Schroth zeigt "Kunst, mit der ich lebe"

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Die Kunsthistorikerin Juliane Rogge kuratierte die Ausstellung "format" anlässlich des 70. Geburtstags von Sammler Carl-Jürgen Schroth und dem 35-jährigen Bestehen seiner Sammlung.

Soest - Im Soester Museum Wilhelm wird am Sonntag (7. Mai) zum Geburtstag des Sammlers Schroth  die Ausstellung "format" eröffnet, die einen Überblick über das Profil und die Charakteristika seiner 35 Jahre alten Sammlung gibt. 

Carl-Jürgen Schroth Sammler wird 70, seine Sammlung – immerhin eine der international wichtigsten in ihrem Bereich – wird 35. Das ist Inspiration genug, um nicht nur den Raum Schroth, sondern das gesamte Museum Wilhelm Morgner zu bespielen und mit der Ausstellung „format“ einen breiten Überblick über diese besondere Sammlung konzeptueller und post-minimalistischer Kunst zu geben, die mittlerweile fast 400 Arbeiten von Zeitgenossen umfasst.


Chronologisch betrachtet, „beginnt“ die Schau im Kabinett im Obergeschoss. Die ersten Sammlungsobjekte sind zum Teil gegenständlich geprägt, zeigen aber schon Merkmale, die sich später beim Sammeln konstruktiver und minimalistischer Kunst durchsetzen. Einige Stücke aus dieser Zeit werden zum ersten Mal öffentlich ausgestellt. 

Der Gang durch 35 Jahre Sammlungsgeschichte setzt sich im Umgang fort und führt zuletzt in den Raum Schroth, wo die Ausstellung nach inhaltlichen Gesichtspunkten geordnet ist. „format“-Kuratorin Juliane Rogge kam es bei der Auswahl der Exponate vor allem darauf an, die Charakteristika der Sammlung deutlich zu machen – nämlich zum einen die große inhaltliche Bandbreite und zum anderen den starken persönlichen, ja emotionalen Aspekt. 

Typisch für die persönliche Prägung ist der Ausspruch des Sammlers: „Kunst, die ich kaufe, ist solche, mit der ich auch in meinem Umfeld leben würde.“ Tatsächlich ist bekannt, dass Carl-Jürgen Schroth sich zuhause mit etlichen seiner Sammlungsstücke umgibt. „Für Ausstellungen wird auch schon mal die Wohnung geplündert“, plaudert Tochter Miriam Schroth „aus dem Nähkästchen“. 

Mit jedem seiner Kunstwerke verbindet der Sammler eine Geschichte oder ein Ereignis. Kein Wunder, dass er den Titel fast jeden Exponats kennt. Demzufolge hat er auch kein „Lieblingsbild“. Er kennt fast jeden Künstler und steht mit vielen auf freundschaftlichem Fuß. Von diesem Beziehungsreichtum kündet zum Beispiel die Tatsache, dass Anne Blanchet, die erst kürzlich im Raum Schroth ausstellte, ihrem Freund, dem Sammler, ein kleines Bild schenkte. Auch das ist natürlich in der Ausstellung „format“ zu sehen. 

Das Jahr 1990 markiert eine Zäsur im Sammlungsgeschehen. Carl-Jürgen Schroth kaufte nicht mehr gegenständlich „angehauchte“ Arbeiten, setzte nicht mehr auf Dekoratives sondern blieb konsequent auf dem konkreten, konstruktiven und minimalistischen Weg. Den Anstoß hatte die Begegnung mit den Stahlarbeiten von Heiner Thiel gegeben. Das Soester Publikum erinnert sich: Gerade eben ist im Museum Wilhelm Morgner die Ausstellung zuende gegangen, die Schroth zum 60. Geburtstag des Wiesbadener Künstlers ausgerichtet hatte. 

Von da an richtete Schroth sein Augenmerk auf konkrete Arbeiten – zuerst von den Franzosen Jean Legros, Yves Popet und Jean-François Deubreuil, später kamen Günther Uecker, Imi Knoebel, Blincky Palermo und Ulrich Rückriem dazu. Lichtkunstobjekte gehört Schroths besonderes Interesse. Namen wie Douglas Allsop, Frank Gerritz, Yves Klein, Jan van Munster, Spencer Finch und Jill Baroff gehören ebenfalls zu seiner Sammlung.

Der größte Teil seiner Sammlung brachte Sammler Schroth in die vor drei Jahren gegründete Stiftung Konzeptuelle Kunst ein. Damit einher ging die Kooperation mit der Stadt Soest, die es dem Stifter und Sammler erlaubt, seine Sammlung angemessen zu bewahren, zu verwalten und zu präsentieren. Seit Mai 2016 zeigt die Stiftung regelmäßig ihre Schätze im Raum Schroth, im Zwei-Jahres-Rhythmus auch im gesamten Museum Wilhelm Morgner. 

Die Ausstellung „format“ wird nicht wie üblich samstags, sondern am Sonntag, 7. Mai, dem Geburtstag des Sammlers Carl-Jürgen Schroth, um 11 Uhr eröffnet und Kuratorin Juliane Rogge und Miriam Schroth arbeiten derzeit an einem rund 100 Seiten umfassenden Bestandskatalog, der im Laufe der Ausstellung vorgestellt werden soll.

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