Ein Rückblick

Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg: Soester Norden im Visier der Bomber

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Viele Häuser in der Osthofenstraße wurden durch den Großangriff am 5. Dezember 1944 zerstört. 

Soest - Zurzeit werden im Soester Norden fast wöchentlich Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und von Fachleuten des Kampfmittelräumdienstes entschärft. Das veranlasst den Anzeiger, noch einmal einen genaueren Blick auf die Bombenangriffe auf Soest im Zweiten Weltkrieg zu werfen.

Dabei wird vor allem auf drei Bücher zurückgegriffen: Die „Soester Chronik 1942 bis 1948“, „Bomben auf Soest“, zusammengestellt von Gerhard Köhn, Hans Rudolf Hartungs „Soest im Krieg“ sowie „Soest im Fadenkreuz – Der Zweite Weltkrieg 1939 bis 1945 von der ersten bis zur letzten Bombe“. Während des zweiten Weltkriegs erlitt Soest insgesamt 32 Bombenangriffe, am Anfang griffen einzelne Flugzeuge an, die schweren Bombardements ereigneten sich zwischen Dezember 1944 und März 1945. 

Viele dieser Bombenangriffe hatten vor allem den Soester Bahnhof und den Verschiebebahnhof im Norden der Altstadt im Visier. Außerdem kam in den späteren Kriegsjahren eine Stellung schwerer Flakgeschütze am Weslarner Weg hinzu – sicherlich auch Ziel der Bomber. 

Erste Bomben im Mai 1940

Deshalb fielen um den Bahnhof und den Soester Norden sowie an Straßen wie Oestinghauser Landstraße, Hermannstraße oder Endloser Weg besonders viele Bomben. Und deshalb hat der Kampfmittelräumdienst zurzeit so viel im Soester Norden zu tun. 

Die ersten Bomben auf Soest fielen in der Nacht zum 26. Mai 1940. Um 1.30 Uhr nachts kreiste ein einzelnes Flugzeug über der Stadt und warf Leuchtbomben an Fallschirmen ab. 20 Minuten betrachtete der Pilot die hell erleuchtete Stadt und wirft sieben Sprengbomben ab. Eine davon trifft auch den Bahnkörper. 

Die Suche nach Bomben - wir haben nachgefragt

Bereits am 3. Juni 1940 erfolgt der zweite ähnliche Angriff zweier Flugzeuge auf Soest. Nach Leuchtbomben werden neun Sprengbomben auf die Stadt geworfen, neben dem Bahnhof treffen die Bomben aber auch Häuser in der Herenfridstraße und Meister-Conrad-Straße. Eine neunte Bombe wird bei Aufräumarbeiten gefunden, sie ist nicht explodiert. Soest hat seinen ersten „Blindgänger“

Detlef Märte (rechts) und Olaf Grebe von der Stadt Soest arbeiten auf Hochtouren: Bombenfunde auf dem Baugebiet Soest-Nord übersteigen das normale Maß deutlich.

75 Bomben aus einem Flugzeug

Viele von ihnen beschäftigen die Stadt noch heute, 75 Jahre später. Der dritte Angriff am 12. Juni 1940 ist der bislang heftigste. Ein einzelnes Flugzeug wirft exakt über der hell erleuchteten Innenstadt75 Brandbomben ab. In der Marktstraße brennen das „Haus zum Kuhfuß“ – die Metzgerei Husemeyer, in der Rosenstaße die Schreinerei Wilhelm Rohlfing

„Es sind die ersten Brandbomben, die im Zweiten Weltkrieg in eine deutsche Stadt fallen“, schreibt Hans Rudolf Hartung in „Soest im Fadenkreuz“. 

Und den Soestern wurde mit Schrecken bewusst, dass sie mehr oder weniger schutzlos sind: Keine Flak und keine deutsche Luftwaffe hat sie bislang vor diesen Angriffen schützen können. „Soest wird im Weltkrieg früher als die meisten deutschen Städte aus der Luft angegriffen. Die westdeutschen Großstädte haben um diese Zeit noch keine Bombe pfeifen gehört, von Klein- und Mittelstädten ganz zu schweigen“, schreibt Hartung.

Erstmals Todesopfer

Er stellt die Vermutung in den Raum, dass die Briten die Stadt Soest, die aus der Luft übersichtlich erscheint, als Probefläche diente, um die Wirkung von Leucht-, Splitter- und Brandbomben zu testen. 

Beim vierten Bombenangriff in der Nacht vom 18. auf den 19. Juni gab es erstmals zwei Tote zu beklagen: Der Bahnschaffner Franz Mintert, der Reisenden in die Luftschutzräume helfen wollte, sowie der Bahnarbeiter Georg Mettner. Nun erhält Soest vier Züge leichter Flak. 19 Wochen lang zwischen Mai und Oktober wird Soest zehn Mal aus der Luft angegriffen

Bis zum nächsten Angriff am 13. Juni 1941 haben die Soester ein halbes Jahr Ruhe, dann fällt drei Jahre lang keine einzige Bombe.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat Anfang Februar in Soest zwei 50-Kilogramm-Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft.

Die Bombenfunde der letzten Wochen

26.2. Drei Bomben entschärft - Granate am Abend abtransportiert

19.2. Vier 50-Kilo-Bomben im Soester Norden entschärft

11.2.: Dreifacher Bombenfund in Soest: Schnelle Entschärfung

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