Das belgische Museum in Soest packt ein: Nach anfänglichem Frust herrscht nun Freude

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Nur die Männer in Zivil sind echt; Klaus Wehmeyer und Burkhardt Schnettler zwischen den Puppen mit den Original-Uniformen, wie sie einst die belgischen Soldaten in Soest trugen. Jetzt wird alles eingepackt.

Soest  - Mehr als 40 Jahre ist das belgische Museum in Soest Stück für Stück gewachsen. Die von Burkhard Schnettler zusammengetragene Sammlung von Uniformen, Ausrüstung, Büchern und Dokumenten umfasst heute an die 15 000 Exponate. Jetzt müssen über tausend große Umzugskartons her, um alles einzupacken.

Denn die Tage des belgischen Museums im Block 3 der Adamkaserne sind gezählt. Der dreigeschossige, unter Denkmalschutz stehende Kasten wird von Grund auf saniert und zu Sozialwohnungen umgebaut. Das belgische Museum und die Geschichtswerkstatt Französische Kapelle sollen zusammenrücken und unterm Dach über den Wohnungen eine neue gemeinsame Ausstellung an den Start bringen. Voraussichtlich 2020.

 „Wie vor den Kopf gestoßen“ fühlte sich Schnettler, als er im vergangenen Jahr zum ersten Mal hörte, dass die Uhr für sein Museum in heutiger Form abläuft. „Ich war ganz unten und fragte mich: Soll das denn alles umsonst gewesen sein?!“ 

Heute spricht der 63-Jährige von „großer Freude“, mit der er an den Umzug und den Aufbau eines neuen Museums herangehe. Denn nicht zuletzt mit Hilfe der Bürgerstiftung Hellweg ergeben sich nun völlig neue Perspektiven. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat ein Konzept entwickelt, wie Schnettlers Sammlung und die Exponate aus der Französischen Kapelle samt der einzigartigen Wandmalereien der französischen Offiziere, die hier im Block während des Kriegs gefangen gehalten wurden, zu einer gemeinsamen, noch vielfältigeren Schau zusammengefügt werden können.

 „Mit diesem Konzept, diesen Teil der Soester Stadtgeschichte zu präsentieren, rennen wir gerade überall offene Türen ein“, erläutert Klaus Wehmeyer von der Bürgerstiftung. Die Türen stehen sogar im entfernten Vogelsang in der Eifel weit offen. 

Hier, wo sich die belgischen Soldaten auf dem großen Truppenübungsplatz einst verfrorene Hände und Blasen an den Füßen geholt haben, steht bereits ein NS-Dokumentationszentrum. Die Macher dort haben sich inzwischen im Soester Museum umgesehen und waren gleich doppelt begeistert: Von der Super-Sammlung, die ihresgleichen sucht, und von der Aussicht, Teile davon nach Vogelsang mitnehmen zu dürfen. 

Großes Interesse gerade an den zahlreichen Dokumenten – Briefe, Urlaubsscheine, ja sogar das minutiöse Protokoll vom Besuch des belgischen Königs vor 40 Jahren bei seinen Truppen in Soest – zeigt gerade auch die Wissenschaft, berichtet Schnettler. Er gewährt gern Blicke in seine Schätze und fühlt sich geehrt, dass all die Sammelei nicht nur ein Fimmel von ihm war. 

Fürs Erste aber haben er und seine Helfer jetzt jede Menge Arbeit. In wenigen Tagen beginnt das große Einpacken. Alles muss in Kisten und Kartons fein verstaut werden. Weil das Museum längst bei den Profis des Landschaftsverbands einen exzellenten Ruf genießt, bekommt Schnettler sogar einen gestandenen Historiker an die Seite gestellt, der beim Packen, vor allem aber beim Inventarisieren hilft. 

Am Ende wird es zu jeder Jacke, zu jedem Helm, zu jedem Schriftstück ein Foto und eine Nummer geben. Wenn also das prächtige Portrait von König Baudouin und Königin Fabiola, das heute noch in der Bar unten im Keller des Blocks 3 hängt, gesucht wird, genügt der Blick in die Doku-Liste, in welchem der über tausend Kartons das Konterfei der Monarchen abgelegt ist.

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