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Soester Apotheker impfen (erstmal) nicht

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Von: Kathrin Bastert

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Zum Impfen in die Hubertushalle niederense
Apotheker dürfen jetzt impfen. In Soest scheint der Bedarf zurzeit aber nicht gegeben. © dpa / Schmidt

Innerhalb der nächsten zwei Wochen könnten Apotheker in die Impfkampagne einsteigen, sagt der Apothekerverband. Die Voraussetzungen sind geschaffen, die Impfverordnung ist entsprechend angepasst.

Soest – Dass die Apotheker einsteigen, ist politisch gewollt. Horst Heidel wird in seinen Apotheken trotzdem keine Impfdosen verteilen. Zumindest vorerst nicht, sagt der Inhaber der Engel-Apotheke am Soester Markt und zweier weiterer Geschäfte in Neheim und Warstein. „Ich halte das hier in Soest nicht für sinnvoll.“ Mit dem Impfzentrum und dem Impfbus am Marienkrankenhaus, dazu den Impfmöglichkeiten in Arztpraxen sehe er Soest gut aufgestellt. „Diese Möglichkeiten sind zurzeit nicht ausgelastet. Ich weiß nicht, ob ich da als Apotheker noch eine Impfstelle aufmachen sollte.“

Die Voraussetzungen allerdings hat Heidel bereits geschaffen und die entsprechende Schulung besucht, um die Impfung verabreichen zu dürfen. Jetzt in die Impfkampagne einzugreifen, sei wenig sinnvoll, „es braucht ja auch eine gewisse Zahl an Impflingen an einem Tag, um nicht am Ende Impfstoff vernichten zu müssen.“ Langfristig allerdings seien die Apotheken ein guter Ort, um zu impfen, glaubt Heidel. An einem entsprechenden Pilotprojekt zur Grippe-Impfung beteiligt er sich im Hochsauerlandkreis mit seiner Neheimer Dependance. „Aber auch dort ist ein Impfzentrum nebenan, dort werden wir nicht gegen Corona impfen.“

Soester Apotheker impfen nicht: Interesse vorhanden

Interesse bei seinen Berufskollegen macht Heidel, der Sprecher der Apotheker im Kreis Soest ist, sehr wohl aus, das habe sich auch daran gezeigt, dass viele Apotheker bereits an den nötigen Schulungen teilgenommen haben. Und im ländlichen Bereich, wo die Impfangebote möglicherweise weniger gut erreichbar vor der Haustür liegen, sei die Einbeziehung der Apotheken gut und richtig. „Dort brauchen wir dezentrale Stellen, da sind die Apotheken ein guter Ansprechpartner.“

Thomas Puchert winkt bei der Frage nach Impfungen in seiner West-Apotheke am Kaufland ab. „Hier bei uns sind die Rahmenbedingungen nicht gegeben“, sagt er, „wir haben keine Extra-Räumlichkeiten, in denen wir impfen könnten.“ Nach dem Pieks gehört jeder Impfling noch für eine Viertelstunde unter Beobachtung. Was, wenn der Kreislauf kollabiert oder eine allergische Reaktion auftritt? Dass dann kein Arzt in der Apotheke zugegen wäre, hält Heidel aber nicht für problematisch. „Auch in einer Arztpraxis würde in so einem Fall Rettungsdienst und Notarzt alarmiert.“ Ein Ersthelfer müsse wie in jedem Unternehmen auch in einer Apotheke vor Ort sein – und bei einem anaphylaktischen Schock wäre sogar Adrenalin verfügbar.

Impfung in Apotheken: Biontech noch schwer zu kriegen

Ein weiterer Punkt, der aus Sicht der Pharmazeuten gegen den Pieks in der Apotheke spricht, sind die personellen Ressourcen. Zu tun jedenfalls ist genug in den Apotheken, dazu der Aufwand für das Ausstellen digitaler Impfzertifikate. Auch Thomas Puchert führt das Impfzentrum und die inzwischen gut funktionierende Impf-Infrastruktur an, „zumal das Impfzentrum hier praktisch nebenan liegt.“ Außerdem: Der Apotheker selbst müsste vor Ort sein, um die Immunisierungen vorzunehmen, das, so Puchert, sei „gar nicht immer möglich.“

Gaby Leopold wird in ihrer Schwanen-Apotheke ebenfalls keine Impfungen verabreichen. Auch sie hält das vorhandene Angebot für ausreichend. Und Viktoria Suerhoff, Apothekerin in der Rats-Apotheke, die zum Verbund der Combimed-Apotheken gehört, fügt an, dass nach wie vor Biontech-Impfstoff schwer zu kriegen sei. Wenn nun die Apotheken zu impfen beginnen, würde das die Beschaffungssituation womöglich noch verschärfen. „Wenn man mit Ärzten oder mit Impfstellen spricht, hört man, dass die Biontech-Impftage noch gut besucht sind. Bei Moderna ist das Interesse flacher. Mehr Angebote hieße weitere Verknappung.“

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