Buchhändlerpaar will kürzer treten

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Aus mehreren Gründen reduziert die Bücherstube Ellinghaus in der Soester Marktstraße ihre Öffnungszeiten auf Mittwoch und Samstag. 

Soest – Die Buchhandlung Ellinghaus gibt es in der Marktstraße seit nunmehr 70 Jahren. Doch der Buchhandel hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert.

Aus verschiedenen Gründen ziehen die Inhaber, Almut Ellinghaus-Rademacher und Heinz Rademacher, nun ihre Konsequenzen und öffnen die Buchhandlung – außer in der Vorweihnachtszeit – nur noch mittwochs und samstags. „Vor 20 Jahren gab es noch vier inhabergeführte Buchhandlungen, heute gibt es neben der Thalia-Filiale nur noch zwei inhabergeführte Läden“, sagt Almut Rademacher-Ellinghaus. 1990 habe sich noch niemand vorstellen können, wie rasant sich die Buchhandelsketten entwickeln würden, und erst recht nicht, welche Bedeutung das Internet einmal erlangen würde.

 „Waren die Umsatzverluste nach der Gründung der Thalia-Filiale bei uns noch vergleichsweise überschaubar, wirkte sich der Internethandel zwar langsamer, auf Dauer aber einschneidender aus“, erklärt Heinz Rademacher. Vor kurzem stand im Soester Anzeiger, dass inzwischen etwa 40 Prozent der Internetnutzer ihre Bücher über die großen Online-Anbieter beziehen. Die harte Konkurrenz mit dem Internet hat bei den Buchhändlern Spuren hinterlassen. „Vorherrschend ist tatsächlich ein Gefühl der Ohnmacht – und der Überlastung. 

Die Umsatzverluste in den letzten 15 Jahren konnten nur aufgefangen werden, indem wir Personal eingespart haben. Mit der Folge, dass wir selber immer stärker eingespannt waren. Wir haben seit Jahren permanent die Sechs- bis Sieben-Tage, zusammen mit unserem Geschäft in Bad Sassendorf, das auch sonntags geöffnet ist, bei nur wenigen Tagen Urlaub im Jahr“, sagt Heinz Rademacher. 

Er habe mit 67 Jahren längst das Rentenalter erreicht. Nun sei Zeit für mehr Freiraum, um anderen Interessen nachzugehen. Die Buchhandlung ist für das Paar immer die Leidenschaft für das Buch und die Literatur gewesen und ist weit mehr als nur „ein Job“. Almut Ellinghaus-Rademacher: „Nach langem Überlegen haben wir uns entschlossen, die Öffnungszeiten entschieden zu reduzieren und außer vor Weihnachten nur noch am Mittwoch und Samstag zu öffnen. Wir wollen unseren Kunden gerne die Möglichkeit bieten, weiter zu uns zu kommen und vertrauen darauf, dass sie bereit sind, sich darauf einzustellen.“ Das Geschäft in Bad Sassendorf ist von den veränderten Öffnungszeiten nicht betroffen. 

Das Paar signalisiert, dass das Geschäft nicht zwangsläufig aufgegeben werden muss: Es gebe durchaus Interessenten, die es möglicherweise weiterführen möchten. Heinz Rademacher: „So lange wollen wir aber nicht voll durcharbeiten. Alles ist offen.“ „Grundsätzlich habe ich den Eindruck,“ so bedauert die Buchhändlerin, „dass das Buch bei vielen nicht mehr die Wertschätzung genießt, die es einmal hatte. Man könnte auch sagen, die Geringschätzung von Büchern ist in manchen Kreisen nahezu gesellschaftsfähig geworden. 

Früher konnte man nur mit Hilfe von Büchern an Informationen gelangen. Was früher sehr arbeitsaufwändig sein konnte, ist heute oft in kürzester Zeit im Internet zu finden. Lexika, Nachschlagewerke oder Ratgeber sind kaum noch gefragt. Wer sich aber umfassender informieren oder seinen Blickwinkel erweitern möchte, muss auch heute zum Buch greifen“, erklärt Almut Ellinghaus-Rademacher. Nach einer Statistik des „Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ging die Zahl der Buchkäufer, die mindestens ein Buch im Jahr kaufen, von 36,9 Millionen im Jahr 2012 auf 29,9 Millionen im Jahr 2017 zurück. Nur wenige Leser wachsen. 

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