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Blackout: Hier würde es in Soest Hilfe geben

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Von: Daniel Schröder

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Peter Wapelhorst, Dr. Eckhard Ruthemeyer und Christoph Blume stellten das „Leuchtturm-Konzept“ am Montag in der Soester Feuerwache vor.
Peter Wapelhorst, Dr. Eckhard Ruthemeyer und Christoph Blume stellten das „Leuchtturm-Konzept“ am Montag in der Soester Feuerwache vor. © Daniel Schröder

Wo würde es bei einem flächendeckenden Stromausfall in Soest Hilfe geben. Die Stadt hat ihr „Leuchtturmkonzept“ vorgestellt.

Soest – Bei einem flächendeckenden Stromausfall würden fast alle unkomplizierten Formen der Kommunikation innerhalb kurzer Zeit zusammenbrechen. Selbst das einfache Absetzen eines Notrufes würde zu einer Mammutaufgabe. Damit Hilfe in der Not überhaupt angefordert werden kann, wurde für die Stadt Soest – so wie in den anderen Kommunen des Kreises Soest auch – ein Netz an sogenannten „Leuchttürmen“ und Meldestellen vorgeplant. Es soll im Ernstfall schnellstmöglich aktiviert werden.

„Bei einem Blackout fallen viele alltäglich Dinge aus, die wir für selbstverständlich halten, die aber ohne Strom nicht funktionieren“, erklärte Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer am Montag in der Soester Feuerwache. Er erinnerte sich an ein „Schlüsselerlebnis“ bei der Kirmes im Jahr 2000, als es ebenfalls einen Stromausfall gab. „Die Praxis zeigt: Ein Stromausfall ist viel unberechenbarer als alles, was man sich vorstellen kann.“

Welche Konsequenzen hätte ein Blackout? „Nur mal 20 Minuten drüber nachdenken“

Sein Tipp: Man müsse nur einmal 20 Minuten darüber nachdenken, an welchen Stellen es überall Strom braucht, um sich die Ausmaße eines „Blackouts“ nur ansatzweise vorstellen zu können. „Telefon, Internet, Fernsehen, Kühlgeräte, Heizung, Bargeldversorgung per Bankautomat, Treibstoffversorgung an Tankstellen, Aufzüge und Kassen im Einzelhandel“, nannte er einige Beispiele.

Vergleich mit Münsterland und Ahrtal: Bei einem Blackout würde es keine Hilfe „von Außen“ geben

Doch während bei großen Stromausfällen in der Vergangenheit wie im Münsterland oder im Ahrtal Hilfe von „Außen“ – aus anderen Städten, Kreisen und Ländern – kommen konnte, gibt es dieses „Außen“ bei einem Blackout nicht, weil beispielsweise eine ganze Republik betroffen ist. „Deshalb ist es so wichtig, dass man für diesen unwahrscheinlichen, aber nicht unmöglichen Fall vorsorgt. Als Privathaushalt, aber eben auch wir als Kommune“, sagte Ruthemeyer.

Oberste Priorität bei der städtischen Vorsorge hat die Aufrechterhaltung des Brandschutzes und der Möglichkeit, Notrufe abzusetzen. Peter Wapelhorst, der als Erster Beigeordneter der Stadt der Leiter des Stabs für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) ist, erläuterte: „Wir besetzen im Notfall Anlaufstellen für die Bevölkerung, die im ganzen Stadtgebiet verteilt liegen.“ (siehe Infokasten). Leuchttürme und Anlaufstellen sind rund um die Uhr besetzt. „Dorthin können die Bürger kommen, um medizinische Notfälle zu melden oder Notrufe an die Feuerwehr und die Polizei abzusetzen.“ Christoph Blume, Leiter der Feuerwehr Soest, ergänzte: „Die Anlaufstellen werden mit Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Soest besetzt.“

Die Anlaufstellen sind mit Notstromaggregaten ausgerüstet und technisch in der Lage, die Notrufe an die Einsatzleitstelle des Kreises Soest weiterzugeben. „Von dort aus werden dann die notwendigen Einsatzkräfte losgeschickt.“ Außerdem wird es an diesen Standorten regelmäßig Informationen der Stadt über die aktuelle Entwicklung per Aushang geben.

„Leuchttürme“ und Meldestellen in Soest

„Leuchttürme“ und Meldestellen werden bei einem flächendeckenden Stromausfall bzw. bei einem Ausfall des Notrufes zeitnah mit Personal besetzt. An diesen Orten können Bürger Hilfe von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei anfordern. Maßnahmen der Ersten Hilfe und der Gefahrenabwehr können direkt eingeleitet werden. An „Leuchttürmen“ und Meldestellen gibt es keine Möglichkeiten zum Aufenthalt oder zur Strom- und Lebensmittelversorgung. Für diese Bereiche komme es vor allem auf die Vorsorge jedes Einzelnen und auf die Hilfe untereinander an.

„Leuchttürme“ und Meldestellen sind: Die Feuerwache Soest (Florianweg), die Feuerwehrhäuser in Ampen (Werler Landstraße), Deiringsen (Schützenstraße), Meckingsen (Am Schloßberg), Müllingsen (Bördenstraße), Ostönnen (Werler Landstraße), der Marktplatz, das Stadtteilhaus Soester Süden (Britischer Weg), der Bahnhof, die Christian-Rohlfs-Realschule (Paradieser Weg), die Evangelische Petrus-Kirche (Torschreiberweg), der Kindergarten am Wiesengraben (Anna-von-Fürstenberg-Weg), das Marienkrankenhaus (Widumgasse), das Klinikum (Senator-Schwartz-Ring).

Leuchttürme und Anlaufstellen für Blackout: „Lebensmittel und Aufwärmmöglichkeiten gibt es dort nicht“

Peter Wapelhorst betonte: „Die Anlaufstellen sind nur dazu eingerichtet, damit die Bevölkerung im Falle eines längeren Stromausfalls Notrufe absetzen kann. Lebensmittel, Aufwärmmöglichkeiten und Ähnliches gibt es dort nicht.“ Deshalb sei es umso wichtiger, dass sich jeder Haushalt selber auf dieses Szenario vorbereitet, unterstrich Bürgermeister Ruthemeyer. So könne jeder Bürger Schritt für Schritt Lebensmittelvorräte anlegen oder die Hausapotheke mit ausreichend Medikamenten füllen.

Diese Tipps seien keinesfalls Panikmache: „Notfall-Vorsorge ist nichts Neues, sie ist seit Ende des Kalten Krieges aber in unserer Gesellschaft nicht mehr für so wichtig gehalten worden“, so der Bürgermeister. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine mitten in Europa habe das geändert. „Wir müssen wieder ein Bewusstsein für solch ein Risiko entwickeln“, forderte Ruthemeyer.

Tipps für einen Notvorrat gibt es beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), beispielsweise auf seiner Website www.bbk.bund.de. Die Stadt Soest hat kompakte Infos auf der Website www.soest.de/krisenfall gebündelt. Neben der Eigenvorsorge sei auch die Solidarität in der Bevölkerung – beispielsweise unter Nachbarn – gefragt. Wichtig sei zudem, mit Familie und Bekannten über das Thema zu sprechen, um eine größtmögliche Sensibilisierung zu erreichen.

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