Zu Besuch bei Wolfgang und Ingrid Ehlers

Was bedeutet Heimat? Gespräch am Kaffeetisch

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Was ist Heimat? Eine Frage, die bei jetzt in einer Geburtstagsrunde bei Familie Ehlers zur Sprache kam. Robert Hamilton, Ingrid und Wolfgang Ehlers, Günter und Waltraud Kock, Thea Schmarsow, Margot Nierebinski und Waltraud Hamilton erzählten. Auf dem Foto sind auch Paul und Benedikt zu sehen, die beiden Enkelkinder der Hamiltons.

Soest - Was ist Heimat? Eine Frage, die jeder in der internationalen Freundesrunde, die sich jetzt bei Familie Ehlers traf, auf eigene Weise beantwortet.  

Wolfgang Ehlers stellt sich als gelernter – und rundum begeisterter Soester vor. Ehefrau Ingrid, die wie ihr Mann viel in der Welt herumkommt, sagt: „Wenn wir unterwegs in Europa oder sonst wo sind, gibt es dort auch Orte die mir gefallen und wo ich mich wohlfühlen könnte. Aber wenn wir wieder nach Hause kommen, die vertraute Umgebung sehen, die Börde, die Weite und die Soester Türme, dann denke oder fühle ich: Ja, so ist meine Heimat – mit allen Macken und Mucken!“ 

Erzählen die Freunde, die mit am Tisch sitzen, woher sie kommen, wohin sie gingen und was sie alle mit Soest verbindet, könnten sie leicht ein Buch voll mit spannenden Geschichten füllen.

Das Ehepaar Ehlers geht häufig auf Reisen und besucht unterwegs immer wieder Freunde, die wie sie Hanseaten sind oder Partner im Rahmen Soester Städtefreundschaften. 

Oft laden sie zu sich ein und drücken gastfreundlich aus, was bei wohl allen Begegnungen auf Märkten und Festen zur Sprache kommt: Wer seid ihr? Woher kommt ihr? 

Und egal, ob es sich um Familie oder Freunde handelt: „Sind sie in Soest“, so der aus dem Harz gebürtige Wolfgang Ehlers, „treffen wir uns in unserem Zuhause am Aldegreverwall. Wir zeigen und erklären ihnen stolz unsere Stadt. Wir fahren auf die Haar, besteigen den Bismarckturm und zeigen ihnen unsere Börde. Wir zeigen ihnen auch unseren Lieblingsplatz: am Bohnenpfad zwischen Autobahn und Luisenhof mit dem schönsten Blick auf unsere Soester Türme.“

Ehlers berichtet von Kontakten, die er knüpfte, als er durch seinen Militärdienst vor fast 50 Jahren nach Soest zog, unter anderem mit einem Belgier und einen Schotten, die hier stationiert waren. 

Oft sei es in den Gesprächen darum gegangen, wo man sich heimisch fühlt. Der Soester: „Wir haben gemeinsam alle unsere Geburtsorte besucht und uns gegenseitig unsere Wohnorte gezeigt, unsere Orte der Jugend und die dazugehörige Umgebung.“ War das aus heutiger Sicht ein Vorstellen der Heimat oder des Zuhauses?

Robert Hamilton

Robert Hamilton erzählt: „Heimat ist für mich Schottland. Ja ich bin Schotte, und wir sind bekannt als ein Wandervolk. Heimat – die Bäche und Flüsse, in denen wir spielten. Die Berge, wo man tagelang wandern konnte. Der Duft aus der Küche wenn meine Mutter backte. Der Klang des Dudelsacks aus der Ferne oder die Vielfalt herrlicher schottischer Dialekte. 

Heimat für mich ist Edinburgh. Da habe ich gelebt, und da war ich zuhause. Ich habe viele schöne Erinnerungen aus der Zeit. Zum Beispiel: Wenn die Familie und die Verwandten zusammenkamen, das war sehr gesellig. Wir erzählten viel und sangen sehr viel. Jeder sang, ob gut oder nicht so gut, mal solo, mal zusammen. Heimat – ist auch Hogmanay (auf Deutsch: Silvester). Das war der größte Feiertag in Schottland. Wo nach Mitternacht praktisch die ganze Stadt unterwegs war um Nachbarn, Freunde oder auch Unbekannten ein ,Happy New Year’ zu wünschen. Wo Licht brannte, klopfte man an und war immer willkommen. Ja, das ist meine Heimat. Mit 18 Jahren ging ich zum Militär, und da habe ich meine erste Reise ins Ausland erlebt... nach England, zur Grundausbildung. Ja, England ist für mich Ausland! 

Während meiner gesamten Dienstzeit war ich an vielen Orten der Welt stationiert. Aber in Soest. Acht Jahre vor dem Ende meiner Dienstzeit, habe ich einen deutschen Soldaten kennengelernt, der unser Leben ändern würde. Mit ihm und zwei anderen Soldaten baute sich eine Freundschaft auf, die bis heute standfest ist und die wir, meine Frau und ich, sehr schätzen. Sie hat es möglich gemacht, dass wir trotz einer Versetzung nach England den guten Kontakt zu Soest behielten. 

Darum entschieden wir uns nach der Militärzeit in Soest zu leben und haben es nie bereut. Soest ist eine wunderbare Stadt. Wenn wir nach einem Urlaub von der Autobahn ab und in Richtung Soest fahren: Nichts sagt uns deutlicher, dass wir zuhause sind, als die auftauchenden Kirchtürme von Soest. 

