Ohne Lenkrad

Erster autonom fahrender Bus in Soest: Das ist seine genaue Strecke

autonomes fahren sofia in soest
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Sofia ist in einem Transporter in Soest angekommen und wird bald selber fahren.

Räder, Sitze, Fenster, Scheinwerfer: Eigentlich sieht dieses Fahrzeug aus wie ein ganz normaler Kleinbus. Doch ein wichtiges Detail fehlt: das Lenkrad. „Sofia“ heißt das Vehikel, das theoretisch ohne Fahrer auskommt und in Soest bald Premiere hat. Hier fährt es lang:

Soest- Schon bald soll in Soest eine Zukunftsvision für den öffentlichen Nahverkehr in die Realität umgesetzt: Mit einer Teststrecke zwischen dem Bahnhof und dem LWL-Berufsbildungswerk treibt der Kreis Soest die Entwicklung des autonomen Fahrens voran. „Sofia“, das hochautomatisierte und vernetzte Shuttle, soll jetzt unter realistischen Bedingungen im Linienverkehr der Stadt Soest erprobt werden.

Der Verkehrsversuch zum autonomen Fahren gehört zum Forschungsprojekt „Ride4All“, das sich mit verschiedenen Aspekten der intelligenten Verkehrssteuerung auseinandersetzt. „Dabei wird genauer untersucht, inwiefern das neue Angebot insbesondere ÖPNV Nutzern mit eingeschränktem Sehvermögen künftig mehr Möglichkeiten und Komfort bietet“, heißt es in einer Mitteilung des Verkehrsunternehmens Regionalverkehr Ruhr-Lippe (RLG).

Auf dieser Strecke wird der selbstfahrende Bus unterwegs sein.

An diesem Konzept beteiligen sich der Kreis Soest als Projektleiter und weitere Partner, die vor Ort mitarbeiten, darunter die Stadt Soest, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und die RLG. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit rund 2,3 Millionen Euro gefördert.

Das Shuttle Sofia wird auf der Linie A1 - so heißt die Teststecke offiziell - unterwegs sein. Sie startet am Bahnhof und verläuft über den Hammer Weg und den Feldmühlenweg, biegt in den Hattroper Weg ein und endet am LWL Berufsbildungswerk. Auf dem Rückweg schwenkt die Linie A1 vom Hattroper Weg in den Kleppingweg ein und folgt dem Verlauf des Oelmüllerwegs bis sie wieder auf den Feldmühlenweg stößt. Weiter geht es über den Feldmühlenweg und den Hammer Weg bis zum Bahnhof.

Autonom fahrender Bus in Soest: Fünf Haltestellen

Entlang der Linie A1 werden insgesamt fünf Haltestellen bedient. Davon werden drei Haltestellen extra nur für den Verkehrsversuch eingerichtet und später wieder abgebaut. „Die Festlegung der Strecke war nicht ganz einfach“, wird Jörn Peters vom Kreis Soest in einer Mitteilung der RLG zitiert. Der Projektleiter erläutert darin weiter: „Unser autonomes Shuttle soll möglichst unterschiedliche Verkehrsbedingungen und Alltagssituationen bewältigen. Dazu gehören: Hauptverkehrsstraßen, Tempo 30 Zonen oder Spielstraßen.“

Gleichzeitig darf es nicht zu größeren Behinderungen der anderen Verkehrsteilnehmer kommen. Aus Sicherheitsgründen ist Sofia mit maximal 15 Stundenkilometern unterwegs. Diesem Tempo müssen sich besonders Autofahrer entlang der Stecke anpassen. Auf dem Hammer und dem Hattroper Weg wird es deshalb während der Betriebszeiten von Sofia, und nur für den Testzeitraum von sechs Monaten, eine Tempobeschränkung von 30 Stundenkilometern geben.

Autonom fahrender Bus in Soest: TÜV hat Genehmigung gegeben

Die Entscheidung für den Streckenverlauf haben die Projektpartner gemeinsam mit dem Fahrzeughersteller „EasyMile“ getroffen. Am Ende war aber am Wichtigsten: Der TÜV hat sich bei einer Begehung alles genau angesehen und eine Genehmigung für den Betrieb erteilt.

Bis das autonome Shuttle dort erstmals fährt, sind allerdings weitere Vorbereitungen nötig. Unter anderem muss Sofia die Linie A1 erst einmal kennenlernen. Dazu sind spezielle Messfahrten erforderlich. Die ausgeklügelte Sensortechnik und die automatisierte Fahrfunktion des Shuttles erhalten so die notwendigen Grundlagen, um die Fahrzeugumgebung entlang der Strecke umfassend zu verstehen und sich je nach Verkehrssituation angemessen zu verhalten.

Autonom fahrender Bus in Soest: Testbetrieb ab Juni

Zum weiteren Zeitplan äußert sich Jörn Peters so: „Im Moment gehen wir davon aus, mit dem Testbetrieb im Juni 2021 zu starten.“ Die Soester Bürger müssen sich also noch etwas gedulden, bis sie selbst mit Sofia unterwegs in die Zukunft fahren können - und das dann übrigens kostenlos, wie die RLG bereits vor Wochen angekündigt hatte.

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