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Tomaten brauchen Licht, Wärme und viel Zuwendung

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Von: Klaus Fischer

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Anzeiger-Gartenexperte Klaus Fischer mit seinen Tomatenpflanzen © privat

Hobbygärtner, die etwas auf sich halten, haben Tomaten in ihrem Gemüsebeet, im Kübel oder sogar im Balkonkasten gepflanzt. Tomaten sind das liebste Gemüse der deutschen von der eigenen Scholle, sozusagen ein Statussymbol, vor allem, wenn man viele verschiedene Sorten hat.

Soest - Dabei handelt es sich um das aus Südamerika stammende Nachtschattengewächs um eine erstaunliche Pflanze mit verblüffenden Fähigkeiten. Vor allem Gärtner und Bauern, die Tomaten im großen Stil anbauen, machen sich diese zunutze. In der Regel werden Tomaten eintriebig erzogen. Genutzt wird nur der Haupttrieb, der aber intensiv. 

Dazu muss man wissen, dass die Tomate jede Menge Seitentriebe bildet, die Geiztriebe, die in den Blattachseln entspringen – und das schon von frühester Jugend an, wenn sie erst 30 Zentimeter groß sind. Eine der wichtigsten Arbeiten ist es also, regelmäßig, das heißt etwa alle drei Tage, diese Geiztriebe herauszubrechen, die Tomate zu „entgeizen“. Diese kann man leicht mit dem Fingernagel herausknipsen. Sind sie schon größer, sollte man eine Schere nehmen, um den Haupttrieb nicht zu verletzen. Die Tomate setzt ihre Früchte in Etagen an, das heißt, auf einen Fruchttrieb folgen Blätter, dann wieder ein Fruchttrieb und so weiter. 

Immer weiter in die Höhe

Die Tomate wächst oben immer weiter in die Höhe und bildet neue Blüten- und Blatttriebe. In unserem Garten oder unserem Gewächshaus werden sie etwa zwei bis 2,5 Meter hoch. Als Stütze hat sich der Spiralstab bewährt, in den sie regelmäßig etwa beim Entgeizen vorsichtig eingedreht wird. Bei den Profis sieht das ganz anders aus. Dort stehen die Pflanzen in riesigen Gewächshaushallen mit vier bis fünf Metern Höhe. Sie werden an Fäden gehalten, die oben von einer Spule abgewickelt werden können. Die Tomaten wurzeln lediglich in einem kleinen Sack mit einem Steinwollesubstrat und werden täglich mit gedüngtem Wasser ernährt. Geerntet wird immer die unterste Fruchtetage, gleichzeitig wird dann die Pflanze ein Stück abgeseilt, und man entfernt die Blätter bis zum nächsten Fruchtansatz, damit dieser besonnt werden kann. 

Das können wir übrigens in unserem Garten und Gewächshaus auch so machen. Je mehr Sonne die Früchte abbekommen, desto besser schmecken sie. Und wir verringern die Gefahr einer Infektion von Braunfäule, die oft unten an den Blättern ihren Anfang nimmt durch Regen-Spritzwasser. Der kahle und abgeerntete Haupttrieb wird beim Profi dann unten vorsichtig in großen Schlaufen auf den Boden gelegt, das heißt, die Pflanze wird immer länger, weil sie oben stetig weiterwächst. Die Saison in einem solchen beheizten Tomatenhaus dauert ein Jahr von Januar bis Dezember. In dieser Zeit können Tomaten erstaunliche 18 bis 20 Meter lang werden, wobei fast die gesamte Länge dann auf den kahlen Haupttrieb entfällt. 

Seitentriebe brauchen unnötige Energie

Natürlich wird auch hier ständig entgeizt. Denn die Seitentriebe verbrauchen nur unnötige Energie der Pflanze. Es geht aber auch anders. Setzt man die Tomate möglichst tief in die nährstoffreichste Erde, in Kompost etwa, damit sie viele Wurzeln bilden kann, und lässt man alle Seitentriebe stehen, so wächst sie nicht so sehr in die Höhe, sondern in die Breite, wenn man die Seitentriebe entsprechend auffächert und weiterleitet. Dann kann eine einzige Tomate locker eine zehn Meter breite Südwand ausfüllen und etliche Zentner Früchte bringen. Für unsere Breiten empfiehlt sich das aber nicht, weil die Tomatensaison im Freien hier nur von Mai bis Oktober, bis zum ersten Frost reicht. Dann ist es schlagartig vorbei mit der ganzen Pracht. Den besten Ertrag hat man hier mit der eintriebigen Erziehung. 

Denn an Seitentrieben bilden sich Früchte erst mit zwei bis drei Wochen Verspätung. Noch ein Tipp: Spätestens im September sollten wir die Triebspitze kappen, damit sie nicht mehr weiter wachsen kann. Denn all die Früchte, die sie dann noch ansetzt, werden nicht mehr verzehrreif und verbrauchen nur unnötig Energie, die die Pflanze nach dem Entspitzen dann in die verbleibenden Tomaten stecken kann. Tomatenblüten müssen befruchtet werden. Am besten erledigen das Hummeln. Man kann aber auch selber Hand anlegen und täglich die Pflanzen kräftig rütteln. Der Blütenstaub fällt dann auf die Narbe, und das klappt, weil Tomaten selbstfruchtbar sind.

Wenn das Gemüse plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes "kopflos" ist, kann das mehrere Ursachen haben. Garten-Experte Klaus Fischer weiß aber, wie man die Pflanzen wieder auf Wachstumskurs bringt.

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