Schon vor 2000 Jahren Siedler im Soester Norden

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Spannende Spurensuche – auch für Sophie Kampmann (Jugendbauhütte) und Annika Manz (Studentin für Vor- und Frühgeschichte)

Soest – Dort, wo sich bald Häuslebauer den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen, lebten schon vor gut 2000 Jahren Menschen. Bevor die Handwerker zum Soester Norden ausrücken, kommt die Stadtarchäologie zum Zug – und die ergänzt das Puzzle Soester Geschichte jetzt um einen weiteren Baustein.

Über den tieferen historischen Hintergrund des im Grünen gelegenen Gebietes vor den Stadttoren ist wenig bekannt, bei den aktuellen Grabungen stießen die Experten jetzt aber auf Gruben, die Hinweise auf die Eisenzeit liefern. „Das ist schon sehr bedeutsam“, ordnet Frederik Heinze von der Stadtarchäologie ein, was im Boden des künftigen Neubaugebietes zum Vorschein kam. Ist es doch nun möglich, wieder etwas mehr Licht in ein Kapitel Soester Vergangenheit zu bringen. Julia Ricken (Stadtarchäologie) zeigt eine Keramikscherbe, die wohl Teil eines größeren, bauchigen Vorratsgefäßes ist. 

Charakteristisch für die Epoche, aus der das Stück allem Anschein nach stammt, ist die Randgestaltung. An einem anderen Fragment ist eine typische Verzierung zu sehen: Da hat ein Soester Vorfahre einst akkurat seine Fingerkuppe ins Material gedrückt und ein dekoratives Muster geformt. Auch ein Wetzstein zum Schleifen von Klingen gehört zu den Funden, die nun wissenschaftlich dokumentiert werden. Ein gut erhaltener gelblicher Zahn – schätzungsweise von einem Schwein oder Rind – lässt auf Nutztierhaltung an diesem Standort schließen. 

„Was wir leider nicht nachweisen konnten, sind Haus-Grundrisse an dieser Stelle“, sagt Frederik Heinze. „Wahrscheinlich eine Folge der Erosion oder der Ackerbewirtschaftung“, fügt er hinzu. Wie war das früher, im alten Soest? Wie sah der Alltag der Menschen aus? Welcher Arbeit gingen sie nach? Fragen, auf die Archäologen mit der Sicherung der Substanz Antworten geben. Nahe der Oestinghauser Landstraße stießen sie bei der Oberflächenbegehung auch auf Überbleibsel aus dem Mittelalter, vermutlich handelt es sich um Haushaltsgeschirr, das auf der Kloake landete. Die Altertumsforscher legten sechs Schnitte unterschiedlicher Größen an. Dabei schauten sie auf die Luftbilder der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg als wichtige Dokumente, die darüber Aufschluss geben, wo damals genau Bomben gefallen und explodiert sind. Die Archäologen arbeiten seit dem Frühjahr auf Feldern, die diese Krater nicht durchschneiden und untersuchen gut 5000 Quadratmeter.

 Für die Laien sind die Spuren im Grund nur als dunkle Färbung zu lesen. Sie erzählen aber eine Menge über die Hellweg-Region mit einer Handelsroute die seit alters her eine bedeutende Ost-West-Verbindung darstellt.

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