Außengastronomie in Werl, Soest, Möhnesee und Bad Sassendorf:

Städte verzichten auf Gebühren

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Viele Vorschriften, wenige Gäste: Die Saison ist für viele Gastronomen bisher ins Wasser gefallen.

Kreis Soest – Weniger Tische und Stühle, dafür mehr Abstand: Die heimische Gastronomie hat auch im Außenbereich zu leiden, denn diese Sondernutzung von öffentlichen Flächen kostet zusätzliche Gebühren. Weniger Bestuhlung heißt in Coronazeiten aber auch weniger Einnahmen.

Die Stadt Werl will in Sachen Gebühren in dieser speziellen Saison daher großzügig sein, antwortete Bürgermeister Michael Grossmann auf eine CDU-Anfrage in der jüngsten Ratssitzung. Es wurden bisher keine Gebühren erhoben und das soll in diesem Jahr auch nicht geschehen. Der Rat soll in seiner nächsten Sitzung im August einen entsprechenden Verwaltungsvorschlag diskutieren.

Damit schlägt Werl den gleichen Weg ein wie Soest, Möhnesee und Bad Sassendorf. Denn auch dort wollen die Städte und Gemeinden auf die Gebühren verzichten, um den heimischen Gastronomen „eine kleine Hilfestellung“ zu geben.

Die finanzielle Entlastung sei nicht immens groß, erläutert Iris Bogdahn aus dem Werler Rathaus, vielmehr gehe es „um ein Signal an die Gastronomen und Ladenbesitzer“.

„Ich mache drei Kreuze, wenn dieses Jahr zu Ende ist“, meint Betty Stoppa, Inhaberin des Eiscafé Venezia in Bad Sassendorf. Der Verzicht auf die Gebühren sei eine große Hilfe; auch weil sie draußen rund 50 Plätze weniger anbieten könne. Nur ansatzweise ausgleichen könne sie die Verluste aus den letzten Monaten aber natürlich nicht.

„Das wäre eine schöne Geste der Stadt, die uns hilft“, sagt Peter Pauthner. Der Pächter von „Diers am Markt“ in Werl hat zurzeit nur sechs statt zehn Tische im Außenbereich stehen, wo er auch nur 18 statt 30 Gäste bewirten kann. Drastisch reduziert hat Rosalba Paldino vor dem Eiscafé da Rosa in der Werler Walburgisstraße. Von sonst 19 Tischen mit Bestuhlung sind in Coronazeiten sechs übrig geblieben. Das mache das Geschäft draußen „sehr schwierig“.

„Jeder Cent hilft“, freut sich Rocco Pietrovicci. Der Inhaber des Eiscafé Venezia am Pankratiusplatz und von „Rocco am See“ in Körbecke weiß das Entgegenkommen der Gemeinde zu schätzen. Wegen des Eisgeschäfts habe ihn die Corona-Krise nicht ganz so hart getroffen wie viele andere. Und die reduzierte Anzahl der Außenplätze sieht er gelassen, meint: „Selbst wenn wir alle Plätze angeboten hätten, hätten wir keine Gäste gehabt.“ Nun setzt er auf die Zukunft, sagt: „Ab jetzt wird es langsam immer besser.“

Das hofft auch Gabriele Göbel, Geschäftsführerin im Café Fromme am Soester Marktplatz. „Die Idee, uns die Gebühren zu erlassen, ist sehr schön. Gerade in der Situation, die jetzt hinter uns liegt.“ Klar sei aber auch, dass der Umsatz mit der reduzierten Tischzahl draußen mit 16 anstatt 24 deutlich geringer sei. „Das ist fair“, freut sich auch Margareta Burgos. Die Inhaberin des „Solista“ im Theodor-Heuss-Park sowie des „Lamäng“ am Marktplatz gibt aber auch zu bedenken, dass es bei vielen heimischen Gastronomen derzeit schlicht ums Überleben gehe. „Mit einem guten Drittel weniger Außengastronomie und immer noch nur ganz wenigen Gästen, die sich ins Innere trauen, können wir nicht kostendeckend arbeiten“, sagt sie. Und: „Weil ja nun auch noch die Großveranstaltungen, wie zum Beispiel die Kirmes ausfallen, könnte es am Ende des Jahres die Hälfte von uns nicht mehr geben.“

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