Gotteshaus am De-Rode-Weg

Neuapostolische Gemeinde Soest will Kirche abreißen und neu bauen

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62 Jahre alt und abrissreif: Die Neuapostolische Kirche am De-Rode-Weg.

Soest – Eine Kirche in Soest abbrechen – zumindest bei Patrokli, Petri und Wiese undenkbar. Die Neuapostolische Gemeinde aber will neu bauen und dafür ihre alte Kirche abreißen.

Möglichst bald, doch noch hat sich der Gestaltungsbeirat nicht an den Gedanken gewöhnt. „Es sind strategische Überlegungen“, sagt Wolfgang Schug, er ist der Apostel der knapp 300-köpfigen Soester Gemeinde. „Wenn wir alle Auflagen an Brandschutz und Barrierefreiheit erfüllen müssten, wäre eine Renovierung nicht effizient.“ 

Die würde sicher mehr kosten als die zwei Millionen Euro, die nun in den Neubau fließen. Das sei nicht einfach so dahergeredet, seine Kirche habe reichlich Erfahrungen mit Gotteshäusern aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts; allein in NRW stehen mehr als 500. 

Mit dem Neubau will die Gemeinde zudem „ein Zeichen setzen“: Man schaue nach vorn und denke nicht wie so viele andere Kirchen an Rückzug.

Ein „multifunktioneller Saal“ mit 100 Sitzplätzen bilde den Kern des Neubaus, angeschlossen würden Sakristei und Nebenräume – im Fall des Falls direkt oder über Bild und Ton mit dem Geschehen in der Kirche verbunden. Ein Schrägdach soll den Saal bedecken, die Nebenräume liegen unter einem Flachdach. 

Für den Soester Gestaltungsbeirat, der sonst eher über Geschäfts-, Wohn- und sonstige Zweckbauten befindet, ist das völliges Neuland: Ein Gotteshaus mitten im Wohngebiet am De-Rode-Weg: Das Dach wirke wie „eine Art Sprungschanze“. Und: „Wäre da nicht ein Kreuz, wäre das Gebäude nicht als Kirche erkennbar.“ 

„Die Sakralität entsteht im Innern“, hält Schug dagegen. Seitliche (vielleicht sogar farblich gestaltete) Fenster und Oberlichter sollen Licht-oasen schaffen, Altar und Orgel leisteten das Übrige. Der Apostel wundert sich, dass sich die Stadt schwer tue mit dem Neubau: „Die Genehmigung für den Abriss hatten wir komischerweise binnen einer Woche.“ 

Über die Jahrzehnte ist die Neuapostolische Gemeinde gewachsen. Selbst wenn aus Soest heraus weitere Gemeinden in Sassendorf, Werl, Warstein und Brilon gegründet worden sind, ist der Abzug immer rasch kompensiert worden. Neue Gemeindemitglieder rekrutieren sich aus dem Nachwuchs, aber auch aus dem Freundeskreis- und Bekanntenkreis. Hin und wieder finden sich auch Quereinsteiger. Die Soester Gemeinde gibt es seit 1930, anfangs zur Miete und seit 1957 in der eigenen Kirche.

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