Frau klaut Kuchen und Schokolade: Freiheitsstrafe

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Eine Soesterin, die wegen ihrer Essstörung immer wieder stiehlt, sand vor dem Amtsgericht.

Soest. Weil sie in einem Supermarkt lange Finger machte, Schokolade und Kuchen für etwa 60 Euro in den Einkaufswagen packte, die Schnuckersachen aber nicht bezahlen wollte, stand eine Soesterin jetzt wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht. Das Urteil: eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten zur Bewährung. 

Die Frau, die angab, sie leide an einer chronischen Essstörung und komme gegen ihre plötzlichen Heißhunger-attacken nicht an, muss sich jetzt bewähren. Dazu gehört auch, dass sie eine ambulante Therapie macht, um bei den Ursachen ihres Verhaltens anzusetzen. Nimmt sie diese professionelle Hilfe entgegen der Auflagen nicht in Anspruch, wird ihr wohl das Gefängnis nicht erspart bleiben. 

Hinter der Anklage steht eine tragische Geschichte: Die Frau, deren Leidensdruck offenbar so hoch ist, dass sie nicht arbeiten gehen kann, stand schon häufiger vor Gericht. Sie sei verzweifelt, schilderte sie jetzt während der Hauptverhandlung, denn der ständige Gedanke an das Essen bestimme ihr Leben. In nur zwei Jahren wurde sie viermal erwischt, als sie in Soester Geschäften klaute, um ihre vermeintliche Sucht zu befriedigen. 

Einmal wollte sie Lebensmittel im Wert von über 160 Euro mitgehen lassen, um sie in sich reinzuschlingen. Zwanghaft sei sie auf die Nahrung fokussiert, berichtete die Soesterin. Bisher sei keine Linderung in Sicht. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, seufzte ich, „ich kann nur hoffen, dass ich meine Krankheit endlich in den Griff kriege.“

 Bisher allerdings sei nichts passiert, was den ernsthaften Willen zu einer Änderung erkennen lasse, gab die die Vertreterin der Staatsanwaltschaft im Prozess zu bedenken. Auch die bisherigen Geldstrafen hätten keine Kehrtwende bewirkt. Daher plädierte sie dafür, eine kurze Freiheitsstrafe zu verhängen, der Angeklagten aber die Chance zu geben, alles zu versuchen, um ihr Leben geregelt zu bekommen. Sie müsse sich in Behandlung begeben. „Sie wissen, dass es falsch ist, was Sie tun“, hob der Richter in seiner Urteilsbegründung hervor. Er verabschiedete die Soesterin mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen alles Gute und hoffe, dass wir uns hier nicht wiedersehen.“

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