Nur wenig Frauen in der Spitze

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Ingrid Kipper, Karin Sander, Eva Irrgang, Christine Winkler (oben von links) sowie Monika Dobberstein, Alexandra Eckel, Gerhild H’loch und Claudia Kurfürst-Theuke (unten von links) haben in den vergangenen Jahren an entscheidender Position gearbeitet oder sind noch immer beschäftigt.  

Soest - Mit einem Frauen-Anteil von 42 Prozent spielt der Soester Stadtrat deutschlandweit in der Ersten Liga. Deutlich schlechter sieht es aus, wenn nach Frauen in Spitzenpositionen der Kommune oder ihrer Töchter gesucht wird. In dem Bereich hat Soest wenig bis gar nichts zu bieten.

Die Fernuniversität Hagen hatte sich an das Thema herangemacht und untersucht, wie stark Frauen auf kommunalen Führungspositionen vertreten sind. Allerdings konzentrierten sich die Hagener auf die 73 Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern im Land; Soest ist nur halb so groß. Wer glaubt, der Anteil der Frauen nehme kontinuierlich zu, stellt zunächst mal bei den Oberbürgermeisterposten einen herben Rückschlag fest. 

Vor zehn Jahren saßen immerhin auf knapp 18 Prozent der Chefsessel Frauen; inzwischen hat sich dieser Wert mehr als halbiert. Bekanntestes Gesicht an der Spitze einer Stadt ist die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Soest hat – lang ist’s her – tatsächlich auch schon mal eine Bürgermeisterin erlebt: Die CDU-Politikerin Ingrid Kipper war von 1975 bis 1981 Rathaus-Chefin. Sie hätte diesen Job sicherlich länger ausgeübt, wenn nicht ein Krebsleiden sie zur Aufgabe gezwungen hätte. Kipper starb 1982. Nie zuvor und nie danach stand eine Frau an der Spitze der Stadt. 

Ein wenig mehr Erfahrung mit weiblichem Spitzenpersonal hat der Kreis Soest. Karin Sander als ehrenamtliche und (aktuell) Eva Irrgang als hauptamtliche Landrätin führ(t)en dort die Geschäfte. Der Soester Stadtrat ist zwar noch lange nicht fest in Frauenhand, doch mit einer Quote von 42 Prozent liegt die Stadt deutschlandweit klar vorn. 

Bei der Hagener Untersuchung kam heraus: Bei den großen Städten reicht der Frauenanteil von 22 Prozent (Mülheim) bis 44 Prozent (Erlangen). Stadtverwaltung ein blinder Fleck Während in den untersuchten Städten in den vergangenen zehn Jahren die Frauenquote auf Dezernentenposten von 18,5 auf 29,1 Prozent kletterte, muss Soest auf diesem Gebiet komplett passen. Noch nie ist hier eine Frau in die Führungsriege der Stadtverwaltung aufgestiegen. 

Nur eine, Christine Winkler, hatte es Ende 2000 schon fast geschafft, Erste Beigeordnete zu werden. Die Rheinländerin war bereits gewählt, als sich die SPD-Ratsfraktion daran rieb, dass Winkler keine Volljuristin sei, und die Wahl erfolgreich anfocht. Bei den städtischen Töchtern Stadtwerke und Klinikum haben es bislang ebenfalls noch keine Frauen bis ganz nach oben geschafft. 

Mit Prof. Monika Dobberstein ist seit Herbst zumindest bei der Wirtschaftsförderung die Männer-Vorherrschaft fürs Erste geknackt. Wenn auch nicht mit Spitzenämtern, so immerhin mit leitenden Posten sind immer wieder Frauen in Soest bedacht worden. 

So ist die Chefstelle der Stadtbücherei seit Jahrzehnten fest in Frauenhand: Von Helene Niggemeier über Gerhild H’loch bis Alexandra Eckel. Und mit Claudia Kurfürst-Theuke entschieden sich Ende der 80er-Jahre die Verantwortlichen in Soest für eine Managerin als erste Chefin der damals neu gebauten Stadthalle.

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