Vogelstimmen auf der Orgel

Birgit Wildeman lässt ältestes und jüngstes Instrument in Soest erstrahlen

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Birgit Wildeman spielte zuerst auf der ältesten Orgel der Welt in Ostönnen.

Soest - Auf der ältesten und der jüngsten Orgel in Soest spielte die renommierte Organistin Birgit Wildeman, die in Soest aufwuchs und Orgelunterricht bekam, aber heute auf der Nordseeinsel Föhr lebt. 

Augen zu: Ein früher, frischer Morgen im Arnsberger Wald, da zirbt die   die Meise, ruft der Stieglitz, schlägt der Fink. Es ist ein munteres Durch- und Miteinander von kurzen Melodien und langen Lauten, von hohen und tiefen Tönen, ein Rufen, Zwitschern und Tirilieren.

Augen auf: Die Vogelstimmen kommen von der Späth-Orgel in der Petrikirche. Birgit Wildeman spielt „Chants d’oiseaux“(Vogelgesänge) von Olivier Messiaen aus dem Jahr 1928. Das Werk stand zusammen mit „Le banquete céleste“ (Das himmlische Mahl), das Messiaen 24 Jahre später komponierte,  im Mittelpunkt von Birgit Wildemans Konzert am Sonntagabend in der Petrikirche. 

Die so konträren, doch eingängigen Werke trafen genau den Titel der einstündigen Orgelmusik: Passion et Printemps – Passion und Frühling.  Die Künstlerin hatte ein Programm zusammengestellt, das vom kleinen „Lockruf der Vögel“ des Barockmeisters Jean-Philippe Rameau bis zum pompösen Choral des Romantikers César Franck reichte, das immer wieder Bezüge zwischen den einzelnen Werken herstellte und das mehrfach Johann Sebastian Bach erklingen ließ. 

„Ohne Bach würde einfach was fehlen“, meinte Birgit Wildeman, als vorne im Altarraum einige Anmerkungen zu ihrem folgenden Konzert machte. Abgesehen davon, dass der Thomaskantor ohnehin unverzichtbar ist, stellten die Bach-Werke – die Fantasie g-Moll, das Choralvorspiel „Oh Mensch, bewein’ dein Sünde groß“ und das berühmte Präludium und Fuge a-Moll – den deutschen Part der Gegenüberstellung Deutschland – Frankreich, die das Konzert auch bot.

Dritter Aspekt dieses Orgelkonzerts: Birgit Wildeman wollte die Stärken der Späth-Orgel in der Petri-Kirche hörbar machen. Da blieb kein Register ungezogen. Routiniert, gleichwohl feinfühlig abgestimmt, brachte die erfahrene Organistin nahezu das gesamte Spektrum der Orgel zum Klingen. 

Das Späth-Instrument in der „Alde Kerk“, 2006 eingeweiht, ist das jüngste dieser Art in Soest. Birgit Wildeman hat es wohl noch nicht öffentlich bespielt. Die „älteste Orgel der Welt“ in der Andreaskirche aber wird ihr noch aus  der Zeit als Schülerin von Winfried Berger bekannt gewesen sein. Immer in Erinnerung geblieben

In Ostönnen konzertierte die 53-Jährige bereits am Samstag. Die Kirche war auch dort gut besucht. Birgit Wildemans Name hat immer noch einen guten Klang, obwohl sie schon vor Jahren zum Studium fortging und seit fast 25 Jahren auf Föhr lebt. Den Soestern ist die Organistin noch in bester Erinnerung. 

Die Möglichkeiten des einmanualigen Instruments in Ostönnen sind freilich deutlich begrenzter als die der Späth-Orgel. Doch Birgit Wildeman gelang es mit Literatur des Mittelalters (dem der berühmte Robertsbridge Codex stammt) und der Renaissance-Zeit ein lebhaftes Programm zu gestalten. Auch dort erklang „Le Rapell des Oiseaux“, der Lockruf der Vögel, von Jean-Philipp Rameau, allerdings als letztes Stück. Eine originelle Idee: Vogelstimmen verbanden an diesem Wochenende Ostönnen mit Soest, die Andreaskirche mit der Petrikirche.

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