Verbreitung auf Facebook

„Annika aus Soest“: Betrüger wollen mit falscher Vermissten-Meldung Daten stehlen

„BITTE LESEN“ – so locken die Betrüger mit diesem Beitrag auf ihre Seite.
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„BITTE LESEN“ – so locken die Betrüger mit diesem Beitrag auf ihre Seite.

„Annika aus Soest wird vermisst“ – so heißt es zumindest in einer derzeit viralen Meldung auf Facebook. Wer sie sieht und mehr über den Fall erfahren möchte, sollte darauf aber besser verzichten. 

Soest - Denn die Meldung ist erstunken und erlogen, dient nur dazu, den User auf eine Internetseite zu bringen, auf der er seine Facebook-Daten eingeben muss, um ein Video zu sehen. Damit erhoffen sich Cyberkriminelle, ganze Benutzerkonten übernehmen zu können.

Stadt:Soest
Regierungsbezirk:Arnsberg
Einwohner:47.514 (31. Dezember 2019)

So erklärt es der österreichische Verein Mimikama, der auf seiner Homepage das Ziel der Aufklärung über Internetmissbrauch verfolgt und dazu seit zehn Jahren Falschmeldungen, Abofallen, Spam, Fake-Gewinnspiele und -News sowie sonstige schädliche Internet-Links analysiert, mitunter aber auch verifiziert, und auf dem eigenen Blog darstellt.

Netz-Betrug in Soest: Seite entlarvt Fake-Beitrag

So auch im Falle der Meldung über die vermeintlich vermisste Annika. „Sie ist seit 3 Tagen nicht mehr zu Hause gewesen! ‚Sie hat mit dem Hund gespielt, 5 Minuten später ist sie weg…‘ – Annikas Mutter“ steht als Schlagzeile dabei, gekoppelt mit dem Bild eines kleinen Mädchens, das Mimikama längst als das Foto eines französischen Kindes namens Fiona entlarvt hat, das 2013 im Alter von fünf Jahren von der eigenen Mutter ermordet worden ist. Dies zu überprüfen, bedarf nicht einmal eines nennenswerten kriminalistischen Spürsinns. Wer das Foto durch die Rückwärtssuche laufen lässt, stößt sofort auf die Berichte über die schreckliche Tat.

Eine eigene Homepage wurde sogar für die angebliche Suche eingerichtet. Ein Automatismus sorgt dafür, dass die Angabe, wann das Mädchen verschwunden sein soll, stets den aktuellen Tag anzeigt. Sprich, gestern stand dort, sie sei am 24. Februar verschwunden, heute steht dort der 25. Februar. Auch das kann jeder im Abstand eines Tages selbst überprüfen.

Netz-Betrug in Soest: Gefälschte Kommentare

Die 144 nichtssagenden Kommentare darunter seien alle gefälscht, fährt Mimikama fort. Wer sich nun aber das Video anschauen will, das angeblich Aufnahmen einer Überwachungskamera zeige, werde fortgeleitet auf eine Seite, die wie Facebook aussieht. Dort solle man nun erst seine Kontodaten, die für die Anmeldung in dem sozialen Netzwerk nötig sind, eingeben – angeblich, um zu bestätigen, dass man bereits 18 Jahre alt ist. Wer das tut, ist den Betrügern in die Falle getappt, da diese es darauf anlegen, das Konto zu kapern.

Wer schon einmal ohne eigenes Zutun eigentümliche Meldungen oder Nachrichten über Facebook verschickt hat, der ist auf eine solche Masche hereingefallen.

Netz-Betrug in Soest: Das sagt die Polizei

Im Täuschungsversuch heißt es, sogar Interpol sei eingeschaltet – und das schon am Tag der Vermisstenmeldung, was extrem unglaubwürdig wirkt. Zumal die erste Adresse, bei der ein vermisstes Kind gemeldet würde, freilich die Polizei vor Ort wäre. Das Ergebnis einer Anfrage bei der Soester Kreispolizeibehörde verwundert somit nicht im Geringsten: Eine solche Anzeige liegt dort nicht vor. Sprecher Holger Rehbock: „Ganz klar ein Fake.“

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