Er bezahlte auf der Kirmes mit Falschgeld - Amtsgericht spricht Soester trotzdem frei

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Vor dem Amtsgericht fand sich jetzt ein junger Soester wieder, der auf der Kirmes mit einem "falschen Fuffziger" bezahlen wollte.

Soest – Einen „falschen Fuffziger“ untergejubelt zu bekommen, ohne es zu merken – das kann jedem passieren. Darum sprach das Schöffengericht beim Amtsgericht Soest den 26-jährigen Krankenpfleger vom Vorwurf frei, Falschgeld in betrügerischer Absicht in Umlauf gebracht zu haben – wenngleich letzte Zweifel blieben. 

Der junge Mann war am Kirmesfreitag mit seiner Freundin und deren Kind auf dem Rummel unterwegs gewesen. Als er am Musikexpress mit einem 50-Euro-Schein bezahlen wollte, wurde die Kassiererin stutzig. Der Frau, die tagtäglich mit Geld umgeht, kam der Schein seltsam vor. Als sie losging, um das Geld zu prüfen, wartete der junge Mann geduldig. Das Geld war falsch, und die Kassiererin kam mit der Polizei zurück. 

Vor den Beamten hatte der Mann offenbar angegeben, am gleichen Tag Bier am „Zwiebel“-Stand mit einem Hunderter bezahlt zu haben. Als Wechselgeld sei ihm das Falschgeld gegeben worden. Vor Gericht sagte er, dieser Vorfall sei tags zuvor passiert. „Pferdemarkt eben!“ 

Der Widerspruch konnte nicht aufgehoben werden, obwohl als Zeuge unter anderem der Betreiber des „Zwiebel“-Standes aussagte. Er war sicher, dass am Kirmesfreitag kein Bediensteter an seinem Stand einen 100-Euro-Schein angenommen und einen 50er herausgegeben hatte. 

Das Falschgeld sei erstklassig gemacht, bestätigte ein Fachmann in seinem Gutachten. Und als Staatsanwältin, Schöffen, Richter und Verteidiger den „falschen Fuffziger“ in Augenschein genommen hatten, waren sie sich einig: „Bei 0,2 Promille erkennt man nicht mehr, ob das Falschgeld ist oder nicht“. 

Der junge Mann wurde daher freigesprochen, obwohl wegen des zeitlichen Widerspruchs Zweifel blieben. Für ihn sprach aber, dass er am „Musikexpress“ gewartet hatte. Die Staatsanwältin sagte: „Wenn er wusste, dass es sich um Falschgeld handelte, hätte er problemlos in der Menge untertauchen können. Den hätte niemand wiedergefunden.“

So erkennt man "falsche Fuffziger" und ihre Verwandten

„Fühlen, sehen, kippen“, empfiehlt Thomas Schnabel von der Sparkasse Soest-Werl demjenigen, der fürchtet, an Falschgeld geraten zu sein. Das Spezialpapier und die Reliefs auf Banknoten kann man fühlen. Hält man einen Schein gegen das Licht, sind das Wasserzeichen und der Sicherheitsfaden zu erkenn. Und beim Kippen zeigen sich Hologrammstreifen und Motive, die sich ändern. Und dann, was ist zu tun, wenn sich der Schein als Falschgeld erweist? „Die Polizei ist in solchen Fällen immer die erste Adresse“, sagt Polizeisprecher Holger Rehbock. Die Beamten sind zuständig für die Strafverfolgung. Sie stellen die Seriennummer und die Verbreitung der „Falsifikationen“ fest, wie es im Amtsdeutsch heißt. 

Schon 23 Mal musste sich die Soester Kreispolizei dieses Jahr mit Falschgeldfällen auseinandersetzen. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2019 waren es elf Fälle. Bei der Sparkasse Soest-Werl laufen weniger als zehn Scheine im Jahr auf. Auf keinen Fall darf man Falschgeld weiter benutzen und damit bezahlen. Wer das tut, macht sich selber strafbar und kann schnell vor Gericht landen. Richtig ärgerlich: Das Falschgeld wird nirgendwo gegen Echtgeld eingetauscht. Ein „falscher Fuffziger“ lässt sich notfalls verschmerzen, bei einem falschen Fünfhunderter sieht das schon anders aus. Darum empfiehlt es sich, Banknoten zu überprüfen und sich nicht in Eile und Hektik etwas „andrehen“ zu lassen.

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