Leichte Sprache soll Zugang zum Jugendamt ebnen

+
Die neue Broschüre arbeitet auch mit Symbolen.

Soest - So schwierig die Situation ist, wenn eine Familie auseinanderbricht und das Wohl der Kinder auf der Strecke zu bleiben droht, so leicht hat das Soester Jugendamt solche Fälle und seine sonstige Arbeit jetzt in Worte gekleidet.

„Ein Heft in leichter Sprache“ heißt die neue Broschüre über das Jugendamt. Mit bewusst leicht verständlichen Sätzen und Begriffen und mit vielen Illustrationen soll es all denen helfen, die sich mit herkömmlichem Bürokrate- Sprech schwer tun oder womöglich gleich abschalten. Sätze wie diese mögen auf manchen vielleicht wenig banal klingen, aber sie sind es keineswegs: Was bedeutet es eigentlich, sich scheiden zu lassen? „Mutter und Vater wollen nicht mehr verheiratet sein. Ein Richter kann die Ehe beenden. 

Die Mitarbeiter (vom Jugendamt) sprechen auch mit den größeren Kinden und Jugendlichen. Sie überlegen gemeinsam: Welche Hilfe die Familie braucht. Damit Mutter und Vater auch nach einer Trennung noch für ihre Kinder da sind.“ „Wir schauen über den Deckelrand und sind zu der Frage kommen: Müssten wir ein solches Heft nicht anbieten?!“, sagt Meinhard Esser, der für Jugend und Soziales zuständige Abteilungsleiter im Soester Rathaus. Man habe sich Satz für Satz alter Broschüren und Texte vorgenommen, sie in leichtes Deutsch übersetzt und Fachleuten vorgelegt. 

Um das Lesen so angenehm wie möglich zu machen, sind zusammengesetzte Wörter bewusst getrennt worden: Jugend-Amt, Pflege-Familie, Unterhalts-Vorschuss. Brigitta Sliwa kümmert sich in der Stadtverwaltung um Bürgerbeteiligung und wird auch schon mal hinzugerufen, wenn es im Miteinander zwischen Bürgern und Bürokraten hakt. „Von sich aus würden die meisten , wenn sie etwas nicht verstehen, gar nicht zu uns kommen; das wäre ihnen womöglich recht peinlich.“ Das neue Heft sei deshalb zu begrüßen, weil es die Leute nicht in eine Holschuld bringe; diesmal habe die Verwaltung vorab geliefert. Das Jugendamts-Heft soll keine Eintagsfliege bleiben. „Wir überlegen, solche Hefte Schritt für Schritt auch für andere, publikumswirksame Bereiche herauszugeben“, sagt Esser. 

Vielleicht schon alsbald zum Thema Wahlen, das für viele auch ein Buch mit sieben Siegeln ist. Womöglich gehe der ein oder andere auch nur deshalb nicht wählen, weil er das Kleingedruckte auf der Wahlbenachrichtigung nicht kapiert. Esser kann sich auch vorstellen, mal die Bescheide zu durchforsten, die das Rathaus verschickt: Egal ob zur Hundesteuer oder zur Müllgebühr: Versteht das wirklich jeder, warum und wozu genau ihm da Geld abgeknöpft wird?! Bei Bereichen hingegen, die am Bürger komplett vorbeilaufen, müsse so viel ASufwand sicherlich nicht betrieben werden, findet der Abteilungsleiter: Ins Rechnungsprüfungsamt kommt nie ein Besuch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare