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70-Jährige lebt glücklich mit ihrem Partner im Walpurgis-Haus

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Von: Heyke Köppelmann

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Agnes Kirmes und ihr Lebesngefährte Hans Droste
Agnes Kirmes und ihr Lebesngefährte Hans Droste. © Köppelmann

70 Jahre alt zu werden, das klingt erst einmal nicht ungewöhnlich. Anders verhält es sich bei Menschen mit Trisomie 21. Agnes Kirmes konnte diesen runden Geburtstag jetzt feiern - ein Tag auf den sie sich schon lange gefreut hat.

Soest – „Hallo, ich bin Agnes!“ Mit einem Lächeln begrüßt Agnes Kirmes jeden Besucher im Walpurgis-Haus. Dort lebt sie seit ihrer Jugend, und sie freut sich schon viele Jahre riesig auf ihren 70. Geburtstag.

Die Sonne scheint, ein herrlicher Tag beginnt. Agnes Kirmes und Cornelia Mundt, Mitarbeiterin in der Einrichtung unter dem Dach der Perthes-Stiftung, sitzen auf der Terrasse und schmieden Pläne, denn nun steht endlich das große, lang ersehnte Ereignis an. Die Bewohnerin zeigt mit einem Strahlen im Gesicht Fotos aus ihrem Zimmer mit Menschen, die ihr sehr am Herzen liegen. Auf einem der Bilder ist sie glücklich mit ihrem Lebensgefährten Hans Droste (73) zu sehen. Der gesellt sich in seinem Rollstuhl auch gleich zu seiner Partnerin nach draußen und hält ihre Hand.

70 Jahre alt zu werden, das klingt erst einmal nicht ungewöhnlich. Wer jedoch weiß, dass Agnes Kirmes Trisomie 21 hat, versteht, dass dieser Tag für sie ein ganz besonderer ist. Die meisten Menschen mit dem Down-Syndrom haben, wie Cornelia (Conny) Mundt erklärt, keine so hohe Lebenserwartung. Alle im Haus freuen sich mit Agnes Kirmes. Zwar lassen es die strengen Corona-Regeln nicht zu, im großen Rahmen zu feiern, doch die Bewohnerin soll einen schönen Tag erleben, deshalb bietet das Programm einige Überraschungen, einschließlich einer Tour mit dem Cabriolet nach Eickelborn, denn von dort stammt die Jubilarin. Luftballons tragen Wünsche in den Himmel, vor dem offenen Fenster erklingt dank der Unterstützung der Bürgerstiftung Hellweg ein kleines Konzert, und es gibt Kuchen to go für die gesamte Gemeinschaft.

Von seiner Schwester, so meint ihr Bruder, Pfarrer Michael Kirmes, lasse sich viel lernen: Sie sei freundlich, lebensfroh und führe ein zufriedenes, erfülltes Leben. Sie sei sehr einfühlsam, gehe offen auf die Menschen zu, spüre sofort, wenn jemand traurig ist und versuche, ihn dann zu trösten, schildert Cornelia Mundt. Und: „Sie arbeitet für ihr Leben gern, räumt in der Küche auf, und es ist ihr wichtig, dass ihr Zimmer immer ordentlich aussieht.“

Agnes Kirmes wuchs mit vier Geschwistern in einem christlichen Elternhaus auf. Fest im Familienverbund verankert und gut im Dorfleben integriert, habe sie dank des Engagements ihrer Lehrerin Agnes Wilmes aus Lohe mit den gleichaltrigen Kindern die Grundschule besucht.

Nach dem Tod von Vater und Mutter kümmern sich ihr Bruder in Dortmund und seine Haushälterin Monika Ricke um Agnes Kirmes sowie ihre Schwester, die Ordensfrau Sr. Maria Goretti aus Frankfurt. Diese engen biografischen Beziehungen seien ihr extrem wichtig, aber auch das freundschaftliche Verhältnis zu den Mitbewohnern, berichtet Cornelia Mundt.

Sie sagt: „Agnes ist das Herz der Wohngruppe.“ Die Pandemie sei für die Bewohnerin nur sehr schwer zu fassen oder auch gar nicht zu begreifen. Die ersten Monate habe sie die Mitarbeiter wegen der Masken vor Mund und Nase täglich gefragt, ob sie denn bald wieder gesund seien. Dass sie seltener und distanzierter Besuch erhält, ertrage sie mit der Aussicht, dass alles irgendwann überstanden ist, es wieder besser wird und dass sie ja Päckchen und Briefe von Menschen bekommt, die an sie denken.

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