Mit Bier und Bullenauge

Von Pferden, Tweety und anderen schrägen Vögeln - das ist der  Kirmesdonnerstag

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Die Gruppe „Tweetys“: Die Freunde kommen aus Anröchte, Belecke, Arnsberg und Altengeseke und erkennen sich an ihrem Koppfschmuck.

Soest - „Geramon, Geramon, Geramon! Den kompletten Eimer für nen Zehner!“, schallt es schon von Weitem über den Platz vor dem Ostenhofentor. Menschenmassen tummeln sich rund um Bierstände und Würstchenbuden. Mittendrin geben die Händler alles, um ihre Waren an den Mann zu bringen. Der Pferdemarkt ist der Höhepunkt der Allerheiligenkirmes in Soest. Um in der Menge noch aufzufallen, lassen sich die Besucher dort so einiges einfallen.

So wie die „Tweetys“. Der Freundeskreis aus Anröchte, Belecke, Arnsberg und Altengeseke trifft sich jedes Jahr zum gemeinsamen Pferdemarkt-Bummel. Für den Wiedererkennungswert haben sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. Auf ihren dunklen Schirmmützen sitzen kleine „Tweetys“ – der kleine gelbe Vogel aus der Cartoonserie – umrahmt von bunten Kirmespins.

„Wir werden jedes Jahr mindestens einmal gefragt, wo man die Mützen kaufen kann. Aber es sind selbstgefertigte Einzelstücke. Wir haben schon mal überlegt, Bestellungen aufzunehmen“, sagt Jörg Röper, auserkorener Sprecher der Truppe. „Wir fahren vorher schon immer zum Kirmesaufbau und kaufen da den aktuellen Pin. Oft ist der nämlich beim Pferdemarkt schon weg“, ergänzt Petra Wessel aus Belecke.

Die Bilder: Pferdemarkt 2018 in Soest

Eine kreative Kopfbedeckung hatte auch Elektrotechniker Johannes. Eine Glühbirne befestigt auf einem roten Schutzhelm, markiert ihn als den Dienstjüngsten der Kirmes-Truppe. Gemeinsam mit seinen Arbeitskollegen der Firma Riepegerste aus Neuengeseke ging es statt zur Arbeit an den Bierstand. „Als Neuer in der Firma, darf ich heute den Helm tragen“, sagt er.

Ein Erkennungszeichen trugen auch die „Lakeladies“ aus Möhnesee. Bei einer Runde Kurzer wurden am Pferdestand die Schätzergebnisse besprochen. Denn die Karnevalistinnen machen jedes Jahr beim traditionellen Pferdeschätzen mit. Weil sie eine Karnevalstruppe sind, muss in einem der fünf Schätzergebnisse auch immer die 11 vorkommen, erklären die Frauen. In diesem Jahr schätzen sie deshalb 511 Kilogramm. „Wir waren schon oft richtig nah dran“, sagt Elke Husemann. „In diesem Jahr muss es mal klappen.“ Sollten sie die 500 Euro Preisgeld gewinnen, haben die Damen auch schon einen Plan: „Dann machen wir ein Lakeladies-Wochenende.“

Die „Lakeladies“ aus Möhnesee machen jedes Jahr beim Pferdeschätzen mit.

Geschätzt werden musste in diesem Jahr das Gewicht von Friesenwallach „Wilfried“, in diesem Jahr benannt nach Wilfried Lining, Leiter der Kommunalbetriebe. Eigentlich heißt das Pferd Vincent, doch das Schätzpferd bekommt in Soest traditionell den Namen eines Verwaltungsmitarbeiters. Während die Männer mit geübtem Blick Größe und Umfang des Tieres abzuschätzen versuchen, sorgen die Frauen mit Heu und Möhren dafür, dass das Pferd noch ein paar extra Pfund auf die Rippen bekommt.

Man ist sich einig: „In den letzten Jahren waren die Pferde schwerer.“ Aber wie berechnet man das Gewicht eines Pferdes? „Ich wiege 110 Kilo, wie oft passe ich in das Pferd?“, versucht es Jürgen Kaden aus Beringhausen. Kollege und Landwirt Clemens Holmann aus Liesborn wählt einen anderen Ansatz: „Es müssen etwa 600 Kilo sein. Ich vergleiche das mit meinen Kühen. Die wiegen zum Teil 700 Kilogramm.“

Andere wollen sich nicht auf den Zufall verlassen, schließlich geht es um 500 Euro Kirmesgeld – oder anders gesagt: einige Runden Bullenauge und mehrere Fahrten auf dem Riesenrad. Sie wählen die Mathematik: „Wir haben gegoogelt, und eine Formel gefunden. Man rechnet Brustumfang mal Brustumfang mal Länge und teilt das Ganze durch 11877,4“, verrät eine Truppe aus Köln. Für den Sieg reichte es am Ende nicht. Wer weiß, vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

Gewonnen haben:

1. Preis (500 Euro): Patricia Schulz (Warstein)

2. Preis (300 Euro): Sarah Carls (Soest)

3. Preis (150 Euro): Mark Schroller (Arnsberg)

Zosse „Wilfried“ brachte 546 Kilogramm auf die Waage. Vier Teilnehmer haben das richtige Ergebnis geschätzt.

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