Ideen gegen die Krise

Tanzen trotz Corona: Ballett-Schüler lernen neue Schritte per Video

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Tanzstunden für zu Hause: Monika Bochmann-Schmitz, Inhaberin der Ballettschule Cardiano, dreht Videos und schickt sie ihren Schülerinnen per E-Mail.

Leer gefegte Säle, keine Musik, Tanzlehrer, die ihr Wissen nicht weitergeben können: Die Corona-Krise trifft auch Tanzschulen hart.

Soest - Dort, wo Kinder, Jugendliche und Erwachsene hingehen, um in Gemeinschaft etwas zu lernen und Spaß zu haben, herrscht jetzt Leere. Natürlich befürworten die Inhaber die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus („Gesundheit hat Priorität“), sorgen sich aber gleichzeitig um ihre Existenz. Als Anfang des Jahres immer mehr Corona-Patienten in China gemeldet wurden, war für Monika Bochmann-Schmitz, Inhaberin der Soester Ballettschule Cardiano, eigentlich schnell klar, dass die Krankheit auch nach Deutschland kommen würde.

 „Schon damals habe ich mir erste Gedanken darüber gemacht, wie das meine Ballettschule betreffen könnte“, erzählt die Tanzpädagogin. Insofern traf sie der Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums vom 17. März, alle Sport- und Freizeiteinrichtungen zunächst bis zum 19. April zu schließen, nicht ganz unvorbereitet: „Trotzdem war es ein Schock, und ich habe mich dann schon gefragt, wie soll es weitergehen, was mache ich jetzt, wie kann ich meinen Kunden weiterhin etwas anbieten?“ Wie gut, dass es das Internet gibt. Denn darüber funktioniert der Austausch trotz verhängter Kontaktsperre.

Coronavirus im Kreis Soest: Clips für jede Altersstufe

Inzwischen hat Monika Bochmann-Schmitz mit Unterstützung ihrer Familie schon erste Videos gedreht und ihren rund 170 Schülerinnen per E-Mail geschickt, damit die auch zu Hause in Bewegung bleiben und weiter ihre Pliés, Changements und Jazztanz-Schritte üben können. Weitere dieser Clips werden folgen - individuell für jede Altersstufe. 

Ihren Gymnastikgruppen hat die Soesterin Trainingspläne geschickt und arbeitet gerade noch daran, Live-Stunden per Skype anzubieten: „Dann kann ich meine Teilnehmerinnen sehen und sie gegebenenfalls auch korrigieren.“ Gerne möchte die Tanzpädagogin die ausgefallenen Stunden irgendwann nachholen, vielleicht in den Herbstferien. „Denn immerhin sind wir in diesem Jahr mit der großen Ballett-Aufführung am ersten Advent in der Stadthalle dran. Wenn das klappen soll, müssen wir alle viel nacharbeiten.“ 

Mal abgesehen davon, dass sie ihre Schülerinnen und den Unterricht schmerzlich vermisst, macht sich Monika Bochmann-Schmitz aber auch Gedanken darüber, welche wirtschaftlichen Folgen die Krise haben wird. Denn klar ist, dass alle ihre Kosten wie beispielsweise Miete und Krankenversicherung weiterlaufen und sie schon Kündigungen wegen der Corona-Krise auf dem Schreibtisch liegen hat. „Natürlich hoffe ich auf Solidarität. Denn wer möchte, dass es die Ballettschule nach der Krise noch gibt, der sollte mir jetzt helfen“, sagt die Soesterin.

Coronavirus im Kreis Soest: Kunden sind solidarisch

Steffi Feldmann, Inhaberin des Soester Ballettstudios an der Nötten-Brüder-Wallstraße, weiß, dass sie als Unternehmerin nun flexibel sein muss, weil es einfach keine Planungssicherheit gibt: Darf sie nach den Osterferien ihre Schule wieder öffnen oder dauert die Zwangspause noch länger? „Mir ist bewusst, dass ich mit weiteren Einschränkungen und Fristen rechnen muss. Und diese Ungewissheit ist schon ein mulmiges Gefühl“, sagt sie und ist froh, dass viele ihrer Kunden ihre Solidarität signalisiert haben. „Einige haben mir sogar angeboten, ausgefallene Stunden zu bezahlen, ohne dass wir sie nachholen“, so Steffi Feldmann. 

Dennoch plant sie, das Versäumte durch Nachholstunden und Gutscheine auszugleichen. Aus der Not heraus hat sie außerdem das so genannte E-Dancing entwickelt, denn viele ihrer Kunden möchten sich unbedingt in den eigenen vier Wänden fit halten. Wöchentlich verschickt die Tanzpädagogin nun Trainingspläne für alle diejenigen, die mit den Übungen schon vertraut sind. 

Darüber freuen sich auch die Frauen und Männer, die sonst die Pilates-Kurse im Soester Ballettstudio als Präventionsangebot wahrnehmen. Für sie ist es wichtig, weiterhin in Bewegung zu bleiben, um körperlichen Beschwerden vorzubeugen. „Doch was allen fehlt, ist natürlich der große Ballettsaal und die Interaktion. Denn ein persönlicher Kontakt lässt sich nicht digitalisieren.“ Grundsätzlich findet die Soesterin wichtig und absolut notwendig, dass es den „Rettungsschirm“ des Landes in dieser Krise mit finanziellen Fördermöglichkeiten gibt.

Coronavirus im Kreis Soest: Freiberufler noch stärker betroffen

 „Ob tatsächlich alle Unternehmen – insbesondere Kulturschaffende – davon profitieren werden, bleibt abzuwarten. Ich denke dabei insbesondere auch an meine Kollegen, die freiberuflich als Tänzer oder Tanzpädagogen tätig sind und deren Existenz noch stärker bedroht ist. Ich selbst kenne diese Situation, weil ich vor der Übernahme des Soester Ballettstudios freiberuflich an verschiedenen Ballettschulen und in Vereinen gearbeitet habe“, sagt Steffi Feldmann und betont, dass vorrangig die Gewerbetreibenden vom „Rettungsschirm“ profitieren sollten, deren Existenz besonders stark gefährdet ist.

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