Totschlag-Prozess: Nebenklage verliert Vertrauen in Richter

SOEST - Der Prozess gegen Kayahan B. ist zweimal geplatzt und nun wurde auch noch der Haftbefehl gegen den 18-Jährigen aufgehoben. Die Eltern des Opfers und ihr Anwalt haben das Vertrauen in den Richter verloren. So haben sie heute reagiert:

Die 6. Große Strafkammer des Arnsberger Landgerichtes steht wegen ihrer Prozessführung im Verfahren gegen den Soester Kayahan B. im Kreuzfeuer öffentlicher Kritik: Zweimal platzte der Prozess bereits, dann wurde der Haftbefehl gegen den des Totschlags beschuldigten jungen Mann am Mittwoch aufgehoben. Für den Anwalt der Eltern des Opfers Tim K. ist das Maß voll, er reichte gestern einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden der Kammer, Dr. Detlef Mehlich, ein.

„Wir haben das Vertrauen in Richter Mehlich verloren“, erklärte Klaus Picker, der die Eltern als Nebenkläger in dem Verfahren vertritt, gestern gegenüber dem Anzeiger. Die Kammer trage die Verantwortung dafür, dass der Prozess bereits zweimal geplatzt sei.

Außerdem, so Picker, sei er „entsetzt“ über Teile der Begründung, mit der die Kammer die Entlassung von B. aus der Untersuchungshaft verfügt hatte. So sei es „überhaupt nicht nachvollziehbar“, dass die Kammer als Ergebnis der bisherigen Beweisaufnahme einen Tötungsvorsatz anzweifele und den Tatbestand einer Körperverletzung mit Todesfolge nicht ausschließen könne.

Angesichts der Tatsache, dass der Angeklagte seinem Opfer einen Stich ins Herz zugefügt habe, müsse, so Picker, zumindest davon ausgegangen werden, dass B. den Tod von Tim K. „billigend in Kauf genommen“ habe – bedeutsam unter anderem bei der Bewertung der „Schwere der Tat“ und dem drohenden Strafmaß im Falle einer Verurteilung. 

Über den Befangenheitsantrag gegen ihren Vorsitzenden wird die 6. Große Strafkammer, so erklärte gestern eine Sprecherin des Landgerichtes, unmittelbar vor dem geplanten Beginn des dritten Verfahrens gegen Kayahan B. am 30. September entscheiden.

Über die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Aufhebung des Haftbefehls hat das Oberlandesgericht in Hamm noch nicht entschieden. - kim

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