Nach dem Echo-Skandal: Schüler warnen vor gefährlichen Tendenzen

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Schüler des Aldegrever-Gymnasiums erinnern an die Bücherverbrennung und greifen in ihren Gedanken zu historischen Gedenktagen auch neue gefährliche Tendenzen auf.

Soest -  Das Thema werde immer brisanter, das zeige der Antisemitismus-Skandal im Rahmen der Echo-Preisverleihung, meint Lehrerin Linda Keil. Lernen aus der Geschichte – dieser Gedanke steht im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die den 85. Jahrestag der Bücherverbrennung in der NS-Zeit in den Blick rückt. Dabei geht es unter anderem um die Unterdrückung der freien Meinung. „Welt, frage nicht die Todentrissenen, wohin sie gehen“, lautet der Tite

l eines Abends, den der Pädagogik-Leistungskursus der Q1 am Aldegrever-Gymnasium vorbereitet. Die Schüler greifen vor aktuellem Hintergrund gefährliche Tendenzen auf. Sie richten den Fokus auf den 10. Mai 1933, als die Feuer loderten und die Nazis die Werke der von ihnen ungeliebten Autoren in die Flammen warfen. Tausende von Büchern aus den Bibliotheken wurden herangekarrt und demonstrativ vernichtet. 

Die Scheiterhaufen brannten in mehreren deutschen Städten. Diese Literatur galt als verfemt und wurde in den Propaganda-Veranstaltungen entsorgt, dennoch reagierten viele Menschen damals gleichgültig auf die öffentliche Inszenierung. Zeichen gegen das Vergessen Die Jugendlichen beschäftigen sich mit den historischen Begebenheiten und stellen die Frage: „Was hat das alles mit uns heute zu tun?“

 Sie möchten mit ihrer Aktion ein Zeichen gegen die Demagogie und das Vergessen setzen. „Ich finde es beachtenswert, dass motivierte Schüler bei allem Stress, den sie haben, daran arbeiten und ihre Gedanken mitteilen wollen“, betont Linda Keil. 

Veranstaltung in Lippstadt

„Es hat Jahre gedauert, bis das Bewusstsein gewachsen ist für die Kulturschande der Bücherverbrennung 1933 und deren Auswirkung auf das geistige Leben bis heute. Inzwischen ist der 10. Mai ein offizieller Erinnerungstag geworden“, heißt es beim Lippstädter Kunst- und Vortragsring. Er stellt seinen jährlichen Beitrag einen Tag später unter die Überschrift: „Vertrieben – Verbrannt“. Dabei soll nicht nur auf die Prominenz von Literatur und Wissenschaft hingewiesen werden, wie es in der Ankündigung heißt, auch heute zu Unrecht Vergessene sollen in den Blick rücken. Carmen Harms, Franziska Weyer und Renate Ziebecker werden dazu heiter-emotionale wie gedankenvolle Texte vorstellen.

Rundgang über den Poesie-Pfad

 Auch das Team des Poesie-Pfades im Rumbecker Mühlbachtal beteiligt sich mit einer besondere Veranstaltung. Unter dem Motto „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ lesen die Mitglieder bei einem Rundgang durch den Wald Gedichte und stellen deren verbotene Autoren vor. Die Texte werden einmalig nur gelesen, nicht ausgehängt. 

Drei Termine

Dienstag, 8. Mai: „Welt frage nicht die Todentrissenen, wohin sie gehen“, Gedanken und Vorträge anlässlich historischer Gedenktage und neuer gefährlicher Tendenzen“, 19 Uhr, kleiner Lichthof des Aldegrever-Gymnasiums in Soest. 

Mittwoch, 9. Mai: „Vertrieben – Verbrannt“, Leseveranstaltung des Kunst- und Vortragsrings Lippstadt, 17 Uhr, Galerie im Rathaus Lippstadt (Eintritt frei) 

Donnerstag, 10. Mai (Himmelfahrt): Lesung auf dem Poesie-Pfad im Rumbecker Mühlbachtal. Der Rundgang beginnt um 15 Uhr am Parkplatz im Mühlbachtal und dauert 90 Minuten.

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