Wanderung durch Ostönnen

Verabredung mit einem Alpaka

Ein Spaziergang mit Alpakas durch die Natur macht Zwei- und Vierbeinern gleichermaßen Spaß. Und nebenbei wirkt es auch noch wunderbar entschleunigend – nicht nur in Corona-Zeiten.
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Ein Spaziergang mit Alpakas durch die Natur macht Zwei- und Vierbeinern gleichermaßen Spaß. Und nebenbei wirkt es auch noch wunderbar entschleunigend – nicht nur in Corona-Zeiten.

Große, dunkle Kulleraugen, ein niedliches Gesicht und kuschelweiches Fell – Alpakas sind nicht nur sanfte, sondern auch wunderschöne Tiere. Tiere, in die man sich auch mal schockverlieben kann, wie Julianne Weber aus eigener Erfahrung weiß.

Ostönnen – Vor vielen Jahren ist die Ostönnerin täglich auf dem Weg zur Arbeit an einer Wiese mit vier Alpakas vorbeigekommen und war fasziniert von den Vierbeinern. „Irgendwie fand ich die direkt sympathisch, ihr Wesen hat schon etwas Besonderes“, erzählt die 35-Jährige, die fortan jede Menge Informationen über die aus den südamerikanischen Anden stammenden Tiere sammelte und schließlich den Entschluss fasste, sich eine eigene Herde anzuschaffen. Sieben Jahre ist das nun her. Inzwischen hält sie 13 Alpakas am Sieveringer Kirchweg und baut eine eigene Zucht auf. Außerdem verkauft sie verschiedene Produkte aus Alpaka-Wolle und bietet – ganz neu – Spaziergänge mit den sanften Kleinkamelen an.

So ein Spaziergang ist etwas Besonderes. Wer mit den tiefenentspannten Tieren unterwegs ist, der entschleunigt von ganz allein. Für den unsren Spaziergang hat Julianne Weber den weißen Wallach Lucky und die hellbraune Stute Cara ausgesucht.

Kuschliges Fell schützt vor Regen

Beide sind vier Jahre alt. „Lucky ist unser vorwitziges Flaschenkind, das immer neugierig ist und gerne Aufmerksamkeit erregt. Cara ist eine Zuchtstute, die aber gerade nicht tragend ist und deshalb mit auf den Spaziergang kommen kann“, stellt Julianne Weber die Tiere vor, legt ihnen dann behutsam einen Halfter an und lädt zu einer kleinen Streicheleinheit ein: „Am besten streichelt man am Hals oder Rücken, am Kopf mögen sie es nicht so gerne.“

Das Fell der Alpakas ist kuschelig und unglaublich dicht und dick. Selbst bei einem Regenschauer bleibt die Haut der Tiere deshalb trocken. Je kälter der Winter ist, umso länger wächst die Wolle der Alpakas. Die Schur erfolgt im Frühjahr. Dann gibt Julianne Weber die Wolle beziehungsweise das Vlies weg und lässt es zu Strickwolle, Bettdecken, aber auch zu Seife verarbeiten.

Diese handgesiedeten Alpaka-Keratinseifen gibt es in verschiedenen Düften wie Rose, Limette oder auch Keks. Sie riechen wunderbar und sind frei von Palmöl. Socken, Mützen, Stirnbänder, Handschuhe, Schals, Dreieckstücher und Thermoeinlegesohlen bezieht Julianne Weber aus Peru. Dort werden die Produkte unter fairtrade-Kriterien zum großen Teil in Handarbeit hergestellt.

Vorsicht vor dem Austreten

„Alpakas sind Fluchttiere, deshalb kann es schon mal sein, dass sie zur Seite springen, wenn sie sich beim Spaziergang vor etwas erschrecken“, erklärt die Ostönnerin. Daher sei es wichtig, den Strick immer gut festzuhalten, damit die Tiere nicht ausbüxen können. Und weil Alpakas manchmal auch nach hinten austreten – „am liebsten in Kniescheibenhöhe“ - sollte man am besten immer neben und nicht hinter ihnen laufen. Nach diesen Ratschlägen geht es auch schon los.

Alpakas sind Fluchttiere, deshalb kann es schon mal sein, dass sie zur Seite springen, wenn sie sich beim Spaziergang vor etwas erschrecken.

Julianne Weber

Die ersten Meter führen durchs Dorf. Alpakas an der Leine – inzwischen haben sich die Dorfbewohner an den Anblick gewöhnt, grüßen und lächeln die kleine Gruppe freundlich an. Dann geht es in die Ostönner Feldflur. Während Cara gemächlich den Weg entlangläuft, ist Lucky an diesem stürmischen Nachmittag etwas zappelig. „Den Wind, der durch die Bäume rauscht, mag er nicht so“, erklärt Julianne Weber, die die Spaziergänge immer begleitet. Maximal vier Alpakas können bei einer Wanderung mitkommen. Die Gruppe soll klein und überschaubar bleiben.

Genuss ohne Radau und Action

Das Grüppchen ist noch keine zehn Minuten unterwegs, da kommt schon die Frage, die nahezu immer gestellt wird. Die Antwort: Ja, auch Alpakas können spucken. Sogar ziemlich zielgenau. „Sie spucken aber nur, wenn sie verärgert sind oder sich bedrängt fühlen. Das Spucken passiert auch meist in der Herde, da geht es dann auch um die Rangfolge“, beruhigt Julianne Weber. Die Spaziergänger konzentrieren sich auf die Tiere, beobachten, schlendern, genießen. Gesprochen wird wenig. Die Kleinkamele strahlen eine Ruhe aus, die sich auf ihre Begleiter überträgt. Die Leine, an der sie gehalten werden, schwingt meistens durch, gesteuert werden muss kaum. „Ist Lucky doch mal zu unruhig, läuft man kurz im Kreis, dann ist er wieder in der Spur“, so Julianne Weber.

Die letzten Meter werden beide Alpakas dann etwas flotter, weil sie wissen, dass es nach Hause geht. Kaum hat Julianne Weber die Tiere abgehalftert, flitzen sie auch schon zu ihren Artgenossen. „Da sieht man, dass sie Herdentiere sind. Sie suchen sofort die Nähe zu den anderen.“

Ein Spaziergang mit Alpakas ist ein Genuss ohne Radau und Action. Ein Konzept das funktioniert. „In Ruhe durch die Natur schlendern und diese ganz intensiv wahrnehmen. Das kommt gut an“, sagt Julianne Weber. Abseits der Alltagshektik die Seele baumeln lassen - in diesen Zeiten wichtiger denn je.

Wer sich für eine Alpaka-Wanderung interessiert: www.alpakas-am-hellweg.de.

Ein Stirnküsschen für Julianne Weber: Alpaka-Dame Carolin macht aus ihrer Zuneigung keinen Hehl. Derweil warten Lucky (hinten) und Cara (vorne links) darauf, dass der Spaziergang los geht.

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