Klimaziele

Zukunftsbild für Soest: Mehr Grün und die Autos sollen vor den Stadtmauern bleiben

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Eine konkrete Vision für Soest im Jahr 2030 stellten (von links) Joachim Drüke, Sabine Schumacher, Lena Loerbroks, Roland Loerbroks, Bernd Ellersiek, Andreas Scheffer und Martin Reil vor.

Die Gruppe „So Lebenswert“ stellt ihre Ideen für die Zukunft Soests vor. Fest steht, dass gewaltige Aufgaben auf die Soester zukommen.

Soest – Aufgeheizte Innenstadt, Verkehrswende, Klimaneutralität bis 2030, grüne Rückzugsorte für Mensch und Natur: Schon beim Blick auf die Stichworte zu den Soester Herausforderungen wird vielen Bürgern schwindelig. Aber nicht allen. Neun Menschen haben einen kühlen Kopf bewahrt – und während der letzten neun Monate intensiv an einem Zukunftskonzept gearbeitet. Ihre Vision für Soest legte die Gruppe „So Lebenswert 2030“ jetzt vor. 

„Soest atmet auf!“, „Soest steigt um!“, „Soest erholt sich!“ - unter diese drei Überschriften stellt sie ihr Zukunftsbild einer Stadt, in der in einer abgekühlten Innenstadt die Verkehrswende so gelungen ist, dass die Menschen gerne nach Soest kommen – und genauso gerne zum neu angelegten Grüngürtel radeln, der rund um die Stadt zum Baden, Spielen und Naturerleben einlädt.

Mehr Bäume, mehr Wasser

 „Soest hat großes Potenzial“, sagt Sabine Schumacher (BUND) am Donnerstagabend während der Eröffnung einer Präsentation für die Stadtverwaltung und die Ratsfraktionen im „Alten Schlachthof“. „Wir haben versucht, das Stückwerk zu beenden und alle Ideen in ein Konzept zu packen“, ergänzt Roland Loerbroks (ABU). Und schon geht es los. Andreas Scheffer (Informatiker) erzählt, wie er im letzten Sommer mit einem Barfußexperiment die heißesten Stellen der Stadt selbst hautnah erfahren hat. „Wir müssen die Stadt natürlich herunterkühlen“, sagt er. Und stellt unter der Überschrift „Soest atmet auf!“ Ideen vor, die bis ins Detail ausgearbeitet sind. 

Viel mehr Bäume in der Innenstadt und deutlich mehr Wasserflächen – das sind die Kernforderungen. Am Beispiel des Parkplatzes am alten Hallenbad wird deutlich, was er meint: Da, wo jetzt noch Autos stehen, soll es 2030 kleine Teiche geben, Bäume und schattige Rückzugsorte für Menschen, die sich dann vom Platz magisch angezogen fühlen – auch an heißen Sommertagen. 

Kirmes mitbedacht

„Um es gleich vorweg zu sagen: Wir haben die Kirmes mitbedacht“, schmunzelt Scheffer. Denn man könne die Teiche abdecken und im November trotz der Umgestaltung große Fahrgeschäfte aufbauen. Und die Parkplätze? „Die wird es in der Form nicht mehr geben“, sagt Scheffer. Denn die Verkehrswende sei nur zu schaffen, wenn es einen Mentalitätswandel gebe. Getrennte Wege für Fußgänger und Fahrräder, ein ausgebautes, intelligentes Busnetz, Haltebuchten für Autos und viel mehr Parkraum für Fahrräder – das sind Bausteine des neuen Konzepts. Drei neue Zentren fürs Parken und Umsteigen soll es geben: am Plange-Platz, am Bahnhof und an der Stadthalle. 

Damit die Anwohner nicht zu kurz kommen, sollen die ihre Autos in den Parkhäusern der Stadt abstellen dürfen. Auch die Straßen rund um den Wall sollen ein alternatives Gesicht bekommen: Als Einbahnstraßen sollen die so umgestaltet werden, dass ausreichend Platz bleibt für Radfahrer, Fußgänger – und grüne Lungen mit Spielflächen. „Soest erholt sich!“ knüpft als dritter Baustein an dieses Konzept an.

Vertragslandwirtschaft

 „Wir wollen einen grünen Gürtel rund um die Stadt“, sagt Joachim Drüke (ABU). Mittels Vertragslandwirtschaft und eigener Anstrengungen sollen artenreiche Wiesen, Blühstreifen, Obstwiesen und große Wasserflächen entstehen. „So können die Menschen mit dem Rad in die Naherholung“, macht Andreas Scheffer Lust auf eine erfrischende Zukunft. 

Überhaupt die Lust: Mit viel Optimismus und Freude präsentiert „So Lebenswert 2030“ eine positive Zukunftsvision einer Stadt, „die ja schon ganz viel erreicht hat, aber noch viel mehr Potenzial hat“. Wie es jetzt weitergeht? „Wir sind bereit für einen Dialog“ lassen sich Bürgermeister Ruthemeyer und Sabine Schumacher gegenseitig wissen. Über gemeinsame Ziele müsse man sich nun ebenso einig werden wie über „gute Ideen, die in der Realität auch an Grenzen stoßen“. Am Ende des Abends herrscht Aufbruchstimmung.

Ideen zusammenführen 

Die Gruppe „So Lebenswert 2030“ hat sich bei Treffen des Nachhaltigkeitsnetzwerks herauskristalisiert. „Wir haben festgestellt, dass jeder in seinem Bereich gute Ideen hatte. Und dann beschlossen, uns gemeinsam auf den Weg zu machen“, sagt Bernd Ellersiek (VCD). Ehrenamtlich und überparteilich ist so ein Konzept gewachsen, das die Planer als einen ganzheitlichen Ansatz verstehen, „mit dem wir den Herausforderungen begegnen können“.

Zur Gruppe gehören Joachim Drüke und Roland Loerbroks (Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz), Sabine Schumacher (BUND), Lena Loerbroks und Martin Reil (Landschaftsarchitekten), Oliver Marxen (Architekt), Carsten Neubauer (Einzelhandel), Bernd Ellersiek (VCD Soest) und Andreas Scheffer (Informatiker). Die Ideen und Pläne sind ab sofort einsehbar unter www.so-lebenswert.de. Erreichbar ist die Gruppe per Mail an team@so-lebenswert.de.

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