Anonyme Spurensicherung für Frauen nach Sexual-Verbrechen

Eine beim Kreis Soest angesiedelte Kooperationsrunde denkt seit Jahren darüber nach, wie Frauen geholfen werden kann, die Opfer von Gewalt werden.
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Eine beim Kreis Soest angesiedelte Kooperationsrunde denkt seit Jahren darüber nach, wie Frauen geholfen werden kann, die Opfer von Gewalt werden.

Soest - Der Anfang ist gemacht, aber noch steckt das Projekt „Anonyme Spurensicherung“ in den Kinderschuhen, vor allem ist es kaum jemandem bekannt. In Lippstadt, Werl und Warstein gibt es seit ein paar Monaten Anlaufstellen, an die sich Frauen nach einer Vergewaltigung oder anderen schweren Verbrechen wenden können. Hier können die Opfer DNA-Spuren gerichtsfest sichern lassen, ohne dafür gleich den Gang zur Polizei antreten zu müssen.

„Unser nächster Schritt ist: Kriegen wir eine solche Kooperation jetzt auch mit dem Klinikum Soest hin“, sagt Marianne Schaefer vom Kreisjugendamt. Käme das Soester Krankenhaus hinzu, wäre viel gewonnen, denn dann hätten Frauen mitten im Kreis Soest ebenfalls eine Kontaktstelle.

Nach Sexualverbrechen, so Schaefer, benötigen Frauen oftmals Zeit, den ersten Schock zu überwinden. Sie seien oft nicht gewillt, (gleich) eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Vor allem dann nicht, wenn der Täter aus der Familie oder dem engeren Bekanntenkreis stammt. Bei einer späteren Anzeige gestalte es sich schwierig, objektive Beweise für das Verbrechen vorzulegen, zumal bei solchen Delikten fast immer Aussage gegen Aussage stehe.

Um den Frauen Zeit zu geben und trotzdem die Strafverfolgung nicht zu gefährden, gibt es die anonyme Spurensicherung. Ärzte sichern das DNA-Material. Weil sie dafür vorbereitet sein müssen, hat sich die Kreiskooperationsrunde „Häusliche Gewalt und Kinderschutz“ über diese Spurensicherung umfassend informiert, Spurensicherungs-Sets bereitgestellt und „gerichtsfeste Transportwege“ für die DNA-Proben festgelegt. Das Material wird in Rechtsmedizinische Institute gebracht und dort als Asservate eingelagert.

Angebot noch nicht bekannt

In Lippstadt ist es die Kinderambulanz, in Werl eine Frauenarztpraxis und in Warstein eine Kinderarztpraxis, die sich an dem Netzwerk Anonyme Spurensicherung beteiligen. In Soest könnte mit dem Klinikum ein Krankenhaus hinzukommen, das ebenfalls über eine (rundum besetzte) Frauen- und Geburtsmedizin verfügt.

„Das Problem ist, das Angebot ist noch gar nicht flächendeckend bekannt“, sagt Schaefer. Die dringend benötigte Öffentlichkeitsarbeit werde bei der nächsten Konferenz nach der Sommerpause zentrales Thema sein.

Die Soester Runde wird sich bei der Gelegenheit fachlichen Rat der Münsteraner Rechtsmedizinerin Prof. Heidi Pfeiffer und der Staatsanwältin Susanne Ruland (Arnsberg) einholen.

Die Grünen haben in dem Zusammenhang empfohlen, Fachleute als Multiplikatoren zu gewinnen, die für die anonyme Spurensicherung werben sollten. „Ein guter Anfang“ sei gemacht, auf den nun aufgebaut werden müsse, sagt dazu die Kreistagsabgeordnete Ilona Kottmann-Fischer.

Dass Frauen die anonyme Spurensicherung nutzen, um Zeit und Abstand nach einem Verbrechen zu gewinnen, belegt das Beispiel aus der Nachbarstadt Arnsberg. Dort hat sich das Angebot inzwischen herumgesprochen. „Drei Fälle im Jahr“ kommen hier zusammen, berichtet Marianne Schaefer.

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