Ausgewandert: Einen Soester hat´s in die Sonne gezogen

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Immer dabei: Mit Hündin Szotyi streift Hans-Jörn Buschmann in seiner Freizeit über die Insel Bonaire, die für den Soester längst zur Heimat geworden ist.

Soest/Kralendijk -  Einen Plan B zu haben hat sich für Hans-Jörn Buschmann mehr als einmal bewährt - vor fast vier Jahren war es wieder soweit: Da stand „B“ für Bonaire, eine kleine Insel in der Karibik vor der Küste von Venezuela. Der Soester packte seine sieben Sachen (und einiges mehr) in einen großen Seecontainer, suchte sein Glück auf diesem Fleckchen Erde, das zu Holland gehört und kann heute sagen, dass er gefunden hat, was er suchte.

Knapp 20 Jahre vorher hatte Plan B noch für Beruf gestanden – das war Anfang der 90er Jahre, als die Eltern des damals gerade 21-Jährigen das Familienunternehmen, ein Autohaus am Rigaring, nach einer schweren Erkrankung des Vaters verkaufen mussten. Statt wie geplant die Firma zu übernehmen, absolvierte Buschmann gleich zwei Ausbildungen als Kfz-Mechaniker und anschließend als Kaufmann und begann eine mehrjährige Odyssee als Verkäufer in verschiedenen Autohäusern in der Region. Nebenbei frönte er seinem Hobby, dem Motorsport.

Aber irgendetwas fehlte, langsam wuchs der Wunsch, weit weg etwas Neues zu wagen - auszuwandern. Auf Bonaire stieß Buschmann eher zufällig: Beim Googlen tauchte die Insel als Teil der ABC-Inseln (mit Aruba und Curacao) schon früh in einer alphabetischen Auflistung auf. Wichtigster Wirtschaftsfaktor war dort der Tourismus, vor allem Taucher schätzten die reizvolle Unterwasserwelt, riesige Kreuzfahrtschiffe legten im kleinen Hafen an und brachten Tagestouristen auf die Insel. Aus dem da noch eher allgemeinen Interesse wurde bald ein Erkundungsflug und dann Liebe auf den ersten Blick.

Klare und realistische Vorstellungen und Ziele

Allerdings sollte es doch noch ein paar Jahre dauern, bis in Soest alles geregelt und das eigene Haus verkauft war und es endlich losgehen konnte. Diese Zeit nutzte der angehende Auswanderer, um sein neues Leben zu planen.

„Ich fand es damals schon wichtig, mit klaren und realistischen Vorstellungen und Zielen loszulegen und nicht blauäugig in die Welt zu ziehen in dem Glauben, dass dort das Gras bestimmt grüner ist als zu Hause“, erinnert sich der inzwischen 44-Jährige, sonnengebräunt und entspannt in einem Café an der Hafenpromenade seiner neuen Heimat sitzend.

Wie immer mit dabei ist Szotyi, eine Mischlingshündin, die er aus dem in seiner Nachbarschaft gelegenen Tierheim geholt hat. Nur wenige Meter weiter hat ein großes Kreuzfahrtschiff angelegt, für ihn viel mehr als ein optisch imponierende Blickfang: Mit Touren für dessen Passagiere verdient er seinen Lebensunterhalt. Eine pfiffige Geschäftsidee war nämlich schon ganz früh Teil seiner Pläne für ein neues Leben, und diese Idee hat sich als Volltreffer erwiesen.

Mit Elektrofahrzeugen erfolgreich

Buschmann gründete sein eigenes Unternehmen („Roadrunner Bonaire“), kaufte in Deutschland sechs Elektrofahrzeuge und schiffte sie in einem großen Container quer über den Ozean. Die lautlosen kleinen Zweisitzer sind echte Hingucker auf der Insel und geführte Touren für Selbstfahrer bei Kreuzfahrttouristen heiß begehrt.

Der Westfale ist da ganz in seinem Element, unterhält die Gäste mit flotten Sprüchen, unzähligen kleinen Anekdoten über die bewegte koloniale Geschichte der ehemaligen Sklaveninsel und jeder Menge Insidertipps für einen unterhaltsamen und erholsamen Tag auf Bonaire. Zusätzlich vermietet er ein kleines Gästehaus auf dem weitläufigen Grundstück, auf dem auch sein eigenes Domizil steht.

Kein Zweifel: Buschmann ist längst angekommen auf Bonaire. Bei vielen Einheimischen auf der überschaubaren Insel, deren beiden Hauptorte Kralendijk und Rincon kaum größer als Kör-becke oder Bad Sassendorf sind, ist er bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Er grüßt und wird gegrüßt, hält liebend gerne, wie scheinbar alle hier, ein kleines Schwätzchen und wechselt dabei mühelos zwischen Deutsch, Holländisch und Englisch sowie dem kreolischen Papimiento hin und her. „Ich liebe die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen hier“, erklärt der ehemalige Soester, „und die Entspanntheit im Alltag, die es allen, die hier her kommen, so leicht macht, sich wohl zu fühlen“.

Einen Plan B hat er aber natürlich immer noch in der Tasche – bloß dass dieses B jetzt für „bleiben“ steht.

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