, befindet sich ein Ständer mit speziellem Reinigungsgel, der ist aber nicht neu. Auf dem Wochenmarkt ging alles seinen Gang. Die Kunden besorgten Gemüse, Brot, Obst, Fisch und was sie sonst noch brauchten. Peter Schmitz von Rewe Stolper berichtet indes, dass die Bilder von Hamsterkäufen in Italien den ein oder anderen Kunden veranlassen, mehr zu kaufen als sonst, um zu Hause den Vorrat an gut zu lagernden Trockenprodukten aufzustocken. 

Wie sieht’s in den Bussen aus? „Besteht dort nicht ein besonders hohes Risiko, sich das neuartige Virus einzufangen?“, fragte gestern ein Leser. Ira Middendorf-Kleymann, stellvertretende Pressesprecherin der Westfälischen Verkehrsgesellschaft weist darauf hin, dass die Fahrzeuge zur Sicherheit des Personals, aber auch der Passagiere künftig stärker gereinigt und gründlich desinfiziert werden.

Außerdem werde überlegt, Flaschen mit Desinfektionsprodukten an die Fahrer zu verteilen, die damit zum Beispiel die Haltestangen abwischen sollen. . Die Soester Stadtverwaltung wolle an allen Stellen, an denen sie vertreten ist, Behälter mit Desinfektionsmittel aufstellen, schildert Sprecherin Brigitte Sliwa. Diese Spender sollen in sämtlichen Gebäuden installiert werden, in den beiden Rathäusern und den Außenstellen, im Stadtarchiv, in der Volkshochschule, in der Bücherei, in den Treffpunkten, im Kommunalbetrieb, im Bürgerbüro. 

Allerdigs: Diese Geräte müssen erst einmal besorgt werden. Und da dürfte die Stadt Soest nicht die einzige sein, die eine Bestellung aufgeben möchte. Doch sei man bemüht, das Ganze so schnell wie eben möglich umzusetzen, so Sliwa. 

"Ich gehe davon aus, dass der Kreis Soest nicht unbedingt verschont bleibt", sagte Landrätin Eva Irrgang.

Manche Soester, die in den Kürze verreisen wollen, machen sich Gedanken über ihren Urlaub. „Man kann das Ganze sehr schwer einschätzen, weil ständig neue Nachrichten eintreffen“, sagt Matthias Langguth vom Derpart Reisebüro Pues. Bis gestern habe noch kein Kunde seine Reise storniert, viele seien jedoch ins Grübeln gekommen. „Der Wunsch der Kunden nach Informationen ist zurzeit stärker als nach einer Stornierung“, so Langguth. „Wir stehen jederzeit für die Fragen bereit.“ Da spiele natürlich auch Geld eine Rolle: Für Reisen noch China habe das Auswärtige Amt eine amtliche Reisewarnung ausgesprochen – somit kann der Kunde seine Reise stornieren und erhält vom Veranstalter sein Geld zurück. 

Anders bei Reisen nach Italien, die türkische Reviera oder auf die kanarischen Inseln: „Da entscheidet der Kunde, ob er die Reise antritt oder storniert. Er muss dann die Kosten selber übernehmen“, so Langguth. Fragen rund um eine Stornierung würden häufiger gestellt als nach Umbuchungen. „Man ist verunsichert und weiß nicht, was kommt, buche ich die Mittelmeer-Kreuzfahrt um in eine nördliche Route, taucht dort vielleicht auch ein Corona-Fall auf und die Leute werden nicht von Bord gelassen.“

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