Trotzdem bleibt Schottland meine Heimat. Wenn wir mit Freunden zusammensitzen, wird manches Mal über frühere Zeiten gesprochen. Da vermisse ich jemanden aus meinem Heimatland, mit dem ich Erinnerungen an Umstände und Situationen austauschen könnte. Ja, das vermisse ich. Hier in Soest bin ich zuhause, und könnte mir nicht vorstellen ein besseres Zuhause zu haben, aber Heimat bleibt Heimat."

Waltraud Hamilton

Waltraud Hamilton sagt: „Heimat! Wenn ich das Wort Heimat höre und es einen Moment in mir nachklingen lasse, wird es mir warm ums Herz. Heimat, das ist für mich der Ort, wo ich geboren bin, wo ich mit meiner Familie sowie Tanten, Onkeln, Cousinen und Cousins meine Kindheit und meine Jugend verbracht habe. 

Heimat, dieser Begriff ist mehr als nur ein Wort. Er weckt so viele positive Gefühle in mir! Vorrangig Gefühle wie Wärme, Geborgenheit Sicherheit. Heimat, das ist für mich die Lüneburger Heide mit ihrem lila Blütenteppich, mit Wacholder und Ginsterbüschen – die hölzernen Pferdeköpfe an den Dachgiebeln vieler Bauernhäuser, der Dichter Hermann Löns, die plattdeutsche oder ganz normale norddeutsche Mundart. Seit Jahrzehnten fahre ich nur noch zu Besuch in meine alte Heimat in Niedersachsen. 

Denn in der schönen Stadt Soest habe ich mein Zuhause gefunden. „Ein Stück Identität“ Mein Mann und ich fühlen uns hier wohl und sind glücklich und zufrieden. Unsere Kinder leben längst in anderen Regionen. Ihre Heimat ist Soest. Heimat ist da, wo ich Wurzeln entwickelt habe. Niemand kann sie herausziehen oder kappen. Sie bleiben ein Leben lang. Jeder Mensch braucht eine Heimat. Sie ist ein Stück Identität.“

Waltraud und Günter Kock

„Was bedeutet Heimat?“, dieses Thema kam in der Geburtstagsrunde bei Wolfgang Ehlers zur Sprache und Diskussion. Bei den Gesprächen stellten Waltraud und Günter Kock fest, dass sie die Einzigen in der Runde sind, die in der Soester Börde geboren und aufgewachsen sind. 

Sie schreiben: „In Deiringsen und Meiningsen gingen wir zur Schule und verbrachten dort unsere Kinder- und Jugendzeit. Auch beruflich waren wir in Soest bei der Post und bei der Telekom tätig. „Hier sind wir zufrieden“ Seit unserer Heirat leben wir in der Niederbörde im schönen Dorf Hattrop. Hier sind wir sesshaft geworden, hier sind unsere drei Kinder aufgewachsen, und auch sie leben alle in der Soester Börde. Hier ist unsere Heimat! Hier sind wir zufrieden! Hier sind wir zu Hause!“

Sylvester Nierebinski

Heimat, was ist das? Sylvester Nierebinski antwortet: „Das Wort Heimat hat sicherlich bei mir, und auch bei meiner Frau, eine besondere Bedeutung. Wenn man, so wie wir, die Hälfte (bis jetzt) des Lebens in einem anderem Land verbracht hat, in vielen Orten gewohnt hat, ist die Antwort nicht so einfach. Ist Heimat ein Haus, ein Ort, ein Land? Muss das Zuhause in der Heimat liegen? Für mich gilt: Heimat braucht keine Definition, weil sie kein Begriff ist; sie ist ein Gefühl. 

Ich fühle Heimat – das ist für mich ein großer Satz. Und das Gefühl ist subjektiv, es ist privat wie intim, individuell ist es auch. Mein Gefühl sagt mir: Das ist meine Heimat. Jede andere Interpretation wirft bei mir jede Menge Fragen auf, die ich nicht beantworten kann. 

Ich wundere mich immer, wie oft und bei sehr vielen Gelegenheiten das Wort Heimat benutzt wird. Heimatmuseum – sicherlich schön und gut, aber für wen gedacht und wird dort tatsächlich die Heimat präsentiert? Oder Heimatministerium, das heißt Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat. Es wäre vielleicht eine spannende Frage, was Herr Seehofer hier meint: Bau und Heimat. Und gibt es auch so was wie Wahlheimat? 

Ein berühmtes Beispiel ist Wladimir Klitschko (ehem. Box- Weltmeister), er sagte früher: Ukraine ist meine Heimat (wurde dort nicht geboren, sondern in Kasachstan, damals UDSSR). Dann auf einmal hieß es ,seine Wahlheimat’ Hamburg, jetzt lebt er seit Jahren in USA und fühlt sich dort wohl. Wo ist denn seine Heimat? Also vielleicht ist Heimat doch kein Begriff, sondern sie ist ein Gefühl. Ich habe mir Folgendes eingebildet, wie man kurz die Heimat definieren könnte: Wenn ich irgendwo auf der Welt bin und etwas sehe oder erlebe, kommt fast automatisch ein Vergleich: Oh, das ist schöner/schlechter/anders ... als bei UNS! Und das, was man unter UNS in dem Moment versteht und fühlt, könnte die Heimat sein.“

Thea Schmarsow

Thea Schmarsow fasst sich kurz: „In Westrich geboren und seit 1956 immer in Soest wohnend, ist Soest erst ab 1964 meine Heimat geworden. 1964 bin ich mit meiner Familie ins eigene Haus gezogen und aus ,zuhause’ ist über die Zeit Soest auch meine Heimat geworden und bis heute geblieben.“

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