Sabrina Rahtgens steht Rede und Antwort

Interview: Was soll da in den drei Blöcken im Belgischen Viertel entstehen?

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Altes bewahren, Neues schaffen: Das ist der selbst formulierte Anspruch der Entwickler für ihren Beitrag zum „Quartier im Quartier“.

Sie standen und stehen zwar unter Denkmalschutz, ihr Abriss war im Zuge der Entwicklung der ehemaligen Adamkaserne aber doch möglich. Jetzt sollen die großen Blöcke auf dem Gelände saniert werden. Drei von ihnen hat die „Armand Adam GmbH“ aus München erworben. Sabrina Rahtgens spricht über das Projekt.

Das Belgische Viertel ist seit einigen Monaten eine Großbaustelle, die ersten Bewohner sind schon in ihre Eigenheime eingezogen. Bei den denkmalgeschützten Blöcken sieht das ganz anders aus. Wie geht es bei ihnen voran? 

Stand heute sind wir kurz vor Einreichung unseres Bauantrages. In dieser Woche finden dazu mit der Verwaltung Abstimmungen statt. Neben Denkmalschutz-Themen geht es bei uns um die Bereitstellung eines „Grünen Parkhauses“, das wir nicht nur unseren eigenen Mietern zur Verfügung stellen, sondern allen Besuchern und Familien des Viertels. Wir möchten Klimaschutz, Lärmreduzierung und intelligente Mobilität für alle Anwohner realisieren. Durch Befragungen haben wir verstanden, dass die Leute im Grünen und ruhig wohnen möchten, mit der Option für gemeinsame Erlebnisse. Wir schaffen gesunden Wohn- und Lebensraum und planen dies auch außerhalb der Gebäude fortzuführen. Insofern wollen wir nicht die oberirdischen Stellplätze laut Bebauungsplan, sondern das zentrale Parkhaus, um möglichst viele grüne Flächen und damit grüne Freiräume zu schaffen.

Sie wollen mehr schaffen als ganz normale Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen. Was genau soll da in den drei Blöcken entstehen, die Ihre Gesellschaft erworben hat? 

Das Bauprojekt ist die Antwort auf eine ganz simple Frage: „Wie stellst du dir dein ideales Leben in der idealen Wohnumgebung in deiner Stadt vor - was ist dir wichtig?“ Unsere Vision ist ein Zusammenleben in einer digitalen Gesellschaft, die Technik nutzt, um soziale Freiräume zu schaffen. Wo und wie wir leben und arbeiten spielt dabei eine tragende Rolle. Es hat noch niemand auf unsere Frage geantwortet, dass er in erster Linie günstig wohnen will, egal wo und wie. Das hat nicht Priorität bei der Mehrheit der Leute, sondern die Lebensqualität steht im Vordergrund. Lebenszeit und wie und mit wem sie verbracht wird, das ist wichtig. Und na klar, bezahlbar muss es schon bleiben. Das berücksichtigen wir und erweitern deshalb das reine Wohnen zu einem kompletten Lebenspaket, in dem viele Bedürfnisse von Bewohnern bereits mit der Miete abgedeckt sind.

Denkmalgeschützte Gebäude und zukunftsgerichtetes Wohnen und Arbeiten – wie geht das zusammen? 

Indem man das Alte anerkennt, erhält und verbindet mit dem, was neu und stabil in die Zukunft wachsen kann, damit viele Menschen einer Gesellschaft etwas davon haben. Ein Beispiel: Wir setzen alles daran, so viel Bausubstanz wie möglich zu erhalten; die Gebäude werden durch ihre architektonische Besonderheit eine einzigartige Wohnqualität bieten. Dabei treffen wir beispielsweise auf das Thema Barrierefreiheit. Wir planen Außenaufzüge, die es durch ihre hervorragende Erreichbarkeit und Größe für alle Situationen – wie zum Beispiel Liegendtransporte – ermöglichen, bequem und einfach in die einzelnen Etagen des Wohnhauses zu kommen. Das erfordert beim Denkmalschutz eine gewisse Vorstellungskraft und Auslotungsbereitschaft innerhalb der eigenen Rahmenbedingungen. Denkmalschutz darf aus meiner Sicht nicht der Grund dafür sein, dass Menschen ausgeschlossen werden. Und mal ganz deutlich gesprochen: Ohne uns würde es diese Gebäude gar nicht mehr geben. Man hätte sie abgerissen, wie es bei Block 6 ja passiert ist.

Visionen sind gut und schön, sie zu verwirklichen erfordert aber auch viel Überzeugungsarbeit. Ist Soest bereit für Ihre Ideen? 

Definitiv, ja. Soest hat das Potenzial für dieses Leuchtturmprojekt. Inwieweit einzelne Akteure, auf deren Bereitschaft und Unterstützung wir angewiesen sind, ihre Energie zur Realisierung entsprechend kanalisieren oder unser Angebot zur Mithilfe annehmen, steht auf einem anderen Blatt.

Soest ist bekanntlich Digitale Modellkommune. Sehen Sie Potenziale für Ihr Projekt, die sich aus der zunehmenden Digitalisierung ergeben könnten und die ja vielleicht auch Vorbild sein könnten für andere Wohngebiete?

Ich sehe in unserem Projekt an vielen Stellen exakte Verbindungen zu dem, was eine Digitale Modellkommune ausmacht. Wir bauen hier ein komplettes Quartier im Quartier und haben dabei auch das Thema Digitalisierung durchdacht und bereits eingeplant. Beispielsweise dürfen sich unsere Mieter auf Smart- Home-Lösungen freuen. Salopp gesagt: Wir haben den roten Teppich für die Stadt ausgerollt, sie muss nur noch drüber gehen.

Kommen wir zurück zum Thema Zeit: Wenn wir im nächsten Jahr um diese Zeit miteinander reden wollen, werden wir das schon halbwegs komfortabel in einem der drei Blöcke tun können? 

Im Januar 2021 sind die Gebäude noch nicht fertig. Unsere Planung ist, bis Sommer 2021 das ehemalige Casinogebäude „B7“ bezugsbereit fertig zu stellen. Einige Baumaßnahmen werden parallel in den Gebäuden B4 und B5 passieren, sodass diese im Idealfall zügig im Anschluss bezugsbereit sind. Jetzt starten wir diesen Februar erst einmal mit der Gefahrstoffsanierung, und es kommt auch für Außenstehende sichtbare Bewegung in das Projekt.

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