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Beim Bäcker nur mit Karte zahlen? Debatte über Bargeld entfacht - Diskutieren Sie mit!

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Auch das gibt es noch: Bei der Bäckerei Borghoff am Hattroper Weg kann man seine Brötchen nur mit Bargeld bezahlen.
Auch das gibt es noch: Bei der Bäckerei Borghoff am Hattroper Weg kann man seine Brötchen nur mit Bargeld bezahlen. © Peter Dahm

In so mancher Diskussion sorgt das Thema „Bargeldloses Zahlen“ für ordentlich Zündstoff. Doch werden auch in der Börde künftig nur noch EC-Karten und Handys anstelle von Münzen und Geldscheinen über die Theke wandern?

Soest - In der Brotmanufaktur „Herr von Myra“ wurde zumindest darüber nachgedacht. Um Kunden in diese Entscheidung mit einzubeziehen, starteten die Mitarbeiter einen Facebook-Aufruf, in dem sie das Vorhaben kommunizierten, Bargeld nur noch bis Dezember annehmen zu wollen. Als Gründe dafür gaben sie die Hygieneregeln an, die damit besser einzuhalten seien, sowie die Tatsache, dass die Kunden schneller bedient werden könnten. Außerdem sei der Anteil an Kunden, die ohnehin bargeldlos bezahlen, durch die Pandemie deutlich größer geworden.

Mit dem, was bei der Umfrage rauskam, hatten sie jedoch nicht gerechnet. Etliche Nutzer reagierten in den sozialen Medien mit einem vehementen „Nein“. Das Hauptargument: Nicht jeder besitze ein Handy und ältere Menschen kämen mit dieser Art der Zahlung nicht klar.

Beim Bäcker nur mit Karten zahlen? Kunden diskutieren über Bargeld

Andere Kunden äußerten sich allerdings auch positiv und unterstützten den Vorschlag der Brotmanufaktur. Nur zwei Tage und viele negative Kommentare später, gab die Bäckerei dann auf Facebook bekannt, das Zahlen mit Bargeld zu erhalten. Die Begründung dafür war, dass man „niemanden ausschließen“ wolle.

In der Mensa der Fachhochschule sieht es dagegen anders aus. Seitdem sie vor einigen Tagen nach langer Corona-Pause wieder öffnete, sind ausschließlich elektronische Zahlungsmethoden zugelassen. Als Hauptgrund gibt Leiter Jörg Müller ebenfalls die Hygiene an. Ihm zufolge sei auch die Gelegenheit günstig, jetzt damit anzufangen, da Viele durch die Pandemie sowieso daran gewöhnt seien. Das Feedback der Kunden sei positiv – ein Shitstorm blieb aus. „Die Studenten bezahlen sowieso automatisch fast alle mit dem Handy, manche auch mit ihrer Studentenkarte“, sagt Kassiererin Babara Ilik. Gerade für ältere Menschen sei es aber eine Umstellung gewesen. „Trotzdem geht hier niemand hungrig nach Hause“, stellt Jörg Müller klar. Eine Alternative lasse sich immer finden.

Auch für Karsten Nüsken, Vorstandsmitglied im Verein Soester Wirtschaft (VSW) und Betreiber einiger Supermärkte, ist das bargeldlose Zahlen ein Thema. Obwohl schon die Hälfte aller Kunden ohne Bargeld bezahlen würde, sei dies kein Grund, in naher Zukunft komplett auf Bargeld zu verzichten. „Wir wollen keinen Kunden vor den Kopf stoßen“, erklärt der Supermarktinhaber.

Vorteile bei der elektronischen Zahlung sieht Nüsken bei den Beschaffungskosten des Wechselgeldes: „Es kostet immer Gebühren, eine Rolle von zum Beispiel 50-Cent-Münzen zu kaufen.“ Außerdem gehe die Bezahlung per Karte oder Handy wesentlich schneller, weshalb sich auch die Wartezeiten für die Kunden deutlich verkürzen würden. Text: Pia Böckendorf

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